Brynolf Wennerberg, auch Brynolf Wennerberg der Jüngere (* 12. August 1866 in Otterstad, Schweden; † 30. März 1950 in Bad Aibling), war ein schwedisch-deutscher Maler, Zeichner und Gebrauchsgrafiker. Als Mitarbeiter des satirischen Blattes Simplicissimus und der amerikanischen Zeitschriften Pictorial Review und Puck erlangte er internationale Bekanntheit.
Brynolf Wennerberg wurde am 12. August 1866 in Otterstad/Schweden am Südufer des Vänersees geboren. Er wuchs in einer ländlichen, begüterten Adelsgesellschaft auf. Sein Vater, der Gestütsbesitzer Gunnar Brynolf Wennerberg (1823–1894), war ein akademischer Maler aus der Düsseldorfer Malerschule. Er führte ein den Künsten aufgeschlossenes Haus.
1885 ging Brynolf Wennerberg an die Kunstgewerbeschule in Stockholm und ein Jahr später auf die Kunstnernes Frie Studieskoler (die freien Studienschulen der Künstler) in Kopenhagen/Dänemark, um bei Peder Severin Krøyer (1851–1909) zu studieren. 1888 verließ Brynolf Wennerberg Kopenhagen und suchte seinen Erfolg als Zeichner in Leipzig. Die Stadt war seit 1825 das Zentrum des Buchhandels und damit ein Drehpunkt des Verlagswesens für Buch- und Notendruck. Schon 1896 lassen sich illustrierte Notentitel von Brynolf Wennerberg nachweisen, die sich heute vor allem im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg befinden.
In Leipzig lernte Brynolf Wennerberg die junge Helene Pauline (geb. Hermann, * 5. März 1872 in Herzberg/Elster) kennen, die er 1889, mit 23 Jahren heiratete. Dort kamen auch seine Töchter Astrid (* 1891) und Ellen (* 1893) zur Welt.
Anfang 1900 zog Wennerberg mit seiner Familie nach Fürstenfeldbruck, nahe München. Von 1901 bis 1905 lebten sie dort im Villenvorort Emmering, wo 1902 die dritte Tochter, Charlotte, geboren wurde. 1905 fand die Familie eine Wohnung in München in der Schwanthalerstraße. Am 5. März 1908 mietete Brynolf Wennerberg sich dort ein Atelier in der Hermann-Schmid-Straße.
Am 2. Januar 1911 starb die zweite Tochter Ellen mit sechzehn Jahren an Tuberkulose. Helene Wennerberg konnte sich von dem Schicksalsschlag nicht erholen. Die Ehe zerbrach im folgenden Jahr. Am 6. März 1912 fand auch ihr Leben ein Ende.
Am 3. Januar 1912 hatte Wennerberg mit seinen beiden Töchtern die bayerische Staatsangehörigkeit erhalten.
Nach dem Tod seiner Frau entschloss sich Brynolf Wennerberg, München zu verlassen. Er reiste mit der jüngsten Tochter Charlotte, der Witwe Anny von Reznicek, die er in England heiratete, und deren Pflegetochter Else Lang (1902–1988) am 22. April 1912 auf die Isle of Wight. Seine älteste Tochter Astrid folgte kurz darauf. Die Abmeldung in München erfolgte am 1. Juli 1912. Ab dem 9. Oktober 1912 lebte die Familie in Paris. Im November bezogen sie dort eine Wohnung in der rue St. Dominique 118.
Wie viele andere Künstler wurde auch Brynolf Wennerberg 1914 vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Ausland überrascht. Die Familie befand sich im Schweizer Sommerquartier in Glarisegg. Eine Rückkehr nach Frankreich war nicht mehr möglich. Die Einrichtung und alle schriftlichen und künstlerischen Unterlagen gingen in Paris verloren.
Ab 1915 wohnte Brynolf Wennerberg mit seiner Familie in der oberbayerischen Stadt Bad Aibling in der Villa Mina am Kurpark. Für seine Arbeit mietete er das ehemalige Atelier von Wilhelm Leibl an. Jetzt erst widmete er sich intensiver der Malerei. Brynolf Wennerberg starb am 30. März 1950 in Bad Aibling.
Der schriftliche Nachlass des Künstlers wird heute im Deutschen Kunstarchiv (DKA) im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, aufbewahrt.
Wennerberg war kein Landschaftsmaler, auch wenn er ab 1915 Landschaftsbilder der neuen Heimat in Oberbayern schuf. Sein Thema war der Mensch und insbesondere die jugendliche, schmalgliedrige Frau mit ihrem ungewissen, verhaltenen Lächeln, dem „Wennerberg-Lächeln“.
Zu den begehrtesten Gemälden Wennerbergs zählen heute die Karnevals- und Zirkusbilder, in denen eine Tänzerin in der Gestalt der Columbine und ihr Begleiter Pierrot in allerlei Verkleidungen auftreten. Es sind zeitgemäße Neuschöpfungen eines alten künstlerischen Themas, die ihn zu einer singulären Erscheinung in der Malerei und in der Grafik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden lassen.
Wennerberg war 1938, 1943 und 1944 mit jeweils einem Gemälde auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München vertreten.
Arbeiten für deutsche Zeitschriften
Meggendorfer Blätter, Simplicissimus, Lustige Blätter, Die Woche
Wennerbergs künstlerische Laufbahn begann 1892 mit der Tätigkeit für die damals in Deutschland weit verbreitete Zeitschrift Meggendorfer Blätter. Farbig Illustrierte Wochenschrift für Humor und Kunst. Viele junge Akademiestudenten profitierten von derartigen, neuen Zeitschriften, denn sie waren als Illustratoren gesuchte Mitarbeiter. Diesem Broterwerb ging Wennerberg vor allem in den Jahren 1892 bis 1900 nach. Vermutlich 1901 stellte er seine Arbeit für die Zeitschrift ein. Insgesamt fanden sich 67 Belege für Wennerbergs Tätigkeit bei den Meggendorfer Blättern.
1909 begann Wennerberg als Zeichner für den Simplicissimus in München zu arbeiten. Seine Kollegen dort waren u. a. Thomas Theodor Heine (1867–1948), Olaf Gulbransson (1873–1958) sowie Eduard Thöny (1866–1950). Für Brynolf Wennerberg bedeutete dies einen Karrieresprung. In jenem Jahr 1909 waren Albert Langen (1869–1909), der geniale Verleger der geistreichen Zeitschrift und Ferdinand von Reznicek (1868–1909), der beliebte Zeichner und Illustrator der Darstellung der ein wenig anrüchigen Femme fatale, verstorben. Die erste Illustration von Brynolf Wennerberg brachte der Simplicissimus am 15. November 1909; seine letzte am 18. März 1919. Das erste Titelblatt von Wennerberg, eine „Karnevals-Nummer“, erschien am 31. Dezember 1912. Insgesamt sind fünf Titelseiten zu ermitteln. Diese Titelseiten wurden später zusammen mit weiteren besonders beliebten Illustrationen gesondert als großformatige Kunstdrucke in Mappen verkauft oder als Bücher zusammengestellt. Noch erfolgreicher waren seine Postkarten nach Motiven von Abbildungen im Simplicissimus. Insgesamt wurden 103 Abbildungen von Wennerberg in diesem Periodikum gedruckt. Nach seinem Ausscheiden wurden die erfolgreichen Illustrationen bis in das Jahr 1925 noch beworben. Erfolgreiche Zeichnungen bot die renommierte Galerie Heinemann in München als Kommissionsware zum Verkauf an.