Bryan Guy Adams, OC, OBC (* 5. November 1959 in Kingston, Ontario) ist ein kanadischer Rocksänger, Gitarrist, Songschreiber und Fotograf. Seit 1983 erreichte er in mehr als 30 Ländern Nummer-eins-Platzierungen in den Charts. In den rund 40 Jahren seiner Karriere verkaufte er mehr als 100 Millionen Tonträger.
Adams wurde 1959 als Sohn britischer Eltern in Kanada geboren. Sein Vater Conrad J. Adams war im militärischen Diplomatendienst tätig, seine Mutter Elisabeth Jane Watson arbeitete als Lehrerin und Bibliothekarin. Wegen des Berufs des Vaters musste die Familie häufig ihren Wohnort wechseln; so lebten sie beispielsweise in Israel und Österreich und von 1967 bis 1971 in Portugal. Die Eltern trennten sich Mitte der 1970er Jahre. Bryan Adams zog mit seiner Mutter und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder nach Ottawa und etwas später nach Vancouver. Neben Englisch spricht er auch Französisch.
Adams ist seit Ende der 1980er Jahre Vegetarier und inzwischen auch Veganer. Er unterstützt die Tierrechtsorganisation PETA. In einem Interview mit der Zeitschrift Brigitte sagte er dazu: „Seitdem ich kein Fleisch mehr esse, habe ich nie mehr irgendeine Infektion gehabt, nicht mal einen Schnupfen. Es geht. Es geht wirklich.“
Adams hat mit seiner langjährigen Lebensgefährtin zwei Töchter (* 2011 und * 2013). Nach einigen Jahren in London lebt Adams wieder überwiegend in Kanada.
2013 kaufte Adams im Berliner Stadtteil Oberschöneweide eine alte Werkshalle, als Atelier für sich und befreundete Künstler; 2016 verkaufte er einen Großteil wieder.
In Vancouver widmete sich Adams sehr intensiv seiner Musik. Im Alter von 15 Jahren verließ er die Highschool, um mit Bands wie Shock und Sweeny Todd nachts in den Clubs der Stadt aufzutreten. Mit Sweeny Todd nahm er als Leadsänger 1977 die LP If Wishes Were Horses… Then Beggars Would Ride auf, die 2004 unter dem Titel Bryan Adams – The Early Years um zwei weitere Songs aus dieser Zeit ergänzt erneut veröffentlicht wurde. 1978 verließ er die Band.
In Vancouver lernte Adams Ende der 1970er-Jahre auch den Musiker Jim Vallance kennen. Beide begannen eine Zusammenarbeit als Songwriter, die bis heute anhält. Sie schrieben Lieder für verschiedene kanadische Rockmusiker, zum Beispiel Loverboy und Bachman-Turner Overdrive. Auch schrieben sie Songs für Bonnie Tyler, Ian Lloyd und Kiss. 1978 produzierten Adams und Vallance einige Demobänder und schickten sie an Plattenlabels. Einige dieser Demos tauchten im Laufe der Jahre auf Adams’ Studioalben auf, wie zum Beispiel I’m Ready, das 1983 auf Cuts Like a Knife veröffentlicht wurde.
1980–1989: Plattenvertrag, erste Erfolge und Tourneen
1979 bekam Adams einen Plattenvertrag bei A&M Records. Im Frühjahr 1980 veröffentlichte er sein erstes Album Bryan Adams, das kein kommerzieller Erfolg wurde und nicht in die Hitparaden kam. Ein Jahr später erschien das Album You Want It, You Got It, das es in die US-Charts schaffte.
1982 ging Adams mit den Kinks, Loverboy und Foreigner auf Tournee, für die er im Vorprogramm spielte. Der kommerzielle Durchbruch gelang Adams 1983 mit dem Album Cuts Like a Knife, das sowohl in Kanada als auch in den USA in die Top Ten der Albumcharts kam. Die erste Singleauskopplung war Straight from the Heart, eine Ballade. Im selben Jahr hatte Adams in der Fernsehsendung Rockpalast seinen ersten Auftritt in Europa.
Der Hardrock der ersten Alben wich im November 1984 mit dem Album Reckless zumeist AOR- bzw. Mainstream-orientierten Songs und Balladen. Obwohl die Single Run to You noch sehr gitarrenbetont war, etablierte sich Adams Mitte 1985 mit der Single Heaven als „Meister der radiotauglichen Rockballade“. Adams’ raue Stimme „scheint wie gemacht für Rockballaden“. Run to You war die erste Single, die es in die Top Ten der BBC-Charts schaffte und Adams in Europa bekannt machte. Insgesamt wurden aus Reckless im Laufe des Jahres 1985 noch vier weitere Singles ausgekoppelt. Diese sind Summer of ’69, Somebody, One Night Love Affair und It’s Only Love. Letzteres war ein Duett mit Tina Turner, die Adams 1985 auf ihrer Welttournee im Vorprogramm begleitete.
Nach Einschätzung des US-Fachblatts Billboard dominierte Adams das kanadische Musikjahr 1985 nahezu vollständig. Am 9. Dezember 1985 erhielt er von der Canadian Recording Industry Association einen „Diamond Award“ für eine Million in Kanada verkaufter Exemplare von Reckless und war damit der erste Kanadier, dem dies im eigenen Land gelang. Zuvor hatten diese Marke dort nur etwa ein Dutzend Künstler erreicht, darunter Michael Jackson, Supertramp, Lionel Richie und Bruce Springsteen. Mit Reckless war Adams zugleich der erste kanadische Act seit Bachman-Turner Overdrive mit einem Nummer-eins-Album in den Billboard-Popcharts. Im selben Jahr spielte er zwei aufeinanderfolgende ausverkaufte Konzerte im Pacific Coliseum in Vancouver.
Im Frühjahr 1987 erschien das Album Into the Fire, das zwar auf beiden Seiten des Atlantiks die Top 10 erreichte, aber im Vergleich zum Vorgänger kommerziell an diesen Maßstab nicht heranreichte. 1988 erschien das Live-Album Live! Live! Live!, dem allerdings kein großer kommerzieller Erfolg beschieden war und das nur kurz in den Hitparaden blieb.
1990–1999: Comeback mit Filmmusiken und Kollaborationen
Im Sommer 1991 meldete sich Adams mit dem Album Waking up the Neighbours zurück. Die Single-Auskopplung (Everything I Do) I Do It for You wurde als Titelmelodie für den Film Robin Hood – König der Diebe verwendet. Vom 13. Juli 1991 bis zum 1. November 1991 war die Single ohne Unterbrechung auf Platz eins der UK-Charts. Das hatte vor Adams’ Veröffentlichung in der knapp vierzigjährigen Geschichte der UK-Charts zuvor noch keine Single geschafft. Auch in den US-Charts stand das Lied sieben Wochen auf Platz eins der Hitparade und erreichte ebenso Platz 1 in Deutschland, Australien und zahlreichen anderen Ländern. Der Erfolg der Single brachte Adams den kommerziellen Erfolg zurück. Das dazugehörige Album Waking up the Neighbours wurde ebenfalls ein weltweiter Bestseller und belegte in Großbritannien und Deutschland Platz 1.
Danach begab sich Adams auf eine ausgedehnte Welttournee, die über ein Jahr andauerte. Während dieser Zeit wurden weitere Singleauskopplungen des Albums zu Hits: Der Gitarrenrocker Can’t Stop This Thing We Started erreichte Platz 2 der US-Charts, die Powerballade Do I Have to Say the Words kam bis auf Rang 11. In Großbritannien war vor allem der Midtempo-Song Thought I Died and Gone to Heaven (Top 10) erfolgreich.
Im Herbst 1993 veröffentlichte Adams die Kompilation So Far So Good, die ebenfalls weltweit Nummer 1 wurde. Mit Please Forgive Me enthielt die Best-of-Platte auch einen brandneuen Titel, der als Single ausgekoppelt ein weiterer Nummer-1-Hit in Australien und ein Top-3-Erfolg auf beiden Seiten des Atlantiks wurde. Der Song war erneut eine kraftvolle mit Gitarrensolo unterlegte Powerballade. Auch veröffentlichte er zusammen mit Sting und Rod Stewart die Single All for Love aus dem Film Die drei Musketiere, erneut eine groß angelegte Ballade, die Anfang 1994 zu einem weiteren Nummer-1-Hit avancierte.
Unter Beteiligung des spanischen Flamenco-Gitarristen Paco de Lucía spielte Adams im Frühjahr 1995 erneut eine Filmmusik ein, die mit spanischen Gitarren unterlegte Ballade Have You Ever Really Loved a Woman? für den Film Don Juan DeMarco, ein weiterer US-Nummer-1-Hit und weltweiter Top-3-Erfolg. Mitte 1996 erschien nach fünf Jahren ein neues Studioalbum: 18 Til I Die erreichte die Spitze der britischen Charts und hatte mit dem Rocksong The Only Thing That Looks Good on Me Is You und der Ballade Let’s Make a Night to Remember zwei weitere UK-Top-10-Singles. Auch in Deutschland und Australien war das Album im Gegensatz zu den USA ein großer Erfolg.