An diesem Tag

Bounty

Britisches Schiff

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Die Bounty war ein britischer Dreimaster, auf dem es am 28. April 1789 bei Tonga zu einer der berühmtesten Meutereien der Seefahrtsgeschichte kam. Als „Meuterei auf der Bounty“ ist die Geschichte seither immer wieder Gegenstand von Romanen, Sachbüchern, Filmen, Theaterstücken und Hörspielen geworden.

Das 1784 in Hull gebaute Kauffahrteischiff, das ursprünglich unter dem Namen Bethia als Kohlefrachter eingesetzt wurde, war von der britischen Admiralität für eine Expedition in die Südsee angekauft worden. Nach umfangreichen Umbauten brach es 1787 unter Führung von Lieutenant William Bligh von Spithead zu einer Reise nach Tahiti auf, um Stecklinge des Brotfruchtbaums von dort zu den Antillen zu bringen. Nach ihrer Tat ließen sich die Meuterer auf der abgelegenen Insel Pitcairn nieder. Vor deren Küste setzten sie die Bounty in Brand.

Wegen des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs waren die früher regelmäßigen und preisgünstigen Getreidelieferungen aus den nordamerikanischen Kolonien Großbritanniens in die Karibik ausgefallen. Danach gab es dort mehrere Hungersnöte, denen zwischen 1780 und 1787 etwa 15.000 Menschen zum Opfer fielen. Insbesondere die Besitzer der großen Zuckerrohrplantagen auf Jamaika verlangten deshalb nach einem ständig verfügbaren und preiswerten Grundnahrungsmittel für ihre Sklaven.

Joseph Banks, der Präsident der Royal Society, der Königlichen Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Forschung, empfahl hierfür die der Süßkartoffel ähnlich schmeckende, vitaminreiche Brotfrucht. Einmal gepflanzt kommen die Bäume fast ohne Pflege aus und können das ganze Jahr über geerntet werden. Banks hatte sich für die in Europa vorher wenig bekannte Frucht auf James Cooks erster Weltumsegelung begeistert.

Statt die Beschaffung und Überführung der Stecklinge selbst durchzuführen, erwirkten die Großgrundbesitzer die Finanzierung des Projekts durch die Krone, wobei sie von Banks unterstützt wurden. Am 5. Mai 1787 erließ König Georg III. eine entsprechende Order an die Admiralität. Diese versuchte, ihren ersten kommerziellen Auftrag, der weder militärischen noch Forschungszwecken diente, zu möglichst niedrigen Kosten zu erfüllen.

Aus Zeitgründen und weil für nichtmilitärische Fahrten Stauraum wichtiger war als Feuerkraft, erwarb die Admiralität den zivilen Kohletransporter Bethia. James Cook hatte für seine Südseereisen ähnliche Schiffe mit geringem Tiefgang genutzt, die jedoch deutlich größer waren. Die Bethia hatte eine Rumpflänge von 27,7 m, eine größte Breite von 7,3 m und ein Fassungsvermögen von 215 Tonnen (zum Vergleich: Cooks Endeavour hatte 368 Tonnen).

Die Enge des Schiffs sollte sich später als problematisch erweisen, da es mit über 40 Mann Besatzung überfüllt war. Dadurch entstanden immer wieder Konflikte zwischen den Matrosen. Zudem war es aufgrund der beengten Verhältnisse nicht möglich, Marineinfanterie auf dem Schiff zu stationieren, die möglicherweise als bewaffnete Schiffspolizei die Disziplin hätte sichern können.

Das Schiff wurde Ende Mai 1787 in die Werft der Admiralität in Deptford Yard bei Chatham verlegt. Dort wurde es zum „segelnden Treibhaus“ umgebaut und die Masten gekürzt. Am 8. Juni wurden der Neuerwerb und der neue Name Bounty öffentlich bekanntgegeben.

Zur Besatzung der Bounty gehörten insgesamt 46 Personen. Das Kommando hatte der 33-jährige Leutnant William Bligh, der bereits als Steuermann (Sailing Master) auf James Cooks dritter Reise gedient hatte. Dabei hatte er auch Tahiti und somit die Verhältnisse vor Ort kennengelernt. Ohne die Zustimmung der einheimischen Machthaber wäre das Abnehmen und Bewurzeln einer großen Anzahl von Stecklingen kaum möglich gewesen. Bestellt wurde Bligh auch auf Betreiben seines Mentors Joseph Banks und des Onkels seiner Gattin, Duncan Campbell. Dem Großgrundbesitzer auf Jamaika und Reeder hatte auch die Bethia gehört. Campbell hatte dem König die Expedition nahelegen lassen und Banks die Petition, die seinem eigenen Vorschlag entsprach, nach Kräften unterstützt. So war Bligh beiden verpflichtet und jeder von ihnen brachte Protegés auf seinem Schiff unter. So stellte Bligh beispielsweise fünf statt der nötigen zwei Midshipmen ein.

Der Ranghöchste nach Bligh war der Steuermann (Sailing Master) John Fryer. Dessen Bestellung durch die Admiralität hatte ihn für die Dauer der Reise in den Rang eines Acting Lieutenant (etwa: amtierender Leutnant) versetzt – er übte eine Funktion aus, die ansonsten ein Lieutenant hätte bekleiden müssen. Er befehligte auch die Erste Wache.

Zu Beginn der Reise gab es neben dem Kommandanten fünf Offiziersfunktionen, die von Offiziersstellvertretern (Warrant Officers) und deren Gehilfen (Mates; Mate = Gehilfe, Maat) ausgefüllt wurden: den Steuermann John Fryer mit seinen beiden Gehilfen (Master’s Mates) Fletcher Christian und William Elphinstone, den Artilleriemeister (Gunner) und Zweiten Wachhabenden William Peckover, den Bootsmann (Boatswain) William Cole, den Schiffszimmermann (Carpenter) William Purcell und den Arzt (Surgeon) Thomas Huggan. Offiziersähnlichen Status hatten der Waffenmeister (Armourer), der Bordschreiber (Captain’s Clerk), der Kapitänsdiener (Captain’s Steward), der Assistent des Arztes und die beiden für die Expedition an Bord gekommenen Botaniker.

Im Unteroffiziersrang standen sechs Männer: zwei Rudergänger (Quartermaster) und ein Rudergänger-Gehilfe (Quartermaster’s Mate), ein Artilleriemeistergehilfe (Gunner’s Mate), der Segelmacher (Sailmaker) und der Gehilfe des Zimmermanns (Carpenter’s Mate).

Die Midshipmen standen ebenfalls noch mehr (formal) oder weniger (fachlich) über den Matrosen, unter denen der hannoversche Küfer Heinrich Hillbrant aufschien. Als Leichtmatrose geführt wurde ein halbblinder irischer Geiger namens Michael Byrn. Bligh wollte so für gute Laune und gesunde Bewegung sorgen, was aber innerhalb der Mannschaft nicht gut aufgenommen wurde: Man wollte ungern „auf Befehl“ tanzen und hätte auf dem schwach bemannten Schiff lieber einen Vollmatrosen mehr gehabt. Byrn war nach der Meuterei der erste im Beiboot und wurde prompt von seinen „Kameraden“ hinausgedrängt. Neben ihm waren noch sieben andere, die meist als Matrosen geführt wurden, wegen ihrer Funktionen vom Wachdienst befreit, beispielsweise der Küfer, der Koch, der Fleischer, der Segelmacher und die beiden Botaniker.

Somit hatte Bligh zwar 45 Mann, aber weniger als 24 echte Matrosen zur Verfügung. In Spithead, wo die Bounty Ende September angekommen war, um letzte Vorkehrungen zu treffen und den endgültigen Befehl zur Reise abzuwarten, hatte es bereits 14 Desertionen gegeben. Die dadurch fehlenden Besatzungsmitglieder konnten aber weitgehend ersetzt werden. Den späteren Meuterer Christian kannte Bligh von mehreren gemeinsamen Fahrten, zunächst auf der Cambridge 1782 und später für Campbell. Um die Bestellung für die Bounty hatte Christian den Leutnant brieflich gebeten. Auch mit einigen anderen Mitgliedern seiner Crew war Bligh schon früher unterwegs gewesen, mit dem altgedienten Artilleristen Peckover beispielsweise unter Cook.

Befohlen war die kürzeste Route über Kap Hoorn nach Tahiti. Von dort aus sollte die Bounty mit ihrer Ladung die Torres-Straße ansteuern, eventuell auf Java weitere Pflanzen aufnehmen, über das Kap der Guten Hoffnung die Antillen erreichen, die Pflanzen abliefern und nach England zurückkehren. Allenfalls unbekannte Küstenabschnitte oder Inseln sollten kartografiert werden, soweit der Zeitplan dies erlaubte – ein für jedes Schiff der Admiralität gültiger, allgemeiner Auftrag.

Am 23. Dezember 1787 stach die Bounty endlich in See. Es war der zweite Anlauf nach dem im Dezember eingegangenen Befehl – der erste hatte nach wenigen Tagen wegen Schwerwetters abgebrochen werden müssen. In Santa Cruz de Tenerife ließ Bligh Wasser und Proviant bunkern. Mit der Abreise am 10. oder 11. Januar führte Bligh zum Wohl seiner Crew dort ein fortschrittliches Drei-Wachen-System ein und bestellte Christian zum Dritten Wachführer.

Am 7. Februar 1788 passierte das Schiff den Äquator. Am 23. März nahm die Bounty Kurs auf Kap Hoorn. Trotz minimaler Wahrscheinlichkeit, das Kap mit dem kleinen Schiff um diese Jahreszeit umrunden zu können, versuchte Bligh, den Befehl trotz des schweren wütenden Sturms auszuführen. In der Mannschaft gab es kleinere Verletzungen und Erkrankungen, über die Verpflegung wurde gemurrt. Man warf Bligh vor, er habe einen Käse aus dem Proviant der Mannschaft für sich selbst abzweigen lassen.

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