Boy Lornsen (* 7. August 1922 in Keitum auf Sylt; † 26. Juli 1995 ebenda) war ein deutscher Bildhauer und Schriftsteller.
Boy Lornsen wurde als Sohn eines Kapitäns in Keitum auf Sylt geboren. Nach dem Abitur 1941 leistete er bis 1945 Kriegsdienst als Flieger und Funker. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ er sich zunächst zum Zimmermann umschulen. Anschließend schrieb er sich an der Landeskunstschule Hannover für das Fach Plastik ein und absolvierte darin eine Ausbildung zum Steinmetz- und Steinbildhauermeister. In diesem Beruf war er, u. a. in seiner Werkstatt in der Wurtleutetweute in Brunsbüttel, bis in die frühen 1970er Jahre tätig. Im Jahre 1980 übersiedelte Lornsen mit seiner Familie zurück nach Sylt in das Keitumer Haus seiner Großeltern.
1967 veröffentlichte er sein erstes Kinderbuch über einen erfinderischen kleinen Jungen, der einem Roboter bei dessen Schulaufgaben hilft. Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt wurde ein großer Erfolg und gelangte 1968 auf die Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises. Das Buch wurde 1972 aufwändig vom WDR verfilmt, indem man Marionetten in reale Umgebungen, große Kulissen oder per Bluescreen-Technik in Modelllandschaften projizierte. Seither war Lornsen als freier Schriftsteller tätig. Er verfasste vornehmlich für ein jüngeres Publikum Gedichte, Kinder-, Jugend- und Bilderbücher sowie Romane. Dabei bemühte er sich auch, jungen Lesern mit historischen Jugendromanen Ereignisse und Personen der Geschichte, wie etwa den Piraten Klaus Störtebeker, ohne falsches Pathos oder Glorifizierungen nahezubringen.
Lornsens Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt (u. a. ins Griechische, Japanische und Norwegische) und hatten auch im Ausland großen Erfolg. So erhielt der mehrfach preisgekrönte Autor 1974 den Preis der Japanischen Schulbibliothekare. Neben einigen norddeutschen Erzählungen schrieb er drei Bücher in Plattdeutsch. Mehrere Werke Lornsens sind in friesischer Sprache erschienen.
Lornsen arbeitete ebenfalls als Autor für Funk und Fernsehen (u. a. für die Sesamstraße).
Seit 1981 war er Mitglied des deutschen P.E.N.
Lornsen starb am 26. Juli 1995 in seinem Heimatort Keitum auf der Nordseeinsel Sylt. Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahre 2022 ehrte ihn das Sylt Museum mit einer Sonderausstellung. Im folgenden Jahr stellte die Initiative Keitumer Runde vor seinem Wohnhaus eine Tafel mit Informationen über sein Wirken auf. Lornsens Witwe Margot, geborene Schindler, verstarb im Februar 2024. Der gemeinsame Sohn Dirk Lornsen ist ebenfalls Kinder- und Jugendbuchautor.
1972 Friedrich-Bödecker-Preis für das Gesamtwerk
1974 Preis der Japanischen Schulbibliothekare
1987 Silberne Akademieze Hofgeismar
Mehrere Schulen wurden nach ihm benannt:
Seit 1997 hieß die Grundschule der Gemeinde Schaalby in Schleswig-Holstein nach ihm Boy-Lornsen-Grundschule; nach dem Zusammenschluss mit anderen Schulstandorten 2012 wurde der Name in Boy-Lornsen-Schule Südangeln geändert.
Seit 2002 hieß die Grundschule in seinem Heimatort Keitum Boy-Lornsen-Grundschule; nach ihrer Schließung im Jahr 2008 ging der Name auf die Grundschule in Tinnum über.
2004 wurde die Grundschule Nord in Brunsbüttel in Boy-Lornsen-Grundschule umbenannt.
In Brunsbüttel wurde eine Straße nach Lornsen benannt.
Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (1967)
Barrnabas und seine Welt (1972)
Feuer im Nacken (1974), Neuauflage als Der Brandstifter von Tarrafal (1974), später als Feuer um Mitternacht (1976)