Boris Ludwig Pistorius (* 14. März 1960 in Osnabrück) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er ist seit Januar 2023 Bundesminister der Verteidigung, zunächst im Kabinett Scholz und seit Mai 2025 im Kabinett Merz. Zudem ist er seit März 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Zuvor war er von November 2006 bis Februar 2013 Oberbürgermeister von Osnabrück und von Februar 2013 bis Januar 2023 Minister für Inneres und Sport des Landes Niedersachsen. Außerdem war er von November 2017 bis Januar 2023 Mitglied des Niedersächsischen Landtages.
Boris Pistorius wuchs als Sohn des aus Packebusch stammenden Ludwig Pistorius (1923–2009) und dessen Frau, der in Frankfurt (Oder) geborenen SPD-Landtagsabgeordneten Ursula Pistorius, geb. Raabe (1933–2015), im Osnabrücker Stadtteil Schinkel auf. Er ist nach Boris Pasternak benannt. Sein älterer Bruder Harald Pistorius ist der langjährige Leiter der Sportredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung und sein anderer Bruder heißt Fred Pistorius. 1978 legte Pistorius sein Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück ab und machte von 1978 bis 1980 eine Berufsausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Anschließend leistete er seinen Grundwehrdienst im Flugabwehrregiment 11 in der Steuben-Kaserne in Achim (Niedersachsen) ab. Er schied als Obergefreiter aus dem Dienst aus. Er studierte ab 1981 Rechtswissenschaft an der Universität Osnabrück, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und 1982/83 an der Université catholique de l’Ouest (Angers/Frankreich).
Seine erste juristische Prüfung legte Pistorius 1987 in Hamm ab. Es folgte ein Rechtsreferendariat beim Oberlandesgericht Oldenburg, wo er 1990 das zweite Staatsexamen ablegte. Nach einem halben Jahr als Rechtsanwalt wechselte er 1991 in den Landesdienst des Landes Niedersachsen. Er war von 1991 bis 1995 persönlicher Referent des niedersächsischen Innenministers Gerhard Glogowski und von 1995 bis 1996 stellvertretender Leiter von dessen Ministerbüro. Von 1997 bis 2002 war er Dezernatsleiter bei der Bezirksregierung Weser-Ems und von 2002 bis 2006 Leiter der dortigen Abteilung Schulen und Sport.
Pistorius erlernte mehrere Fremdsprachen, darunter Englisch, Französisch und Russisch. Letztere war auf dem Gymnasium eines seiner Abiturprüfungsfächer.
Pistorius trat 1976 mit 16 Jahren in die SPD ein. Seit dem 8. Dezember 2017 ist er Mitglied des SPD-Parteivorstands auf Bundesebene.
Vor der Bundestagswahl 2017 war Pistorius für die Innenpolitik der SPD verantwortlich. Er war maßgeblich an einem 10-Punkte-Papier zur sozialdemokratischen Innenpolitik beteiligt, das er im Juni 2017 zusammen mit Martin Schulz im Willy-Brandt-Haus in Berlin vorstellte. Darin forderten sie unter anderem ein entschlossenes Vorgehen gegen terroristische Gefährder, eine deutliche personelle Stärkung der Bundespolizei und eine verbesserte Bekämpfung von Cybercrime, wobei gleichzeitig stets „eine vernünftige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit“ gewährleistet werden müsse. Weiterhin solle eine stärkere Kooperation der EU-Staaten in der Innen- und Sicherheitspolitik erfolgen. Zu diesem Zweck werden etwa die Errichtung einer EU-Polizei nach dem Vorbild der amerikanischen Bundesbehörde FBI angestrebt sowie der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Grenzschutzpolizei zum Schutz der Schengen-Außengrenzen.
Im Januar 2018 nahm Pistorius an den Sondierungsgesprächen zwischen SPD und CDU zur Bildung einer gemeinsamen Bundesregierung teil. Gemeinsam mit Ralf Stegner vertrat er die SPD dort in der Arbeitsgruppe Migration/Integration. Bei den anschließenden Koalitionsverhandlungen übernahm Pistorius für die SPD den Co-Vorsitz in der Arbeitsgruppe Innen, Recht und Verbraucherschutz.
Bei der Wahl zum SPD-Vorsitz 2019 kandidierte er als Duo mit seiner Parteikollegin Petra Köpping vergeblich für den SPD-Vorsitz.
Für die Bundestagswahl 2025 war Boris Pistorius als Kanzlerkandidat der SPD anstelle des amtierenden Bundeskanzlers Olaf Scholz im Gespräch. Am 21. November 2024 gab er jedoch in einer von der Partei veröffentlichten Videobotschaft bekannt, nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung zu stehen, und sprach Scholz seine Unterstützung aus.
Am 10. Dezember 2024 wurde er von der SPD für die vorgezogene Bundestagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis Hannover II nominiert.
Von 1996 bis Februar 2013 gehörte er dem Rat der Stadt Osnabrück an. Vor seiner Wahl zum Osnabrücker Oberbürgermeister war Pistorius stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat und deren finanzpolitischer Sprecher. Von 1999 bis 2002 war er zudem ehrenamtlicher zweiter Bürgermeister von Osnabrück. Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2006 erhielt er am 24. September 2006 bei der Oberbürgermeister-Stichwahl gegen Wolfgang Griesert (CDU) 55 Prozent der gültigen Stimmen. Am 7. November 2006 trat er die Nachfolge von Hans-Jürgen Fip (SPD) an, die vorgesehene Amtszeit betrug acht Jahre. Diese endete 2013 vorzeitig mit seiner Berufung ins Kabinett der Landesregierung.
Niedersächsische Landesregierung und Bundesrat
Nach der Landtagswahl am 20. Januar 2013 wurde Pistorius bei der konstituierenden Sitzung des 17. Niedersächsischen Landtages am 19. Februar 2013 im Kabinett Weil I als Minister für Inneres und Sport vereidigt. Noch im selben Jahr hatte er als Innenminister des Landes Niedersachsen den Vorsitz der deutschen Innenministerkonferenz (IMK) inne. Anfang 2014 übergab Pistorius dieses Amt turnusmäßig an den damaligen nordrhein-westfälischen Innenminister, Ralf Jäger (SPD). Im Jahr 2014 und ab Juni 2017 war Pistorius Sprecher der von der SPD gestellten Innenressortleiter der Länder. Am 22. November 2017 wurde Pistorius im Kabinett Weil II erneut als Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport vereidigt.
Vom 19. Februar 2013 bis zum 22. November 2017 war Pistorius ordentliches Mitglied des Bundesrates und vom 22. November 2017 bis zum 8. November 2022 stellvertretendes Mitglied. Vom 8. November 2022 bis zum 18. Januar 2023 war er wieder ordentliches Mitglied des Bundesrates.
Nach der niedersächsischen Landtagswahl am 9. Oktober 2022 wurde Pistorius am 8. November 2022 im Kabinett Weil III erneut als Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport vereidigt. Dieses Amt legte er mit seiner Ernennung zum Bundesminister der Verteidigung im Januar 2023 nieder. Im Amt des niedersächsischen Innenministers folgte ihm Daniela Behrens nach.
Ab Oktober 2017 war Pistorius Mitglied in einem gemeinsamen parlamentarischen Kontrollausschuss für Europol.
Er war zudem als Mitglied des Bundesrates Mitglied in der Parlamentarischen Versammlung der NATO und Mitglied der deutsch-russischen Freundschaftsgruppe des Bundesrats.