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Bukarest

Hauptstadt Rumäniens

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Bukarest (rumänisch [bukuˈreʃtʲ]) ist die Hauptstadt Rumäniens. Sie ist mit etwas mehr als 1,7 Millionen Einwohnern (Stand 2021) die neuntgrößte Stadt der Europäischen Union (EU).

Nachdem Bukarest 1659 Târgoviște als Landeshauptstadt des Fürstentums Walachei endgültig abgelöst hatte, wurde es zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Walachei und später Rumäniens. Die Stadt verfügt über mehrere Universitäten, verschiedene andere Hochschulen sowie zahlreiche Theater, Museen und weitere Kultureinrichtungen.

Die kosmopolitische Hochkultur und der dominierende französische Einfluss der neubarocken Architektur der Stadt brachten ihr den Beinamen Micul Paris („Kleines Paris“, auch „Paris des Ostens“) ein. In der Amtszeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu wurden weiträumig historische Stadtviertel zerstört, um dem monumentalen Zuckerbäckerstil des Staatsoberhaupts Platz zu machen.

Bukarest liegt in 55 bis 96,3 Meter über dem Meeresspiegel im Zentrum der Walachischen Tiefebene 68 Kilometer nördlich der Donau und 280 Kilometer westlich des Schwarzen Meeres. Die Stadt wird von der Dâmbovița durchflossen; ihr Nebenfluss, die Colentina, bildet im Norden der Stadt eine Kette von neun natürlichen Seen.

Die Stadt liegt südlich des östlichen Karpatenbogens und der Vrancea-Zone zwischen der Schwarzmeer-Mikroplatte und der Moesischen Platte in einem der am meisten von Erdbeben betroffenen Gebiete Europas. Starke Erdbeben stellen eine erhebliche Bedrohung für die rumänische Hauptstadt dar. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ereigneten sich vier starke Erdbeben (10. November 1940, 4. März 1977, 30. August 1986 und 30. Mai 1990) unterhalb der Vrancea-Region etwa 130 Kilometer von Bukarest entfernt. Wegen des sehr inhomogenen Untergrundaufbaus besteht eine fünfzigprozentige statistische Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Magnitude M = 7.6 innerhalb von 50 Jahren. Entscheidend für das seismische Risiko in Bukarest ist die Erdbebenaktivität in der Vrancea-Zone im östlichen Karpatenbogen, die mit postorogenetischen Ereignissen an einer miozänen Subduktionszone im Zusammenhang steht. Die mitteltiefen Beben in dieser eng umgrenzten Region sind die Ursache für die mitunter katastrophalen Erdbebenschäden in Bukarest.

Das Klima ist gemäßigt kontinental. In den Monaten Juni, Juli und August liegt die durchschnittliche Temperatur über 20 °C. Die Wintertemperaturen bewegen sich häufig unter 0 °C. Sie fallen jedoch selten unter −10 °C. Im Januar 1888 wurde mit −30 °C die niedrigste Temperatur und am 20. August 1945 mit 41,1 °C die höchste Temperatur in Bukarest gemessen. Berüchtigt ist im Winter der Crivăț, ein kalter kontinentaler Wind, der aus nordöstlicher Richtung weht und Dauerfrost und Schneestürme mit sich bringt.

Die Jahresniederschlagssumme in Bukarest liegt bei 579 Millimetern. Im Jahresmittel liegt die Temperatur bei 11,1 °C. Der kälteste Monat im Jahr ist der Januar, mit einer durchschnittlichen Tiefsttemperatur von −5 °C. Die heißesten Monate sind der Juli und der August, mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 27 °C.

Bukarest besitzt einen besonderen Verwaltungsstatus in Rumänien und untersteht keiner Bezirksverwaltung. Die Stadt wurde 1968 in sechs administrative Sektoren (sectoare) unterteilt, deren Grenzen im Sommer 1979 neu festgelegt wurden. Die Sektoren und ihre Distrikte sind:

Jeder dieser Sektoren verfügt über einen Rat mit 27 Sitzen, ein Rathaus und einen Bürgermeister. Eine Stadtgebietsvergrößerung ist geplant. Die Verantwortlichen planen eine Eingemeindung der nördlich von Bukarest gelegenen Kleinstadt Otopeni.

Bukarest wurde einer Legende nach von einem Hirten namens Bucur gegründet. Bucurie bezeichnet im Rumänischen glückhafte Freude, und Bucur ist ein verbreiteter Familienname. Im etymologischen Sinn bedeutet București: Du bist froh. Eine weitere Erzählung berichtet von dem getischen König Dromichaites, der Freudenstadt errichtete.

Stadtgründung, Residenz der Fürsten der Walachei

Bukarest wird in einer auf den 20. September 1459 datierten Urkunde erstmals erwähnt. Die Urkunde wurde von dem Woiwoden und Feldherrn Vlad Țepeș, mit dem Beinamen Drăculea, ausgestellt.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest, wo sich schon nach 1400 eine Handwerkersiedlung mit Schmieden, Töpferei und Gerberei nachweisen lässt, zum Curtea (Fürstensitz) der Walachei. Fürst Radu der Schöne bezeichnete am 14. Oktober 1465 Bukarest in einer Urkunde als Fürstensitz. Die Stadt erlangte ihre zentralstädtische Bedeutung als fürstliches Macht- und Handelszentrum, das in einem Verdichtungsraum von Siedlungen lag. Zwischen 1459 und 1625 erschienen allein 41 Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Bukarest.

Nachfolgend war Bukarest abwechselnd mit Tîrgoviște Hauptstadt der Walachei. Der Hauptmarkt entstand um die Lipscani-Straße.

Das Osmanische Reich dehnte sich im 14. Jahrhundert von Kleinasien auf das Gebiet des heutigen Rumänien aus. Bereits 1394 drang eine erste osmanische Armee über die Donau vor. Danach wurde das Fürstentum Walachei erstmals tributpflichtig.

Unter dieser osmanischen Suzeränität erlebte das noch immer dörflich geprägte Bukarest durch die Anwesenheit des Hofes sowie durch die Rückkehr der ausländischen Händler einen Aufschwung. Die Bevölkerungszahl stieg und es entwickelte sich eine städtische Struktur, die durch eine Vielzahl neuer Gebäude zum Ausdruck kam. 1545 errichtete Fürst Mircea Ciobanul die erste Stadtmauer in Form eines Palisadenwalls. Auch ein großer Teil des die Stadt umgebenden landwirtschaftlich genutzten Landes wurde nun als „das Land der Stadtbürger“ (moșia orășenilor) mit Grenzsteinen markiert.

Dreißig Jahre später erhob sich die Bukarester Bevölkerung in den Jahren 1574 und 1575 sowie im Jahr 1594 gegen die wachsenden Tribute der Hohen Pforte. Zudem beteiligte sie sich an den Kämpfen Mihai Viteazul (Michael der Tapfere) gegen die osmanische Armee, die aber letztlich erfolglos blieben. Nachdem dieser von den Osmanen abfiel, eroberte im August 1595 Großwesir Koca Sinan Pascha nach der Schlacht bei Călugăreni die Stadt. Dabei kam es zu einem Stadtbrand. Im Herbst desselben Jahres kam es in der Nähe von Bukarest zu einer weiteren Schlacht, bei der sich die Türken zurückzogen und dabei einen Teil der Stadt zerstörten. Aus diesem Grund verlagerte man anschließend den Fürstensitz bis 1626 nach Târgoviște. Kurz nach seiner Machtübernahme verlegte Fürst Alexandru Coconul am 10. November 1626 die Residenz wieder nach Bukarest.

Nachdem Fürst Matei Basarab 1632 als letzter aus der vorherrschenden walachischen Familie auf dem Thron kam, errichtete er in Bukarest zahlreiche Bauten. Wegen seines gespannten Verhältnisses zu den Osmanen übersiedelt der Fürst um 1640 nach Târgoviște. Der Fürstensitz verblieb währenddessen in Bukarest. Basarabs Nachfolger, Fürst Constantin Șerban, zog nach Amtsantritt im Mai 1654 erneut nach Bukarest. Im darauffolgenden Jahr kam es am Sitz der heutigen Nationalbank zum Aufstand der Dorobantzen und Infanteristen gegen die Bojaren. Anlässlich der Ausschreitungen ließ Fürst Șerban bei seinem Abzug nach Târgoviște und der Verlegung des Fürstensitzes den Fürstenhof und die Stadt in Brand setzen.

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