Die britische Unterhauswahl 1997 vom 1. Mai 1997 brachte den ersten Regierungswechsel seit 18 Jahren im Vereinigten Königreich (UK). Die Labour Party unter Tony Blair schlug die bislang regierende Conservative Party unter John Major. Das Wahlergebnis wurde als „Blutbad“ (bloodbath) für die Konservativen bezeichnet. Sie verloren mehr als die Hälfte der bisherigen Unterhaussitze, darunter sämtliche in Schottland und Wales. Labour erhielt die größte Mehrheit für eine Partei in der Geschichte Großbritanniens.
Zahlreiche prominente Konservative, darunter mehrere Kabinettsmitglieder, wurden abgewählt. Zu diesen zählten Verteidigungsminister Michael Portillo, Außenminister Malcolm Rifkind, Handels- und Industrieminister Ian Lang und Schottlandminister Michael Forsyth.
Die Liberal Democrats erhielten 17,0 % der Stimmen und 46 Abgeordnetensitze (1992: 18 % der Stimmen und 20 Sitze).
Die Referendum Party, die eine Abstimmung für den Austritt aus der EU (Brexit) verlangte, erreichte zwar mit mehr als 800.000 Stimmen den vierten Platz, gewann aber keine Sitze. Den Konservativen gingen dadurch wertvolle Stimmen verloren.
Die Conservative Party regierte seit der Wahl am 3. Mai 1979 ununterbrochen das Land: bis 1990 mit Margaret Thatcher und seitdem mit John Major. Die 18-jährige Regierungszeit war geprägt durch den Kampf der Regierung gegen die Gewerkschaften, den Falklandkrieg 1983 und der Liberalisierung der Wirtschaft, die unter anderem eine hohe Arbeitslosigkeit, aber auch eine steigende Wirtschaftsleistung zur Folge hatte. Die Wahl 1992 gewannen die Konservativen nur sehr knapp und die folgende Regierungszeit des Kabinett Major II war geprägt durch interne Streitigkeiten in Partei und Regierung über Europa. Majors knappe Mehrheit im Unterhaus ging 1996 durch verlorene Nachwahlen und Austritte endgültig verloren. Major war seitdem von der Unterstützung der Ulster Unionists abhängig. Major ging also als angeschlagener Amtsinhaber in die Wahl und Labour führte seit 1993 in jeder Umfrage.
Nach seinem sehr deutlichen Wahlsieg bildete Tony Blair die erste Labour-Regierung seit 1979. Mit ihrer erdrückenden Mehrheit konnte New Labour zahlreiche Reformen durchführen, die unter anderem die Themen Bildung, Wirtschaft und Devolution betrafen. Auch bei Ende seiner ersten Legislaturperiode erfreute sich Blair großer Popularität, sodass die Wiederwahl ohne große Probleme gelang.
Politisches System des Vereinigten Königreichs