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British Forces Broadcasting Service

Netzwerk von Radio- und Fernsehsendern für britische Soldaten

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British Forces Broadcasting Service (BFBS) ist ein Netzwerk von Radio- und Fernsehsendern mit Hauptsitz in Chalfont St Peter, das im Auftrag des Ministry of Defence für die britischen Truppen als Soldatensender betrieben wird.

Als erste Station des späteren BFBS gilt gemeinhin der experimentelle Sender in Algier (Dezember 1943), obwohl bereits 1940 Radio Gibraltar in die Verantwortung der Gibraltar Defence Force übergegangen war. Sendezeit über jeweils vor Ort bestehende Radiodienste wurde etwa in Kairo (Egyptian State Broadcasting), Reykjavík (Ríkisútvarpið) und Indien (All India Radio) erworben. Programmzulieferer war der vom Army Broadcasting Committee (1942) ins Leben gerufene Overseas Recorded Broadcasting Service (ORBS), der zur Aufzeichnung u. a. die HMV Abbey Road Studios sowie Londoner Theater nutzte.

Aus mobilen Sendeeinheiten in Italien (B 1 bis 7, darunter auch der Sender aus Algier) sowie Belgien und den Niederlanden (BLA 1 bis 4) entstand mit dem Ende des Allied Expeditionary Forces Programme der BBC am 29. Juli 1945 das British Forces Network (BFN) in Deutschland (Zentrale ab Juli 1945 in Hamburg, ab Februar 1954 in Köln) und Österreich (1946–1955; Zentrale in Klagenfurt, wo 1952 auch Udo Jürgens als Moderator und Musiker tätig war).

Für den Nahen Osten (Middle East) und Afrika gab es den Forces Broadcasting Service (FBS) mit Stationen in Ägypten (JCJC Kairo, Kabrit, Fayid; 1944–56), Palästina (JCPA Jerusalem, 1944–48), Libanon (JCLA Beirut, 1944–46), Irak (JPFA Basra), Zypern (seit 1948), Malta (1948–79), Libyen (Benghazi 1946?–67, Tripoli 1947?–66, Tobruk 1964–70), Kenia (1948–64), Aden (1954/62–1967) und Schardscha (bis 1971).

Für Süd- und Südostasien befanden sich Stationen auf Ceylon (ZOJ/Radio SAEC, 1945–49), dann in Singapur (1952–1971/75) und Hongkong (1971–97); an den beiden letztgenannten Standorten entwickelte sich das Gurkha-Programm. Britische Soldaten beteiligten sich in den 1950er-Jahren auch an einer australischen Station in Kure, Japan (9AT, dann WLKS).

Ab 1960 gab es einen Direktor für alle Stationen (John Knott, 1963 Bryan Cave-Browne-Cave, 1971 Ian Woolf), welche seit 1964 einheitlich als BFBS firmieren. Mit der Privatisierung durch Verschmelzung von BFBS und der Services Kinema Corporation im April 1982 wurde neuer Betreiber die Services Sound and Vision Corporation (SSVC; Director of Broadcasting wurde Peter McDonagh).

Der Fernsehdienst begann am 18. September 1975 als BFBS TV in Celle (Name 1985–97: SSVC TV). Sein Nachrichtenmagazin war die Sendung Scene Here. 2001 startete BFBS 2, 2009 BFBS 3 (für Kinder) und 4 (Filme), bis man 2013 dazu überging, zeitversetzt BBC One, BBC Two und ITV zu übernehmen, ergänzt durch BFBS extra, BFBS sport und seit 2014 Forces TV (mit der Nachrichtensendung British Forces News).

Der Radiodienst besteht heute aus drei Hauptprogrammen (BFBS the Forces Station-Rahmenprogramm mit regionalen Fenstern; BFBS Radio 2 mit Nachrichten, Sport, Musik, seit 1990; BFBS Gurkha Radio) sowie fünf reinen Online-Musikkanälen (Beats – Contemporary R&B, Edge – Rock, Rewind – Classic Hits, Unwind – Chill-out, Samishran – Nepali/Hindi); terrestrisch:

Die Programme werden von der Zentrale in Chalfont St. Peter (in Buckinghamshire) aus per Satellit gesendet und ergänzt durch mehrere lokale Studios an Orten, wo die britische Armee stationiert ist. Der BFBS erreicht heute ungefähr 130.000 Armeeangehörige und deren Familien, hauptsächlich in Deutschland. Im Jahre 2005 konnten britische Soldaten den BFBS in weltweit 23 Ländern empfangen. Lokale Radiostudios befinden sich derzeit in Deutschland (Paderborn-Sennelager), Gibraltar, Zypern, Brunei (seit 1979), auf den Falklandinseln (seit 1982), in Nordirland (seit 1994) und Kanada (seit 2000), in Einsatzgebieten (BFBS Ops, aktuell in Afghanistan), mit dem Truppenabzug der NATO im Sommer 2021 wird auch BFBS in Afghanistan eingestellt werden. Außerdem an sieben Orten in Großbritannien (Vorgänger 2001–13: Garrison FM). BFBS Gurkha hat Studios in Brunei, Kathmandu und Shorncliffe (Kent). Sendeanlagen ohne Studio befinden sich in Casteau (Belgien) beim SHAPE, den Niederlanden (Brunssum) und Bosnien sowie den Übersee-Gebieten Ascension, Belize und BIOT. Darüber hinaus wird BFBS Radio etwa von Truppen in Neapel/Italien und Stavanger/Norwegen sowie auf Schiffen der Royal Navy, über den Satelliten Eutelsat 28A und online, empfangen.

Die Senderechte des heutigen BFBS Radio Germany gehen zurück auf allgemeine Stationierungsvereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und befreundeten Staaten.

Am 29. Juli 1945 nahm in der Hamburger Musikhalle der Sender unter dem Namen British Forces Network (BFN) unter Besatzungsrecht seinen Betrieb auf. In der Musikhalle trat am 25. August 1945 Lale Andersen mit ihrem Soldatenlied Lili Marleen auf, das unter den noch überwiegend britischen Zuhörern sehr bekannt war. In der Laeiszhalle erinnert eine Gedenktafel an die neun BFN-Jahre in Hamburg.

Die Zusammenarbeit von BFN mit der BBC begann bereits im Oktober 1945 mit BBC’s Family Favourites, einem Verbindungs-Programm zwischen lokalen britischen Radiostationen mit den regionalen BFN-Stationen (im Programm bis 1980). Das BFN dance orchestra als eigenständiger Klangkörper begann im Mai 1946; es gab Kontakte auch zu deutschen Musikern wie Bert Kaempfert oder James Last.

Am 1. Februar 1954 zog BFN von Hamburg nach Köln-Marienburg in die Villenkolonie, wo er zwei ehemalige Villen belegte:

Lindenallee 1: Hier war die Verwaltung und das technische Lager untergebracht. BFN bekam bei seiner Einrichtung in Köln technische Unterstützung durch den NWDR.

Parkstraße 61: Die etwa 1909 für den Kaufhausbesitzer Leonhard Tietz errichtete Villa Tietz brannte am 24. Oktober 1944 bis auf die Grundmauern nieder. Im Erdgeschoss des wiederaufgebauten Hauses brachte BFN seine umfangreiche Tonträger-Sammlung (englisch Record Library), in der ersten Etage die Studios A (mit einem Steinway-Piano für Studioaufnahmen) und D (für Live-Sendungen) unter.

Zur Eröffnung am 26. Februar 1954 kam Brigadier Johnstone in Begleitung von Senderchef Dennis Skuse in die Studios auf der Parkstraße 61, wo das Schild „BFN Broadcasting House“ an der Tür hing. Chris Howland legte während der Eröffnungsfeier Schallplatten auf. Die erste Sendung aus den Kölner Studios fand am 26. Februar 1954 statt. BFN stellte für den Sendebetrieb auch deutsche Mitarbeiter wie Toningenieure und die Bibliothekarin für das Plattenarchiv ein. Seit dem 1. Januar 1956 wurden von hier BFN-Sendungen ausschließlich über UKW ausgestrahlt. Hier belegte der Soldatensender mehrere teils extrem weit reichende UKW-Frequenzen, die große Teile Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens abdeckten. Die technische UKW-Reichweite belief sich daher in Deutschland auf mehr als 15 Millionen Menschen, von denen 56.000 Rheinarmee-Angehörige in der gesamten früheren britischen Zone und sogar nur 26.000 in Nordrhein-Westfalen stationiert waren. Gleichwohl darf sich das Programm aufgrund des NATO-Truppenstatuts nicht an die überwiegende deutsche Bevölkerung wenden.

BFN nannte sich ab dem 4. Januar 1964 BFBS Germany.

Nach dem Ende des Kalten Krieges gab es Kontroversen darüber, ob der britische Militärsender in Deutschland fortgeführt werden sollte. Das britische Verteidigungsministerium entschied sich aufgrund der Stationierung britischer Soldaten im Rahmen der NATO für eine Fortführung der Ausstrahlung und der Zulieferung redaktioneller Inhalte. Das BFBS-Studio in Berlin wurde jedoch am 12. Dezember 1994 mit dem Abzug der Alliierten aus der Stadt geschlossen, die Berliner Frequenzen von BFBS-Radio und SSVC-TV wurden freigegeben.

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