Ein Bomber oder Bombenflugzeug ist ein Kampfflugzeug, das dazu dient, Bodenziele mit Fliegerbomben und Luft-Boden-Raketen anzugreifen. Flugzeuge, die dabei auch zur Bekämpfung von Flugzeugen eingesetzt werden, fallen in der Regel unter den Begriff Jagdbomber.
Der erste Luftangriff auf eine Stadt mit einem Luftfahrzeug fand in den Revolutionsjahren 1848 und 1849 statt: Bei der Belagerung von Venedig schlug der österreichische Feldmarschallleutnant, Artillerieexperte, Waffentechniker und Erfinder Franz von Uchatius vor, durch unbemannte Ballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius hergestellten Ballonbomben.
Speziell für ihren Zweck gebaute Bombenflugzeuge kamen erst im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Der erste Bombenangriff fand jedoch im italienisch-türkischen Krieg am 1. November 1911 statt, als Giulio Gavotti aus einer Etrich Taube drei 2-kg-Bomben per Hand auf ein türkisches Militärlager abwarf. Nach anderen Quellen soll es sich um vier bzw. fünf Bomben gehandelt haben. Die Technik und der Einsatz der Bomben wurde wie folgt beschrieben:
Bertha von Suttner erkannte sofort die irreversiblen Konsequenzen dieses Ereignisses für den Vernichtungskrieg:
Der bulgarische Pilot Simeon Petrow entwickelte 1912 im Ersten Balkankrieg eine Fliegerbombe. Ihr Abwurf am 16. Oktober 1912 bei einem Angriff auf den türkischen Bahnhof in der Nähe von Karaağaç wird allgemein als erster Einsatz eines Flugzeugs als Bomber angesehen. Die Pläne für diese Bombe wurden später an Deutschland verkauft. Diese mit dem Codenamen „Tschataldscha“ („Чаталджа“) bezeichnete Fliegerbombe ist bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in Massenproduktion hergestellt worden.
Anfangs waren allerdings nur Militärluftschiffe in der Lage, eine große Bombenlast über große Entfernungen zu tragen. Viele Nationen setzten solche Luftschiffe ein, um militärische Ziele, aber auch Industrieanlagen oder Innenstädte anzugreifen. Luftschiffe konnten damals höher und weiter fliegen als alle Flugzeuge und auf diese Weise außerhalb der Reichweite von Flugabwehrwaffen operieren. Dies sollte sich jedoch im Laufe des Ersten Weltkriegs ändern. Im Juni 1915 gelang es erstmals einem englischen Jagdflugzeug, ein deutsches Luftschiff abzuschießen.
Ab 1917 wurden in Deutschland als strategische Bomber Großflugzeuge, später auch Riesenflugzeuge gebaut. Dabei handelte es sich um viermotorige Doppeldecker, deren Flügelspannweite über 40 Meter betragen konnte. Manche Bomber des Ersten Weltkriegs verfügten bereits über einen Abwurfmechanismus, mit dem die am unteren Flügel oder am Rumpf angebrachten Bomben ausgeklinkt wurden. Der Luftangriff auf London am 13. Juni 1917 durch deutsche Maschinen des Typs Gotha G.IV war der erste erfolgreiche Langstrecken-Bombenangriff durch einen Flugzeugverband auf eine Großstadt. Dabei starben 162 Menschen, 432 wurden verletzt - mehr als bei jedem anderen Luftangriff auf Großbritannien während des gesamten Ersten Weltkriegs.
Bomberangriffe wurden tags und nachts durchgeführt und richteten sich unter anderem gegen Großstädte und Industrieanlagen, aber auch gegen feindliche Flughäfen und sonstige Bodenziele. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden viele Bomber für eine Nutzung im kommerziellen Luftverkehr umfunktioniert.
Im Ersten Weltkrieg eingesetzte Bomber (Auswahl):
Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges kam es im Spanischen Bürgerkrieg 1937 erstmals zu taktischen Punktbombardements. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde lediglich versucht, mit möglichst viel Sprengkraft eine Fläche total zu zerstören oder die Bomben wurden „blind“ abgeworfen. Diese vorrangig vom Vereinigten Königreich gegen Aufstände in seinen Kolonien angewandte Taktik sollte sich erst mit dem Aufbau der neuen deutschen Luftwaffe ab 1935 ändern.
In der von 1935 bis 1945 bestehenden deutschen Luftwaffe wurden Bomber in der Regel als Kampfflugzeuge bezeichnet. Andere Begriffe wie Atlantikbomber, Uralbomber oder Schnellbomber sind eher der Propaganda zuzuordnen. Die Luftwaffe führte in den Jahren ab 1935 das militärische Konzept der verbundenen Waffen ein. Dies bedeutet unter anderem, dass Heer und Luftwaffe durch am Boden mit den Heereseinheiten mitfahrenden Verbindungsoffizieren der Luftwaffe eng verbunden sind. Dieses Konzept setzt eine exakte Planung der Bekämpfung militärischer Ziele voraus. Aus diesem Grund ließ die militärische Führung nur zweimotorige taktische Bomber, z. B. die Ju 88 bauen. Von 1940 bis 1941 griffen deutsche Bomber zur Vorbereitung einer Invasion in der sogenannten Luftschlacht um England die südlichen Teile des Vereinigten Königreichs an. Letztendlich führten jedoch vor allem die begrenzte Reichweite der Begleitjäger und die hohen Bomberverluste dazu, dass die Angriffe 1941 weitgehend eingestellt wurden.
1940 begann die britische Royal Air Force ihrerseits mit der Bombardierung Deutschlands. Das RAF Bomber Command hatte zu diesem Zeitpunkt 23 Bomberstaffeln im Bestand, welche bis 1945 auf 83 Staffeln anwuchs. Da bei den ersten Angriffen bis zu 50 % der Flugzeuge abgeschossen wurden, spezialisierten sich die Briten auf die weniger verlustreichen Nachtbombardierungen. Wegen der geringeren Treffergenauigkeit bei Nachtbombardierungen konnten sie nur Flächenbombardements auf große Flächenziele wie etwa Großstädte fliegen. Ab 1942 war der wichtigste Bomber der RAF die Avro Lancaster. Sie konnte eine Bombenlast von bis zu 6350 kg auf 7300 Meter Flughöhe transportieren.
Die United States Army Air Forces (USAAF) begann nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg im Jahr 1943 mit Tagbombardierungen auf Punktziele wie Fabriken und Verkehrsanlagen. Durch verbesserte Formationstaktik, vor allem durch Begleitschutz mit neuentwickelten Langstrecken-Begleitjägern (ab 1944) und durch die vorrückende Front ab Mitte 1944 wurde es den Bombern möglich, immer weiter in deutsches Kernland vorzudringen. Dazu setzten sie überwiegend die schweren Bomber Boeing B-17 und Consolidated B-24 ein. Für die Luftangriffe auf Japan stellte die USAAF ab 1944 den Bomber Boeing B-29 in Dienst. Dieser setzte neue Maßstäbe bei Fluggeschwindigkeit, Bombenlast und Flughöhe. Die B-29 hatte eine Reichweite von rund 5200 km und konnte eine Bombenlast von über 9000 kg mitführen.
Während des Zweiten Weltkrieges entwickelten sich die Anfänge der Marschflugkörper und Raketen als Waffenenträger, die im weiteren Verlauf der Militärgeschichte einen Teil der Aufgaben von Bombern übernahmen, sie jedoch nicht vollständig ablösten.
Im Zweiten Weltkrieg eingesetzte Bomber (Auswahl):
Während des Kalten Kriegs waren Bomber ein wichtiges Mittel der Nuklearstrategie der Großmächte. Das Strategic Air Command der USA hatte im Kalten Krieg bis zu 2600 Bomber einsatzbereit, um Ziele in mehr als 6.400 km Entfernung mit konventionellen und nuklearen Bomben angreifen zu können. Die Luftstreitkräfte der Sowjetunion hatten rund 700 Bomber im Bestand. Die britische Royal Air Force unterhielt für diesen Zweck bis zu 280 strategische Bomber, die sogenannte V-Force. Die französische Force de dissuasion nucléaire française hielt rund 60 Bomber bereit. Obwohl die Bomber primär für die nukleare Abschreckung vorgesehen waren, wurden sie, bewaffnet mit konventionellen Waffen bei verschiedenen Konflikten eingesetzt: Koreakrieg (1950–1953), Vietnamkrieg (1955–1957), Sueskrise (1956–1957), Sechstagekrieg (1967), Falklandkrieg (1982), Krieg in Afghanistan (1979–1989) sowie Erster Golfkrieg (1980–1988).
Bomber des Kalten Krieges (Auswahl):
Aktuell unterhalten die Vereinigten Staaten, Russland sowie die Volksrepublik China Bomberflotten. Die Flotten bestehen überwiegend aus nachgerüsteten Bombern aus der Zeit des Kalten Krieges.