Bruce Frederick Joseph Springsteen (* 23. September 1949 in Long Branch, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Rock-Sänger, Gitarrist und Komponist sowie Oscar- und Tony-Award-Preisträger und 20-facher Grammy-Gewinner. Springsteen ist weltweit äußerst populär und einer der kommerziell erfolgreichsten Rockmusiker überhaupt. Er hat 21 Studioalben und ca. 420 Eigenkompositionen veröffentlicht, die meisten davon mit seiner Begleitband E Street Band. Allein in den Vereinigten Staaten hat er mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft, weltweit sind es etwa 167 Millionen.
Seine Songs haben meist das amerikanische Alltagsleben zum Thema. Sein Spitzname „The Boss“ entstand in den 1970er Jahren, als er seinen Bandmitgliedern nach den Auftritten die Gage bar ausbezahlt hat. Springsteen ist bekannt für seine hochenergetischen Livekonzerte, die meist dreieinhalb bis vier Stunden dauern.
Bruce Springsteen wuchs in einem katholischen Elternhaus in Freehold, New Jersey, zusammen mit zwei jüngeren Schwestern, Virginia und Pamela Springsteen, in einfachen Verhältnissen auf. Die Eltern – besonders die Mutter Adele – waren sehr religiös und versuchten, dies den Kindern zu vermitteln. Ein Großteil seiner Verwandtschaft lebte in unmittelbarer Nachbarschaft und der kleine Bruce verbrachte viel Zeit bei Großeltern, Onkeln und Tanten.
Sein Vater Douglas Springsteen (* 31. August 1924; † 26. April 1998) war irisch-niederländischer Herkunft. Bruce beschreibt ihn als cholerische, schroffe Person, der es schwerfiel, emotionalen Kontakt zu den Kindern herzustellen. Douglas war wenig erfolgreich in wechselnden Jobs tätig, etwa in einer Teppichweberei, als Taxifahrer und als Gefängniswärter. Bruce Springsteen erinnert sich an seinen Vater als einen frustrierten, abends oft betrunken in der Küche sitzenden Mann. Seine Mutter, Adele Zerilli (* 4. Mai 1925; † 31. Januar 2024), war italienischer Herkunft. Er beschreibt sie als warmherzige, aktive Frau, die das Familienleben organisierte. Zusätzlich arbeitete sie als Sekretärin. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie Springsteen waren bescheiden. Wegen finanzieller Schwierigkeiten folgte Mitte der 1950er Jahre ein sozialer Abstieg, so dass die Familie in ein hauptsächlich von Zuwanderern und Marinesoldaten bewohntes Viertel umziehen musste.
Anthony Zerilli, Springsteens Großvater mütterlicherseits, wanderte aus dem süditalienischen Vico Equense über Ellis Island in die USA aus. Auch die Großmutter mütterlicherseits, Adelina Sorrentino, wanderte aus Italien ein. Sie wurde 100 Jahre alt, ohne jemals englisch zu sprechen. Der Großvater väterlicherseits war zu 50 % irischstämmig, zu 50 % niederländisch, woher auch der niederländische Name Springsteen stammt. Die Großmutter väterlicherseits war zu 100 % irischstämmig. Springsteen hat demnach italienische und irische Wurzeln sowie einen kleinen Anteil niederländische.
Springsteen rebellierte einerseits gegen seinen Vater und versuchte ihm so wenig wie möglich zu gleichen; andererseits übernahm er dessen Werte aus der Arbeitswelt (unter anderem Misstrauen gegenüber Intellektuellen) sowie dessen Begeisterung für Autos. Diese Ambivalenz kennzeichnet auch sein Verhältnis zu seiner Heimatstadt und zu New Jersey sowie zur organisierten Religion.
Von Nachbarn wurde der Junge als unbeschwertes, aktives Kind beschrieben. Dieser Zustand änderte sich mit Eintritt in die von Franziskanerinnen geleitete St.-Rose-of-Lima-School. Springsteen wurde zum Problemkind, das in ständigem Konflikt mit den Lehrern war und sich mehr und mehr in sich selbst zurückzog. Er entwickelte ein Gespür für Isolation, das ihn bis weit ins Erwachsenenleben hinein begleiten sollte. Er selbst äußerte sich dazu später folgendermaßen: „Ich hatte viele Pläne, doch ich war immer derjenige, der draußen stand und sehnsüchtig nach drinnen blickte. Ich habe mich schon sehr früh einsam gefühlt. Alle in der Familie meines Vaters waren Außenseiter.“ Schon in seiner Jugend empfand Springsteen die sich ihm als Arbeiterkind bietenden Zukunftsperspektiven als bedrückend. Das Leben seiner Eltern erschien ihm als Sackgasse.
Im Alter von zehn Jahren entwickelte sich seine Begeisterung für Rockmusik, zunächst für Elvis Presley, später auch für die Rolling Stones und die Beatles, und er bekam seine erste Gitarre zu Weihnachten des Jahres 1964 geschenkt. Mit 14 Jahren wechselte er auf die regionale High School von Freehold und entdeckte die Rockmusik als Möglichkeit, der Enge seines bisherigen Lebens zu entfliehen. Das kulturelle Leben im Hause Springsteen war hauptsächlich durch den Fernseher bestimmt und Bruce hatte so gut wie keinen Zugang zu Literatur. Durch Bob Dylan lernte er die Ausdrucksmöglichkeiten in Songtexten kennen. Später schrieb er über diese Zeit den Song No Surrender für das 1984 veröffentlichte Album Born in the U.S.A.: „We learned more from a three minute record than we ever learned in school“ und 1988 anlässlich der Aufnahme Dylans in die Rock and Roll Hall of Fame: „He was the brother that I never had. […] Like Elvis freed your body, Bob freed your mind.“ Er begann ernsthaft Gitarre zu üben und spielte in lokalen Bands. 1967 absolvierte er die High School und besuchte danach ein Jahr lang das nahegelegene Ocean County College, ohne dort einen Abschluss zu erreichen.
1969 zogen seine Eltern mit der jüngeren Schwester nach Kalifornien, wo sein Vater Arbeit als Busfahrer in San Mateo fand. Bruce blieb in New Jersey im Haus der Eltern zurück und zog später in ein Zimmer in Asbury Park. Er ging keiner geregelten Arbeit nach, verbrachte die Zeit vielmehr mit Musik, Softball, Surfen, Mädchen und Autofahren. 1968 hatte Springsteen, der später so treffend Situationen und Gefühle der working class beschrieb, seinen einzigen Job außerhalb der Musikszene, eine wenige Wochen dauernde Beschäftigung als Gärtner.
Seine Herkunft hat ihn stark beeinflusst. Dabei entwickelte er ein ausgesprochen zwiespältiges Verhältnis zu seinen Wurzeln. So sagte er einmal, dass er als Jugendlicher seine Heimatstadt als engstirnig und armselig empfunden habe.
Heute lebt er mit seiner Frau wieder in der Nähe von Freehold, New Jersey, auf seiner „Stone Hill Farm“ in Colts Neck, wo sich auch sein Tonstudio und großzügige Pferdestallungen befinden. Die Trostlosigkeit des Arbeiterlebens und die vorgezeichneten Lebensläufe der Arbeiterklasse sowie deren Versuche, aus ihren Lebensumständen auszubrechen, sollten die bestimmenden Themen vieler seiner Songs werden. Auch sein konfliktbeladenes Verhältnis zu Autoritäten – speziell zu seinem Vater – hat er immer wieder zum Thema gemacht.
Seit dem Wahlkampf von Barack Obama stand er stets auf Seiten der Demokratischen Partei. Zur Präsidentschaft von Donald Trump sagte Springsteen im Mai 2025 „Das Amerika, das ich liebe, das Amerika, über das ich geschrieben habe, das seit 250 Jahren ein Leuchtfeuer der Hoffnung und der Freiheit ist, befindet sich derzeit in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verräterischen Regierung“.
Von 1985 bis 1989 war Springsteen mit dem amerikanischen Model Julianne Phillips verheiratet.
Seit 1991 ist er in zweiter Ehe mit der Sängerin Patti Scialfa verheiratet und hat mit ihr zwei Söhne (Evan James * 1990 und Sam Ryan * 1994) und die Tochter Jessica (* 1991), die eine international erfolgreiche Springreiterin ist. Scialfa ist seit 1988 Mitglied in Springsteens E Street Band, in der sie Gitarre spielt und singt. Springsteen hat neben der Farm in Colts Neck einen weiteren Wohnsitz in Wellington, Florida. Im Juli 2022 wurde Springsteens erste Enkelin Lily Harper Springsteen geboren, die Tochter seines Sohns Sam.
1965–1974: Musikalische Anfänge
Seine ersten musikalischen Einflüsse waren Country-&-Western-Hits von Gene Autry, Roy Rogers sowie von Hank Williams, die zu Hause und bei seiner Großmutter häufig zu hören waren. Sie sind auf Alben wie Nebraska und The Ghost of Tom Joad deutlich zu hören. 1965 trat er der Band Castiles – der Name stammte von einer Seife – bei und spielte recht erfolgreich in kleinen Clubs wie dem berühmten New Yorker Cafe Wha?. Unter der Leitung von Manager Tex Vineyard erlangten die Castiles lokale Berühmtheit und nahmen zwei Singles auf, Baby I, That’s what you get. Springsteens musikalische Ambitionen stießen bei seinen Eltern auf wenig Gegenliebe. Glaubt man seinen Erzählungen, gab es in der Familie Springsteen zwei Dinge, die unbeliebt waren: zum ersten er selbst und zum zweiten seine Gitarre. So jedenfalls seine Ansage zu Growin’ up (Live 1975–1985): „There were two things that were unpopular in my house: one was me. The other one was my guitar.“