British Army [ˌbrɪtɪʃ ɑːmɪ], deutsch britisches Heer, ist die Bezeichnung der Landstreitkräfte des Vereinigten Königreiches. Im Unterschied zu den beiden anderen Teilstreitkräften des Vereinigten Königreichs, der Royal Air Force und der Royal Navy, trägt die British Army nicht den Zusatz Royal im Namen, was ihrer Tradition als Parlamentsarmee entspricht – stattdessen tragen eine Vielzahl britischer Regimenter innerhalb des Heeres diesen Zusatz.
Sie ist formell dem britischen Monarchen als Oberbefehlshaber der Gesamtstreitkräfte unterstellt. Seit 1962 besteht die British Army ausschließlich aus Freiwilligen. Größere Einsätze seitdem waren in Nordirland, Falkland, Kosovo, Afghanistan und im Irak.
Bis zum englischen Bürgerkrieg 1642 gab es weder in England noch in Schottland ein stehendes Heer. Als Leibwache des Monarchen fungierten die Yeomen of the Guard und die Gentlemen at Arms. Im Kriegsfall stellte der Adel dem Monarchen eine bestimmte Anzahl an Soldaten bereit. Zusätzlich wurden Söldner angeworben. Während des Bürgerkrieges erwies sich diese Praxis aus Sicht der Zentralregierung jedoch als bedenklich, da es Oliver Cromwell gelang, viele Soldaten für das Parlamentsheer zu gewinnen. Um diese – für jede Zentralregierung gefährliche – Schwachstelle zu beseitigen, stellte das Parlament auf Betreiben Cromwells bereits während des Bürgerkrieges erstmals ein stehendes Heer auf, die New Model Army. Nach der Wiedereinsetzung der Monarchie behielt Karl II. dieses Prinzip bei und unterzeichnete am 26. Januar 1661 die offizielle Gründungsurkunde der English Army. Sie wurde seit dem Act of Union 1707, bei dem die schottischen Regimenter in die Armee integriert wurden, als British Army bezeichnet.
1689 begrenzte das Parlament den Einfluss des Monarchen auf das Militär. Es lehnte ein stehendes Heer in Friedenszeiten ab, da es dem Monarchen auch als innenpolitisches Machtinstrument dienen könnte. Durch die Bill of Rights 1689 durfte ein stehendes Heer nur mit Zustimmung des Parlaments existieren. Bis heute muss das Parlament daher jährlich das Bestehen des Heeres genehmigen, wobei es sich inzwischen aber um einen rein formalen Akt handelt. Forderungen, dem Monarchen die Kontrolle über die Armee komplett zu entziehen, konnten nicht durchgesetzt werden, so dass er bis heute der alleinige Oberbefehlshaber der British Army ist.
Vom späteren 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Großbritannien die dominierende Weltmacht mit uneingeschränkter Vormachtstellung. Obwohl stets die Royal Navy als maßgebliches Instrument der Expansion des British Empire angeführt wird, spielte auch die British Army eine entscheidende Rolle. Für die Verteidigung der Kolonien gegen andere Nationen und Aufständische war die Armee unerlässlich. Jedoch auch bei der Eroberung neuer Kolonien spielten die Bodentruppen eine wesentliche Rolle, da Großbritannien die Territorien bis weit ins Landesinnere kontrollieren wollte und damit außerhalb des Wirkungsbereiches der Royal Navy agiert werden musste.
Im Gegensatz zu den Heeren in Frankreich und Deutschland war die britische Armee in dieser Zeit keine Massenarmee und es existierte auch keine Wehrpflicht. Die britischen Regimenter wurden in einem Rotationssystem in der Heimat oder in den Kolonien eingesetzt.
Die British Army wurde in dieser Zeit in folgenden Kriegen eingesetzt:
Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg (1775–1783)
Napoleonische Kriege (1793–1815)
Zweiter Opiumkrieg (1856–1860)
Nach der Niederwerfung des Sepoy-Aufstandes wurde 1858 die Britisch-Ostindische-Handelsgesellschaft (British East India Company) aufgelöst. Die Territorien der Kompanie wurden der Krone unterstellt und die Indian Army wurde die Armee der britischen Regierung von Indien. Die Indian Army umfasste zu diesem Zeitpunkt sowohl britische als auch indische Einheiten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden durch den Oberbefehlshaber Lord Kitchener umfangreiche Reformen durchgeführt. Die Army of India bestand von 1903 bis 1947 aus:
Truppen lokaler Soldaten mit britischen Offizieren (Indian Army)
britische Truppen, die für einen bestimmten Zeitraum (20 Jahre) nach Indien kommandiert waren (British Army in India)
Während sich das British Empire stetig vergrößerte, hatte man in Europa aber auch im eigenen Land mit erheblichen Krisen zu kämpfen. In der Folge der Glorious Revolution 1688 gab es Kämpfe um den englischen Thron, die erst mit der Schlacht bei Culloden endeten. Diese war zugleich die letzte Schlacht, die jemals auf britischen Boden ausgetragen wurde.
Auf dem europäischen Festland versuchte Großbritannien, sich aus den Streitigkeiten zwischen den drei Großmächten Frankreich, Spanien und Österreich herauszuhalten. Dennoch kam es 1701 zum Spanischen Erbfolgekrieg, in dem sich Großbritannien gegen Frankreich stellte, um dessen weitere Expansion zu verhindern. Auch in den Napoleonischen Kriegen kam der British Army eine entscheidende Rolle beim Sieg über Napoleon zu. Letztlich führte der Sieg der Alliierten Streitkräfte (Großbritannien, Niederlande, Hannover, Braunschweig, Nassau) und der preußischen Armee in der Schlacht von Waterloo unter dem Kommando des britischen Feldmarschalls Wellington und des preußischen Marschalls Blücher zum Ende des napoleonischen Reiches. Des Weiteren war die British Army auch am Krimkrieg gegen Russland beteiligt.
Bereits vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges hatte das Deutsche Reich die Vormachtstellung Großbritanniens in Frage gestellt. Da Großbritannien sich mit Frankreich und Russland zur Triple Entente verbündet hatte, kam es 1914 zur ersten militärischen Konfrontation zwischen den beiden Staaten. Die British Expeditionary Force traf in Belgien und Nordfrankreich auf das deutsche Heer. Zu Beginn des Krieges musste die Armee den Bedingungen des modernen, mit großen Wehrpflichtarmeen geführten Krieges angepasst werden. Deshalb wurde von Kriegsminister Horatio Herbert Kitchener ein Programm zur Aufstellung einer Massenarmee (Kitcheners Armee) ins Leben gerufen. Aufgrund der hohen Zahl von Freiwilligen konnte vorerst noch von einer Wehrpflicht abgesehen werden. John French hatte das Gros der alten Berufsarmee als British Expeditionary Force nach Frankreich geführt, deren Einsatz die Marneschlacht mitentschied. Wegen seiner kraftlosen und unentschlossenen Führung wurde French für die britischen Fehlschläge und hohen Verluste der Folgezeit verantwortlich gemacht und im September 1915 durch seinen Stellvertreter, den bisherigen Oberbefehlshaber der 1. Armee Douglas Haig ersetzt. 1916 kam es zur Einführung der Wehrpflicht in Großbritannien. Im Verlauf des Krieges wurden über 900.000 Soldaten des Britischen Empire getötet und etwa zwei Millionen verletzt. Allein in der Schlacht an der Somme verlor die British Army etwa 419.000 Soldaten. Neben Nordfrankreich/Belgien waren vor allem die Kriegsschauplätze im nahen Osten von Bedeutung (siehe z. B. Schlacht von Gallipoli und Mesopotamienfront (Erster Weltkrieg)). Der Erste Weltkrieg war der verlustreichste Krieg in der Geschichte der British Army. Erstmals kamen hier technische Neuerungen wie Flugzeuge und Panzer zum Einsatz, die das Gesicht späterer Kriege prägen sollten. Im Frühjahr 1918 war mit der Royal Air Force die erste in Form einer Teilstreitkraft organisierte Luftwaffe der Welt entstanden. Sie war zum größten Teil aus dem bislang der Army unterstellten Royal Flying Corps hervorgegangen.
Der Einsatz der British Army im Zweiten Weltkrieg begann mit einer herben Niederlage. Im Mai 1940 wurde das Britische Expeditionskorps von der deutschen Wehrmacht bei Dünkirchen eingekesselt. Hitlers Haltebefehl vom 24. Mai 1940 verschaffte ihm einige Tage Zeit, einen Verteidigungsring um Dünkirchen zu organisieren. Es kam zur Schlacht von Dünkirchen.
In der größten Rettungsaktion der britischen Streitkräfte (Operation Dynamo) wurden innerhalb einer Woche 220.000 britische und 120.000 französische Soldaten nach Großbritannien evakuiert. Im späteren Verlauf des Krieges wendete sich schließlich das Blatt mit der Schlacht von El Alamein, der Landung in Italien und der Invasion in der Normandie sowie dem anschließenden Einmarsch in Deutschland. Im Pazifik besiegte die British Army die japanischen Truppen in Burma. Während des Zweiten Weltkrieges begannen die Briten, Spezialeinheiten aufzustellen. Diese verübten Handstreiche und Hinterhalte und agierten in kleinen Einheiten hinter den feindlichen Linien wie die Long Range Desert Group und der Special Air Service, in dem sie später aufging.