An diesem Tag

Bonifatius

Angelsächsischer Mönch, Missionar, „Apostel der Deutschen“

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Bonifatius, Geburtsname Wynfreth (auch Wynfrith, Winfrid, Winfried; * um 673 in Crediton; † 5. Juni 754 oder 755 bei Dokkum in Friesland), war ein angelsächsischer Mönch in der Zeit der endenden Spätantike und des Frühmittelalters. Er war einer der bekanntesten christlichen Missionare und der wichtigste Kirchenreformer im Frankenreich. Er war Missionserzbischof, päpstlicher Legat für Germanien, Bischof von Mainz, zuletzt Bischof von Utrecht sowie Gründer bzw. Auftraggeber mehrerer Klöster, darunter Fulda. Aufgrund seiner weitreichenden, mit fränkischer Unterstützung betriebenen Missionstätigkeit im damals noch überwiegend heidnischen Germanien wird er seit dem 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche als „Apostel der Deutschen“ verehrt.

Klostereintritt, Erziehung, Priesterweihe und Wirken als Lehrer

Wynfreth wurde um 673, spätestens 675 in einer vornehmen angelsächsischen Familie in Crediton im damaligen Kleinkönigtum Wessex im Südwesten Englands geboren und als puer oblatus in den Benediktinerklöstern Exeter (altenglisch Aet Exanceastre) und Nursling (Nhutscelle) bei Southampton erzogen. In Letzterem wurde er im Alter von etwa 30 Jahren zum Priester geweiht. Wynfreth war Lehrer für Grammatik und Dichtung, bis er seine Missionstätigkeit im östlichen Teil des Frankenreichs und dessen Randgebieten aufnahm. Zu dieser Zeit war er bereits als Gelehrter bekannt, unter anderem als Verfasser einer lateinischen Grammatik.

Die Missionstätigkeit des Bonifatius ist im Rahmen der angelsächsischen Missionsbewegung des 7. und 8. Jahrhunderts zu sehen, die von Papst Gregor dem Großen in die Wege geleitet wurde und unter Führung des Augustinus von Canterbury darauf zielte, Angelsachsen und Germanenstämme (insbesondere der stammesverwandten Sachsen) zu christianisieren. Dabei ging es auch um deren Integration in eine dem Papst unterstehende hierarchische Kirchenorganisation mit einer Metropolitanordnung (Unterordnung der Diözesen einer Kirchenprovinz unter die Autorität des erzbischöflichen Metropoliten) nach dem Vorbild der von den Missionaren und ihren Nachfolgern wie Benedict Biscop, Ceolfrid und Theodor von Tarsus im Gegensatz zur iroschottischen Kirche und der von ihr betriebenen iroschottischen Missionsbewegung auf Rom ausgerichteten angelsächsischen Kirche. Klöster in benediktinischem Selbstverständnis bildeten angesichts des weitgehenden Fehlens urbaner Zentren die Basis dieser Aktivitäten. 716 unternahm Bonifatius eine erste Missionsreise zu den Friesen. Diese scheiterte jedoch an dem Friesenherzog Radbod, einem Gegner der christlich-fränkischen Missionierung, der gerade das südwestliche Friesland von den Franken zurückerobert hatte. So kehrte Wynfreth noch im Herbst 716 nach Nursling zurück, wo er im darauf folgenden Jahr zum Abt gewählt wurde. Inwieweit er zu dieser Zeit in Kontakt mit Willibrord stand, einem ebenfalls angelsächsischen Missionar in Friesland, ist nicht genau bekannt. Willibrord hatte bereits 695 mit der Missionierung der Friesen begonnen, musste nun jedoch erleben, wie sein Werk durch Radbods Erfolge zusammenbrach. Aus diesen Erfahrungen zog Bonifatius später die Konsequenz für sein weiteres Missionswerk, indem er die enge Rückbindung an die geistliche Gewalt des Papstes und die weltliche Macht der fränkischen Hausmeier suchte.

718 gab Wynfreth seine Position als Abt auf und verließ England für immer, um zunächst eine Pilgerfahrt nach Rom zu unternehmen. Dort erhielt er von Papst Gregor II. am 15. Mai 719 den Auftrag, den „ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens bekannt zu machen“. Unter dem ihm vom Papst gegebenen Namen Bonifatius („der gutes Schicksal Bringende“) begann er seine Mission erneut bei den Friesen, diesmal in Zusammenarbeit mit Willibrord. Obwohl die äußeren Voraussetzungen nun ungleich günstiger waren als bei Bonifatius’ erster Missionsreise – Radbod war inzwischen gestorben –, gab es anscheinend erhebliche Spannungen zwischen den beiden Missionaren, und so trennten sie sich 721. Danach zog Bonifatius über zwölf Jahre lang durch Gebiete im heutigen Hessen, Thüringen und Bayern.

Die Missionsreisen des Bonifatius darf man sich als Expeditionen vorstellen, auf die er sich mit Kriegern, Handwerkern und größerem Gefolge begab, um Niederlassungen und Klöster zu gründen. Sein Missionswunsch traf sich mit den Interessen des fränkischen Hausmeiers Karl Martell, der (wie auch seine Nachfolger) im Christentum und in einer straff organisierten Reichskirche eine Klammer erblickte, die geeignet schien, den Zusammenhalt seines Reiches zu fördern. So stellte er Bonifatius nach seiner zweiten Romreise 723 einen Schutzbrief aus, mit dem dieser in sein Missionsgebiet zurückkehrte. Für diese Zeit berichtet Willibald von Mainz in seiner Vita sancti Bonifatii von der demonstrativen Fällung einer heiligen Eiche durch den Missionar nahe Geismar (heute zur Stadt Fritzlar). Die Eiche war von den Chatten dem Gott Donar geweiht worden – ihre Verehrung in den Augen des Missionars also Götzendienst. Die zahlreichen Anwesenden, darunter nach Willibald auch Friesen, erwarteten gespannt die Reaktion der germanischen Gottheit; dass diese ausblieb, beeindruckte zutiefst. Aus dem Holz der Eiche wurde eine Kirche bei Fritzlar errichtet, welche schon bald durch einen Steinbau ersetzt werden sollte. Die Kirche ist wahrscheinlich nicht identisch mit dem Fritzlarer Dom.

Reorganisation der Kirche in Thüringen, Mainfranken und Bayern

Angeblich konnte Bonifatius ab 738 die kirchlichen Verhältnisse in Baiern ordnen und darangehen, die Bistümer Regensburg (739), Passau (739), Salzburg (739) und Freising (739) zu reorganisieren. Er gründete die Bistümer Büraburg bei Fritzlar (742), Würzburg (741/742), Eichstätt (741 oder später) und Erfurt (742). Er selbst war in der Zwischenzeit zum Missionserzbischof ernannt worden und erhielt 746 das Bistum Mainz. Gescheitert war zuvor sein Versuch, den Kölner Bischofsstuhl zu erlangen und diesen zum Metropolitansitz einer austrasischen Kirchenprovinz zu machen. Erst unter seinem Nachfolger Lullus wurde Mainz Erzbistum und Metropolitansitz. Seinen Einfluss in Bayern büßte Bonifatius schon bald wieder ein und es scheint, dass es aufgrund des Einflusses des von ihm zeitlebens bekämpften Iren Virgil von Salzburg geradezu zu einer Art Damnatio memoriae gekommen ist. Überhaupt geriet die angelsächsische Mission gegen Lebensende des Bonifatius in die Defensive, und sein Einfluss bei Hofe schwand.

Bonifatius traf an vielen Orten seiner Tätigkeit auf Bevölkerungsgruppen, die bereits Kontakt zum Christentum hatten. Vor allem in Thüringen ergaben sich erhebliche Konflikte durch die Bestrebungen des Bonifatius, eine Kirchenorganisation nach römisch-katholischem Vorbild durchzusetzen. Auf dem deutschen Konzil (742) verhängte er gegen „unzüchtige“ Priester Kerkerstrafen und öffentliche Auspeitschungen. Mönche und Nonnen „sollten nach der dritten Prügelung“ ein Jahr im Kerker Buße tun. Den Nonnen sollten „alle Haare des Hauptes abgeschoren werden“.

Tod des Bonifatius und Beginn der Verehrung

Bonifatius brach über 80-jährig noch einmal zur Missionierung der Friesen auf. Auf dem Weg zu einer Firmung friesischer Christen wurde er am Morgen des 5. Juni 754 oder 755 zusammen mit seinen Begleitern von Gegnern der christlich-fränkischen Missionierung erschlagen. Willibald nennt elf Begleiter namentlich, darunter den Bischof von Utrecht Eoban und den später als ersten Bischof von Erfurt verehrten Adalar, so dass sich die Symbolzahl zwölf (Anzahl der Apostel) ergibt. In einem Teil der Handschriften der Vita II aus dem 9. Jahrhundert ist in einem Zusatz von 52 Begleitern die Rede, auch dies möglicherweise eine Symbolzahl (52 Wochen des Jahres).

Ob sein Tod im engeren Sinne als Martyrium zu werten sei oder es sich möglicherweise um einen bloßen Raubmord gehandelt habe, ist eher eine theologische Frage. Die Zeitgenossen des Bonifatius hatten jedoch keinen Zweifel an der Deutung des Vorgangs als Martyrium: Bereits unmittelbar nach dem Ereignis ist das Einsetzen kultischer Verehrung zu beobachten. Die Leichname der Märtyrer sollen nach dem Bericht des Biografen Willibald, Kapitel 8, von ansässigen Christen geborgen worden und der des Bonifatius per Schiff über die Zuidersee nach Utrecht transferiert worden sein, wo er zunächst beigesetzt worden sei. Dann sei eine per Schiff angereiste Gesandtschaft des Mainzer Bischofs Lullus erschienen mit dem Auftrag, den Leichnam in das Kloster Fulda zu überführen. Erst durch ein Glockenwunder (nach Eigils Vita Sturmi durch ein Fixierungswunder) sei der Widerstand der Einheimischen gegen die Wegführung des Märtyrerleibes gebrochen worden. Am dreißigsten Tag nach dem Martyrium sei der Leichnam in Mainz (nach Vita Sturmi bereits in Fulda) eingetroffen, wo sich schon, angeblich auf göttliche Eingebung hin, eine große Menschenmenge zum feierlichen Empfang eingefunden habe und gleichzeitig Bischof Lullus vom Königshofe zurückkehrend eingetroffen sei. Von dort habe man den Leichnam nach Fulda geleitet und ihn an dem von ihm selbst bezeichneten Ort in einem neuen Grab in der Salvatorkirche beigesetzt.

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