Bonaire [boˈnɛːr[ə]] (Papiamentu Boneiru; offiziell niederländisch Openbaar lichaam Bonaire, Papiamentu Entidat públiko Boneiru) ist eine Insel der Kleinen Antillen, die politisch zusammen mit ihrer unbewohnten Nebeninsel Klein Bonaire eine Besondere Gemeinde der Niederlande bildet. Sie ist die zweitgrößte der ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curaçao). Die „Besonderen Gemeinden“ Bonaire, Sint Eustatius und Saba werden wiederum als „BES(-Inseln)“ zusammengefasst. Bonaire gehört nicht zum Schengen-Raum.
Die Gesamtfläche beträgt 288 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl etwa 24.000. Inselhauptstadt ist Kralendijk (von Koralendijk ‚Korallendeich‘). Die älteste Siedlung ist Rincon. Touristisch attraktiv ist die Insel vor allem durch die Unterwasserwelt.
Der Stern der Flagge hat sechs Spitzen, diese Spitzen stehen für die sechs Wijken (Bezirke). Der Bezirk Playa entsprach vor dem starken Wachstum als Folge des Tourismus der Hauptstadt Kralendijk. Durch dieses Wachstum und die daraus resultierenden Wohngebietsvergrößerungen sind vier dieser Gebiete mit Playa zusammengewachsen. Heute wird der so entstandene Ort insgesamt Kralendijk genannt. Der Ort Rincon liegt rund elf Kilometer nordwestlich von Kralendijk bzw. sieben Kilometer von dessen Vororten.
Die Bezirke werden in 22 Buurten oder Neighborhoods weiter untergliedert.
Amtssprachen sind Niederländisch und Papiamentu. Letztere ist die bei der Bevölkerung am häufigsten gesprochene Sprache (etwa 75 % der Bevölkerung).
Die Caiquetíos, ein Stamm der Arawak, waren die ersten Siedler auf Bonaire. Sie gaben der Insel den Namen Bonay („tiefes Land“).
Erste Europäer landeten 1499 unter Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci auf den ABC-Inseln und nahmen sie für Spanien unter dem Namen islas inútiles („nutzlose Inseln“) in Besitz, da sie auf den Inseln nichts Verwertbares fanden und die Insel sich nicht für Landwirtschaft eignete. Sie nannten Bonaire auch islas de los gigantes („Inseln der Riesen“), denn die Bewohner waren im Schnitt einen Kopf größer als die Eroberer. Zwischen 1513 und 1515 wurden alle Indigenen als Sklaven nach Hispaniola verschleppt und Bonaire blieb entvölkert und menschenleer zurück.
1526 wurden einige der überlebenden Ureinwohner zurückgebracht, wo sie für die Viehzucht eingesetzt wurden. Sie wurden freigelassen, da sie so weniger kosteten. Das Vieh war von den Spaniern ausgesetzt worden und wurde ab und zu zusammengetrieben und „ausgedünnt“. In erster Linie diente dies der Lederproduktion, in geringerem Umfang der Gewinnung von Fleisch, aus dem mit Hilfe des Salzes aus den natürlichen Salinen auf der Südhälfte der Insel Pökelfleisch gemacht wurde.
Erst später wurde das Salz selbst in großem Maßstab gewonnen, denn es fehlten anfangs Arbeitskräfte. Eine Besiedlung durch Europäer wurde von Spanien nicht gefördert, weil das Land keinen ausreichenden Schutz gegen Piraten bieten konnte.
Die älteste europäische Siedlung auf der Insel heißt Rincón („Winkel“) und liegt im kühleren Norden vom Meer aus sichtgeschützt zwischen den Hügeln, wo schon Caiquetios lebten. Diese Gemeinschaft bestand hauptsächlich aus Verurteilten und Kriegsgefangenen. Später verlagerte sich der Schwerpunkt weiter nach Süden, aber immer noch in der Nordhälfte und in gebührendem Abstand des gefährlichen Meeres. Das Dorf Al Interior („Im Landesinneren“) wurde von Spaniern gegründet, die von niederländischen Piraten auf Bonaire ausgesetzt worden waren. Der heutige Name ist Antriol.
1633 nahmen die Holländer die Insel erstmals in Besitz. Sie brauchten die ABC-Inseln nicht nur wegen ihrer strategischen Lage, sondern besonders Bonaire wegen vorhandener, aber kaum ausgebauter Salinen. Das Salz wurde in Holland für die Konservierung von Lebensmitteln gebraucht und in zunehmendem Maße für die Industrie, besonders für Keramik (Delft) und Glas (Leerdam).
Nachdem Spanien seinen Salzlieferanten Portugal 1580 eingegliedert hatte, bezogen die Holländer ihr Salz zunächst aus Punto de Arraya an der venezolanischen Küste. Nachdem 1621 hier die Spanier durch den Bau einer Festung („Fort Kostverloren“) das Geschäft verdorben hatten, besetzten sie die ABC-Inseln. Sie bauten als erstes die Salinen aus. Die Arbeitssklaven wurden aus Afrika importiert. Spanier führten die Plantagenwirtschaft ein und fällten Färbeholz (Brasilholz, wiss. Paubrasilia echinata), ein extrem hartes Holz für Holzzahnräder (Windmühlen), Ruderpinnen und medizinische Zwecke (Wayacá, span. Guaiacó, wiss. Guaiacum officinale). Durch Raubbau wurde dieses auf Bonaire fast ausgerottet.
Während der Französischen Revolution übernahmen die Engländer Bonaire (die Niederlande waren mit Frankreich verbündet). Nach der Niederlage Napoleons wurde es im Vertrag von Paris 1816 endgültig den Niederlanden zugesprochen.
Teil der Niederländischen Antillen
Durch das Statuut voor het Koninkrijk der Nederlanden von 1954 wurden die Karibikinseln, die bis dahin eine niederländische Kolonie gewesen waren – darunter Bonaire –, unter dem Namen Niederländische Antillen ein gleichberechtigtes autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Bonaire bildete innerhalb der Niederländischen Antillen eine der lokalen Gebietskörperschaften mit der Bezeichnung eilandgebied („Inselgebiet“).
Auflösung der Niederländischen Antillen
Aufgrund der Ungewissheit über die politische Zukunft stimmten vier von fünf Ländern für eine Loslösung der Niederländischen Antillen. Einige hatten das Bestreben nach mehr Autonomie, während andere eine striktere Integration befürworteten. Das Referendum für Bonaire wurde auf den 26. März 2010 angesetzt, jedoch bereits im Februar 2010 abgesagt. Die Abstimmung wurde zunächst auf September und dann in den Oktober verschoben. Schließlich wurde es am 17. Dezember 2010 durchgeführt und ergab eine Mehrheit von 84 % für einen Anschluss an die Niederlande. Da jedoch die 35 % Wahlbeteiligung unter den benötigten 51 % lag, wurde die Abstimmung für ungültig erklärt. Das Ergebnis war dennoch richtungsweisend.
Nach der Auflösung des Landesverbandes der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 wurde die Insel, wie auch Saba und Sint Eustatius, als openbaar lichaam und bijzondere gemeente (öffentliche Körperschaft und besondere Gemeinde) in die Niederlande eingegliedert. Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen wurde auch deren Polizeibehörde, das Korps Politie Nederlandse Antillen (KPNA) aufgelöst. Für die BES-Inseln trat an seine Stelle das Korps Politie Caribisch Nederland (KPCN). Als gesetzliches Zahlungsmittel wurde die Währung der niederländischen Antillen, der Niederländische-Antillen-Gulden, zum 1. Januar 2011 durch den US-Dollar abgelöst. Mit der Umstellung wurde die alte Währung innerhalb eines Monats auf den drei Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius (BES) ungültig.