Bogusław Radziwiłł (litauisch Boguslavas Radvila, deutsch Boguslaus Radziwill; * 3. Mai 1620 in Danzig; † 31. Dezember 1669 bei Königsberg i. Pr.) war als Herzog von Birsen und Dubinki ein litauischer Magnat in Polen-Litauen. In seinen letzten zwölf Jahren war er Statthalter des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (Brandenburg) im Herzogtum Preußen.
Die im Großfürstentum Litauen reich begüterte calvinistische Familie Radziwiłł war seit der Zeit Nikolaus »des Schwarzen« die Förderin und Beschützerin der Reformation in Litauen und stand damit an der Spitze der Dissidenten Polen-Litauens. Kaiser Karl V. hatte 1547 Nikolaus dem Schwarzen, dessen Bruder Jan Radziwiłł (um 1516–1551) und deren Vetter „Nikolaus dem Roten“ die erblichen Würden von „Herzögen von Nieśwież, Ołyka, Birsen und Dubinki“ verliehen, verbunden mit der Stellung von Fürsten im Heiligen Römischen Reich. Weil 1567 Nikolaus’ Söhne um „Nikolaus das Waisenkindchen“ während der Gegenreformation in Polen-Litauen zum katholischen Glauben zurückgekehrt waren, die Nachkommen Nikolaus des Roten aber nicht, hatte sich das Haus Radziwiłł in einen katholischen und einen calvinistischen (reformierten) Zweig gespalten.
Kurz vor seinem Übertritt zum Calvinismus hatte Kurfürst Johann Georg von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern im Jahr 1613 seine Tochter Elisabeth Sophie mit Janusz Radziwiłł, Fürst zu Dubinki, Kastellan von Wilna und Enkel Nikolaus des Roten verheiratet. Einziger Sohn und Erbe des Paares war Boguslaus Radziwill.
Als Enkel Johann Georgs von Brandenburg, der Ur-Urgroßvater des seit 1640 regierenden Kurfürsten Friedrich Wilhelm war, gehörte Boguslaus Radziwill dem europäischen Hochadel an.
Weil sein Vater bereits am 3. Dezember 1620 gestorben war, verlebte Boguslaus die ersten Kindheitsjahre auf dem Anwesen seiner Mutter in Oberfranken, dem Schloss Lichtenberg. Im Alter von acht Jahren kam er nach der Wiederverheiratung seiner Mutter mit Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg zu seinem Onkel und Vormund, dem litauischen Großhetman und Woiwoden Fürst Christoph Radziwiłł nach Wilna. Boguslaus besuchte bis 1635 die von deutschen Reformierten geleiteten Gymnasien in Keidany und in Wilna. Im Folgejahr kam Boguslaus für einige Monate als Page an den Hof König Wladislaus IV. nach Warschau. Mit sechzehn Jahren für volljährig erklärt, erschien er im Mai 1637 auf dem Sejm zu Oszmiana als Abgeordneter, im Folgejahr erhielt er das Ehrenamt des „Bannerträgers“ von Polen-Litauen.
Im Sommer 1637, während des Dreißigjährigen Krieges, begann Boguslaus seine Grand Tour mit Besuchen der schwedischen und kaiserlichen Feldlager in Norddeutschland. Sie führte ihn über Lübeck, Hamburg und Groningen an die Universität Utrecht, wo er zwei Semester Mathematik und Befestigungslehre studierte. Das Studium von Wirtschaft und Handel, Geistesleben und Kriegswesen der Niederlande übte eine große Anziehungskraft auf den modern orientierten Führungsnachwuchs Europas aus.
Ab 1639 vervollkommnete sich Radziwill incognito in Paris zum Kavalier durch Sprach-, Reit-, Fecht- und Tanzunterricht. Anschließend bereiste er Frankreich, um Einrichtungen und Gesetze des fortgeschrittensten absolutistischen Staates kennen zu lernen. Ein zweimonatiger Ausflug nach England Ende 1639 gipfelte in Besuchen bei König Karl I. und dem späteren Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz.
In den Jahren 1640 und 1642 war Radziwill Reisebegleiter des polnischen Prinzen Johann Kasimir, dem jüngeren Halbbruder Wladislaus IV. Zusammen mit dem Fürsten Georg Wilhelm von Braunschweig und dem späteren Fürsten Friedrich von Waldeck sammelten sie in den Niederlanden unter dem Militärreformer Friedrich Heinrich von Oranien erste Kriegserfahrungen.
Zur Beerdigung Ludwigs XIII. kehrte Radziwill 1643 nach Frankreich zurück. Dort ging die Tour in einen abenteuerlichen Daueraufenthalt über, verbunden mit persönlichem Zutritt zu Kardinal Jules Mazarin und zur Regentin Anna von Österreich. Bei der Stiftung der Ehe Luisa Maria Gonzagas mit dem polnischen König Wladislaus IV. nahm die Regentin Radziwills diplomatische Unterstützung in Anspruch. Gern hätte sie ihn durch Verheiratung mit einer Französin an ihrem Hof und im militärischen Dienst Frankreichs behalten.
Seit Radziwill sich 1647 in den Niederlanden unweit der Residenz des Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Kleve niedergelassen hatte, standen beide in persönlicher Beziehung. Im Sommer 1648, nach dem Tod Königs Wladislaus IV. und dem zugleich ausbrechenden Chmelnizki-Aufstand, riet der Kurfürst auf Veranlassung des calvinistischen Woiwoden von Pommerellen, Graf Gerhard Dönhoff, Radziwill zur Rückkehr in seine Heimat. Dort war Radziwill in den Jahren 1641 und 1646 nur zu Kurzaufenthalten wegen Erb- und Familienangelegenheiten und zum Empfang des Titels „Großstallmeister von Litauen“ erschienen. Jetzt erforderten die Neuwahl des Königs wie auch der Schutz der protestantischen Glaubensgenossen, des eigenen Besitzes und der gesellschaftlichen Stellung sein aktives Eingreifen in die polnische Politik. Er begab sich zunächst nach Kleve zu Verhandlungen über eine polnische Thronkandidatur Friedrich Wilhelms. Die Kandidatur entsprach einem Projekt seines Cousins Janus Radziwill, dem Woiwoden vom Wilna und Haupt der Dissidenten.
Als Ende August 1648 aufständische Kosaken seine Stadt Słuck angriffen, brach Radziwill nach Polen auf. In den folgenden Jahren lebte er „mit fürstlichem Prunk“ am Hof Johann Kasimirs in Warschau und gelangte zu hohen Ehren, darunter zum Kommando über die königliche Garde und zwei Reiterregimenter.
In der Schlacht bei Berestetschko im Juni 1651 trug Radziwill an der Spitze eines Teils des Fremdländischen Heeres zum Sieg über die Kosaken bei und erhielt später den Oberbefehl über sämtliche deutsche Truppen der Krone Polens. Zu ihrer Anwerbung verkaufte er einige Güter, wofür ihn die Krone 1652 durch die Verleihung der Starosteien Bar und später Brańsk entschädigte, und ihn der Sejm der Republik zum „Landbotenmarschall“ ernannte.
Inzwischen hatte Zar Alexei von Russland die ihm von den Saporoger Kosaken angetragene Rolle des Schutzherrn übernommen. Als sich deswegen im Februar 1654 ein Krieg mit Russland abzeichnete, ernannte der Sejm Radziwill nicht zum litauischen Großfeldherrn und verweigerte die Bewilligung der notwendigen Kriegsmittel. Die Versammlung ging ohne Beschluss auseinander, weil der König und die Gegner des Calvinismus einen zu großen Machtzuwachs des Hauses Radziwill befürchtet hatten.
Sein Amt des Woiwoden von Połock konnte Radziwill im Mai 1654 nicht mehr antreten, weil der Krieg ausgebrochen war und die Russen die Stadt bereits erobert hatten. Ende Juni beschloss der eilig einberufene Sejm, Truppen auszuheben und Janus Radziwill das Kommando zu übergeben. Dieser konnte mit den geringen Streitkräften die Russen nicht zum Stehen bringen. Während sich im Frühjahr 1655, nach der gescheiterten Belagerung von Mohiljow, das polnisch-litauische Heer nach Westen zurückzog, verdächtigte der Hof Janus und Boguslaus Radziwill des Verrats.
Im Juni 1654 dankte die schwedischen Königin Christine aus dem Haus Wasa ab und Karl X. Gustav aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken-Kleeburg, einer Nebenlinie der Wittelsbacher, bestieg den schwedischen Thron. Dies erkannte König Johann Kasimir, der ein Wasa war, nicht an und bezeichnete sich als rechtmäßigen König von Schweden, was einer Kriegserklärung an Karl Gustav gleichkam. Johann Kasimirs Vorgehen bot Schweden den willkommenen Grund zur Wiedereröffnung des Nordischen Kriegs mit Polen. Die seit dem Westfälischen Frieden unbeschäftigten schwedischen Streitkräfte griffen von Schwedisch-Vorpommern aus die Region Großpolen an. Dort kapitulierte ein offenbar kampfunwilliges Adelsaufgebot nach den ersten Zusammenstößen am 25. Juli 1655 im Vertrag von Usch vor den Schweden. Hohe polnische Würdenträger um den großpolnischen Woiwoden Krzysztof Opaliński erkannten darin Karl Gustav als ihren Lehnsherren an.
Eine zweite schwedische Armee war zeitgleich in Polnisch-Livland eingefallen. Unter der Leitung der beiden Fürsten Radziwill sollte nun Livland gegen die Schweden verteidigt werden, wie bereits das benachbarte Litauen gegen die Russen. Nachdem die Schweden im Juni 1655 den Polen das zuvor von den Russen vergebens belagerte Dünaburg weggenommen hatten, bot der schwedische Oberkommandierende Magnus de la Gardie den Radziwills einen Vergleich zu Ungunsten der Russen an. Ende Juli begannen die Radziwills unter der Hand mit de la Gardie zu verhandeln, während sie gegenüber Warschau „äußerste Verteidigungsbereitschaft“ versicherten. Weitere Würdenträger Litauens nahmen offen mit den Schweden Verhandlungen auf, als die Russen im August Minsk, Wilna und große Teile Litauens erobert hatten.