Der Blizzard of ’77 oder auch Great Lakes Blizzard war ein meteorologisches Ereignis in Nordamerika. Bei diesem Blizzard, der vom 28. Januar bis zum 1. Februar 1977 mit Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke hauptsächlich Buffalo im Westen des US-Bundesstaates New York und die angrenzenden Gebiete in New York und Ontario, Kanada mit meterhohen Schneefällen und haushohen Schneeverwehungen bedeckte, wurden 29 Menschen getötet. Buffalo, die zweitgrößte Stadt im Staat New York, hatte zu jener Zeit 463.000 Einwohner, im Ballungsraum wohnten rund zwei Millionen Menschen.
Im Westen New Yorks und im Süden von Ontario hatte sich auf dem zugefrorenen Eriesee und den umgebenden Ebenen eine Schneedecke angesammelt, die dem Blizzard ausreichend Material zur Verfügung stellte. Durch die starken Winde des Blizzards wurde dieser Schnee zu hohen Schneeverwehungen verblasen. Der Ontariosee war zwar nicht zugefroren, sodass der Norden von New York nicht mit der Verwehung des Schnees von der Seeoberfläche zu kämpfen hatte, dafür fielen jedoch erhebliche Schneefälle durch den Lake effect, was im Zusammenspiel mit dem Sturm diesen Bereich ebenfalls paralysierte. In den am stärksten betroffenen Gebieten wurden Schneemobile zu den einzigen nutzbaren Verkehrsmitteln.
Verlauf des Winters 1976–1977 bis zum Blizzard
Während der Monate vor dem Blizzard waren Wetterbedingungen eingetreten, die die Auswirkungen des Blizzards im später eingetretenen Ausmaß erst ermöglichten. Vom Herbst 1976 bis zum Januar 1977 hatte sich eine planetarische Welle mit hoher Amplitude aufgebaut, die von Oktober 1976 an sehr beständig war und einen Rücken über dem Westen und einen Trog über dem Osten Nordamerikas einschloss.
Im Januar 1977 war die Stärke des Rückens im Westen und die des Trogs im Osten viel stärker als üblich. Ein starkes blockierendes Hoch entwickelte sich im Januar über dem Arktischen Ozean und infolgedessen wanderte der Polarwirbel weiter in den Süden, als er normalerweise zu finden ist, bis in den Süden Kanadas. Starke nordwestliche Luftströmungen zwischen dem Rücken und dem Trog bewirkten auch eine nordwestliche Luftströmung im Gebiet dazwischen und führte arktische Kaltluft in den Mittleren Westen und den Osten der Vereinigten Staaten. Als eine Folge geriet der Winter in weiten Gebieten kälter als gewöhnlich, im Tal des Ohio River lagen die Temperaturen um 8 °F (−13 °C) also vier Grad Celsius niedriger als der langjährige Durchschnitt. Der kalte Winter war allerdings nicht nur auf Neuengland beschränkt, denn am 20. Januar 1977 fiel zum ersten und bisher einzigen Mal Schnee in Miami, Florida. Die Bahamas meldeten Schneeregen.
Extremer Winter vor dem Blizzard
Bereits in der Periode von Juni bis September 1976 hatte der Nationale Wetterdienst 408 mm Niederschlag registriert, der Sommer war damit deutlich feuchter als normal. Das langjährige Mittel zwischen 1961 und 1990 liegt bei 363 mm Niederschlag. Die Monate vor dem Blizzard hatte kaltes und schneereiches Wetter bestimmt. In Cheektowaga, wo sich die Wetterstation des NWS Buffalo befindet, wurde der erste Schneefall am 9. Oktober 1976 beobachtet.
Lake effect snow war im Verlauf des Winters im Westen New Yorks zweimal aufgetreten. Bis zu zehn Zentimeter fielen am 17. und 18. Oktober und 30 Zentimeter vom 21. bis 22. Oktober. Am letzten Tag im Oktober 1976 betrug die Wassertemperatur des Eriesees nur 9 °C. Das war die niedrigste Wassertemperatur, die zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Messungen aufgezeichnet wurde. Der NWS Buffalo maß für den November 79,5 cm Schneefall. Die durchschnittliche Lufttemperatur im November war mit 1,2 °C die niedrigste seit 1880 und lag um 3,2 °C unter dem normalen Wert. Die ersten drei Novemberwochen waren trocken gewesen, es wurden nur 7,6 mm Niederschlag aufgezeichnet. Ende November fielen allerdings größere Mengen Schnee, alleine am 30. November 48 cm, im Süden des Erie Countys sogar bis zu 120 cm.
Auch der Dezember war kalt und schneereich; die Durchschnittstemperatur lag mit −5,6 °C etwa 3 °C unter dem langjährigen Mittel, die täglichen Schneedeckenmessungen reichten von 5 bis 66 cm. Die monatliche Schneefallmenge erreichte mit 154,2 cm einen neuen Rekordwert, und die höchste Schneedecke wurde am 2. Dezember um 15:40 Uhr mit 79 cm gemessen. Das kalte Wetter ließ den flachen Eriesee bis zum 14. Dezember 1976 auf 0 °C abkühlen, dem frühesten aufgezeichneten Datum, an dem dies geschah. Ende Dezember war der See bereits völlig zugefroren.
Die durchschnittlichen Temperaturen im Januar betrugen −10,1 °C (etwa sechs Grad Celsius unter dem Normalwert) und erreichten damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Buffalo im Jahre 1870. Am 10. Januar 1977 fielen über dreißig Zentimeter Neuschnee. Die Windgeschwindigkeiten von 95 km pro Stunde schufen blizzardähnliche Bedingungen.
Vom 20. Dezember 1976 bis zum Tag des Blizzard wurde mit Ausnahme von drei Tagen täglich Schneefall gemessen und vom 29. November an war ununterbrochen eine geschlossene Schneedecke vorhanden. Die durchschnittliche jährliche Schneefallmenge beträgt in Buffalo 250 cm. Seit Beginn des Winters bis zum Tag vor dem Blizzard am 28. Januar 1977 waren insgesamt 384,3 cm Schnee gefallen – davon 150,1 cm im Januar 1977 – und die aktuelle Schneedecke am Tag des Blizzards betrug 84 cm.
Der Blizzard im westlichen New York
Bereits vor dem Blizzard warnte die Niagara Mohawk Power Company davor, dass in manchen Gebieten des westlichen New Yorks die Schneedecke bereits die Stromleitungen erreiche. Der Direktor der Stadtreinigung von Buffalo schätzte zu Wochenbeginn, dass im Stadtgebiet ein Fünftel der Autos vorschriftswidrig geparkt oder verlassen wurden, was die Schneeräumung insbesondere in den Seitenstraßen behinderte und teilweise unmöglich machte. Die Bemühungen wurden verstärkt, und die Schneeräumaktion einschließlich des notwendigen Abschleppens hinderlicher Fahrzeuge, die von der Presse als „Snow Blitz“ bezeichnet wurde, machte am 25. und 26. Januar wesentliche Fortschritte. Rund 960 Strafzettel wurden verteilt und 140 Fahrzeuge abgeschleppt. Trotzdem waren viele Seitenstraßen in der Stadt praktisch unpassierbar. Am Mittwochabend gingen in den Countys Wyoming, Cattaraugus, Allegany und Erie heftige Schneeböen nieder, die mit starkem Wind verbunden waren. Dieser Schneesturm blockierte den Buffalo Skyway, den Fuhrmann Boulevard (eine Ausfallstraße in die südlichen Vororte) und viele andere Straßen und zwang die Räumdienste, sich Mittwochnacht und am Donnerstag auf primäre und sekundäre Hauptstraßen zu konzentrieren. Eine Reihe von Autofahrern waren auf dem Fuhrmann Boulevard steckengeblieben und wurden in der Nacht von Polizei und Feuerwehr befreit. Die Räumung des Schnees, die dieser Schneesturm gebracht hatte, wurde durch starken Wind erschwert. In einem Fall wurde am Donnerstag (dem 27. Januar 1977) eine zuvor geräumte Straße binnen einer Stunde mit mehr als 180 cm hohen Schneewehen zugeschüttet. Einige Schulen und Fabriken sowie der Greater Buffalo International Airport hatten an diesem Tag geschlossen.
Am Donnerstagnachmittag gab Bürgermeister Stanley Makowski bekannt, dass der Gouverneur Hugh Carey Einheiten der Nationalgarde und des New York State Department of Transportation mit Ausrüstung in die Stadt befohlen habe, um bei der Schneeräumung zu helfen. Engpässe bei der Versorgung mit Erdgas veranlassten den Gouverneur, den Treibstoffnotfall für den Bundesstaat zu erklären, und die National Fuel Gas Company schränkte die Abgabe von Erdgas an industrielle Kunden ein. Ähnliche Maßnahmen ergriffen auch die Gouverneure von Minnesota, Tennessee, Ohio, Pennsylvania und New Jersey.
Am Donnerstag, dem 27. Januar 1977, strich eine arktische Kaltfront durch die nördlichen Great Plains zum Mittleren Westen hin. Zwischen sechs und sieben Uhr morgens am Freitag, dem 28. Januar 1977 hatte heftiger Schneefall die Kaltfront bei ihrer Wanderung über Indianapolis, Indiana begleitet, wobei die Temperatur um fast 25 °F (entspricht ca. 14 °C) gefallen war. Zwischen sieben und acht Uhr morgens meldete Columbus in Ohio ähnliche Bedingungen. Toledo und Cleveland, sowie Erie waren ebenfalls von der Kaltfront betroffen. Das Büro des National Weather Service in Erie warnte vor katastrophalen Verkehrsverhältnissen und tatsächlich ereigneten sich in Erie an dem Morgen über 500 Verkehrsunfälle.