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Boston Tea Party

Akt des Widerstandes gegen die britische Kolonialpolitik 1773

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Boston Tea Party (veraltet auch Bostoner Teesturm) ist die Bezeichnung für einen Akt des Widerstandes gegen die britische Kolonialpolitik im Hafen der nordamerikanischen Stadt Boston am 16. Dezember 1773. An jenem Tag drangen symbolisch als Indianer verkleidete Bostoner Bürger in den Hafen ein und warfen drei Ladungen Tee (342 Kisten) der britischen East India Company von den vor Anker liegenden Schiffen ins Hafenbecken. Wer die verkleideten Teilnehmer tatsächlich waren, lässt sich kaum mehr rekonstruieren, doch bildeten sie wohl ein breites Spektrum der Bostoner Gesellschaft ab; auch einige Bauern aus den umliegenden Dörfern waren vermutlich darunter.

Die Boston Tea Party bildete den Höhepunkt eines lange schwelenden Streits zwischen den 13 nordamerikanischen Kolonien und dem Mutterland Großbritannien.

Der Siebenjährige Krieg in Europa (1756–1763), bzw. der Franzosen- und Indianerkrieg in Nordamerika (1754–1763), hatte die britische Staatskasse stark belastet. Die Schulden der Krone hatten sich in wenigen Jahren fast verdoppelt und lagen im Jahr 1763 bei 132 Millionen Pfund. Außerdem stiegen die Kosten, die die Kolonien direkt verursachten. Nach Kriegsende hatte der britische König Georg III. Kolonien und Indianergebiete durch seine Proklamation von 1763 trennen lassen. In der folgenden Zeit kam es dennoch immer wieder zu Konflikten, da die Siedler trotz Verbots weitere Gebiete am Ohio River, die zu den Indianergebieten gehörten, für sich in Anspruch nehmen wollten. Nur durch die Stationierung zusätzlicher Truppen konnte der Ausbruch einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Siedlern und Indianern verhindert werden.

Angesichts der hohen Staatsschulden sah es das Parlament in London als gerechtfertigt an, dass die Kolonisten zumindest einen Teil des Unterhalts der zu ihrem Schutz entsandten Truppen trugen. Die für diesen Zweck erlassenen Gesetze wie der Sugar Act (Zuckergesetz) von 1764 oder der Stamp Act (Stempelgesetz) von 1765 bedeuteten eine eher milde Besteuerung der Kolonisten, die deutlich unter der Durchschnittsbelastung der Untertanen im Mutterland lag. Dort war die Steuerbelastung fast fünfzigfach höher.

Trotzdem stießen die steuerpolitischen Maßnahmen auf zum Teil erbitterten Widerstand in Nordamerika. Die Kolonisten waren als britische Bürger zwar wahlberechtigt, konnten dieses Recht wegen der großen Distanz aber nicht ausüben. Führende Vertreter der Kolonien argumentierten daher, das Londoner Parlament könne keine direkten Steuern in Nordamerika erheben, wenn die Kolonisten praktisch nicht vertreten seien. Diese Haltung fasste man mit dem Slogan „keine Besteuerung ohne Repräsentation“ („no taxation without representation“) zusammen. Britische Staatsrechtler widersprachen mit der These, die Repräsentation der Kolonien erfolge indirekt über die im Parlament vertretenen Körperschaften wie Adel, Städte, Geistlichkeit und einfaches Volk.

Aus diesen beiden Positionen ergab sich ein ernsthafter staatsrechtlicher Konflikt, bei dem das individuelle Verständnis von Repräsentation, das in den Kolonien dominierte, mit den korporativen Vorstellungen in Großbritannien aufeinander prallte. Das implizierte jedoch noch keinen Bruch der Kolonien mit dem Mutterland. Die Kolonisten begriffen sich im Gegenteil weiterhin als britische Bürger, die sich auf überkommene Freiheitsrechte berufen konnten, wie sie sich in der englischen Rechtstradition mit ungeschriebener Verfassung entwickelt hatten. Bis zur Eskalation der Krise mit dem Mutterland in den Jahren 1775/1776 kamen Forderungen nach Unabhängigkeit von Großbritannien, und nach Einrichtung einer eigenen Rechtsordnung, nur vereinzelt auf.

Das britische Parlament erkannte die Haltung der Kolonien nicht an und bestand auf seinem souveränen Besteuerungsrecht. Trotzdem bemühte sich Finanzminister Charles Townshend schließlich um eine Entschärfung des Konflikts. Die direkten Steuern – die bekannteste davon die Stempelsteuer – wurden wieder aufgehoben und durch eine „äußere Besteuerung“ über Zölle ersetzt. Durch den Townshend Act wurden ab dem 29. Juni 1767 in den nordamerikanischen Kolonien Zölle auf bestimmte aus Großbritannien eingeführte Waren wie Papier, Glas, Farben und Tee erhoben.

Die Kolonisten reagierten heftig auf diese Maßnahmen. Eine Gruppe zum Widerstand bereiter Männer, die sich Sons of Liberty nannte, rief zu Boykotten auf. Am 5. März 1770 kam es in Boston zu einem blutigen Zusammenstoß von Kolonisten mit britischen Ordnungstruppen, die in der Stadt stationiert worden waren, um die Eintreibung der Townshend-Zölle zu garantieren. Bei dem als Massaker von Boston bekannt gewordenen Ereignis starben fünf Menschen.

Rein fiskalisch waren die nordamerikanischen Importzölle von Beginn an wenig sinnvoll. In London kalkulierte man, dass lediglich der Teezoll Einkünfte in nennenswertem Umfang abwerfen würde. Selbst das erwies sich als Milchmädchenrechnung, weil der Absatz britischen Tees in Nordamerika wegen der resultierenden Boykotte und des Schmuggels von Tee von den niederländischen Antillen stark zurückging. Die britische Ostindiengesellschaft, die ein Monopol für den Handel mit den Kolonien besaß, importierte nun weniger Tee nach Großbritannien, wo die Ware in Londoner Lagerhäusern zur späteren Umschiffung in die Kolonien zwischengelagert wurde. Dadurch entgingen der Krone in erheblichem Umfang Einkünfte aus britischen Importzöllen, die sogar höher als die Townshend-Zölle waren. Im Saldo ergab sich daraus ein Einnahmeverlust für den Fiskus, der die Finanzmisere noch verstärkte.

Unter dem neuen Premierminister Lord North wurden die nordamerikanischen Importzölle im Jahr 1770 größtenteils wieder abgeschafft. Ausgenommen davon war der Teezoll. Das belegt, dass es auch der britischen Regierung in dieser Frage inzwischen weniger um eine Verbesserung der Etatlage als ums Prinzip ging. Während die Boykotte der anderen Waren praktisch wieder endeten, kauften die Kolonisten weiterhin vornehmlich geschmuggelten niederländischen Tee.

Der weitgehende Wegfall des nordamerikanischen Marktes brachte die East India Company bald in Bedrängnis. Unverkaufter Tee verrottete tonnenweise in ihren Londoner Lagerhäusern. Die britische Regierung konnte sich den drohenden Bankrott der Gesellschaft jedoch nicht leisten, auch weil diese aus eigenen Ressourcen die britischen Kolonialtruppen in Indien (Madras Army, Bengal Army und Bombay Army) unterhielt.

Um den Ruin der East India Company abzuwenden, beschloss das britische Parlament im Mai 1773 auf Betreiben von Premierminister Lord North den Tea Act. Er bezweckte ein Absenken des Endpreises, was den Verkauf von Tee in den Kolonien wieder stimulieren und so den Profit der Ostindiengesellschaft erhöhen sollte. Kurioserweise konnte man sich zum Erreichen dieses Ziels jedoch nicht auf den simpelsten Weg einigen, nämlich eine Aufhebung der nordamerikanischen Importzölle, die die eigentlichen Auslöser der Misere waren. Stattdessen wurden die von der Ostindiengesellschaft beim Import nach Großbritannien zu entrichtenden Zölle beseitigt. Außerdem erhielt die Gesellschaft nun größere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels und konnte beispielsweise auf amerikanische Zwischenhändler beim Absatz ihres Tees verzichten.

Im Verhältnis zu den nordamerikanischen Kolonien führte der Tea Act zu einer entscheidenden Eskalation. Die Ostindiengesellschaft wäre jetzt in der Lage gewesen, den Endpreis des weiterhin mit den nordamerikanischen Importzöllen belasteten Tees so stark zu senken, dass dieser in den Kolonien sogar billiger hätte verkauft werden können als der weit verbreitete niederländische Schmuggel-Tee.

Die Kolonisten erkannten im Tea Act einen Versuch der britischen Regierung, die Boykottbewegung gegen die als unberechtigt angesehenen Zölle zu unterlaufen und einen Keil zwischen die eher von prinzipiellen und die eher von ökonomischen Überlegungen geleiteten Kolonisten zu treiben. Außerdem sahen einflussreiche nordamerikanische Zwischenhändler ihre Interessen verletzt. Die im Tea Act verankerte Möglichkeit des direkten Endverkaufs durch die Ostindiengesellschaft hätte den Zwischenhandel überflüssig gemacht. Es zeichnete sich ab, dass die Gesellschaft auch in den nordamerikanischen Kolonien ein Handelsmonopol errichten werde. Schließlich befürchteten die Kolonisten, erwartete Mehreinnahmen der Krone durch die Importsteuern könnten zur Finanzierung von Institutionen der königlichen Gouverneure herangezogen werden. Dadurch schien wiederum die Selbstregierung der Kolonisten durch die eigenen parlamentarischen Versammlungen bedroht.

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