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Blaupunkt

Marke und ehemaliger Hersteller für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte

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Blaupunkt war ein Unternehmen für Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Car-Multimedia und diverse andere Elektronikbereiche.

Nach Abwicklung der Gesellschaft ab 2008 wurde die Marke weitergeführt; die Entwicklung und der Vertrieb der Produkte erfolgte durch 40 (Stand 2020) überwiegend in Deutschland und Europa ansässige, auf die jeweiligen Kategorien und Regionen spezialisierte Lizenznehmer. Die Marke geht aus dem Qualitätssiegel eines blauen Punktes hervor, der zur Kennzeichnung der bestandenen Qualitätsprüfung auf jedem Produkt angebracht worden ist. 1923 wurde schließlich der blaue Punkt zu einer Marke entwickelt und im Markenregister angemeldet. Die Registrierung der Marke erfolgte 1924. Danach wurden unter der Marke Autoradios, Unterhaltungselektronik und zwischenzeitlich auch Ausrüstung für professionelle Ton- und TV-Studios vertrieben; seit einiger Zeit werden darunter auch E-Bikes, E-Bike-Komponenten sowie Elektrowerkzeuge und Garten-Elektrogeräte vertrieben.

Gründung „Ideal Radio“ in Berlin

Keimzelle des Unternehmens war die im November 1924 gegründete Ideal Radiotelefon- & Apparatefabrik GmbH Berlin (siehe auch Geschichte des Hörfunks in Deutschland). Die Produktion war anfangs in Bollersdorf (seit 2001 Oberbarnim) angesiedelt und stellte u. a. Detektorempfänger her. Bei den dazugehörigen Kopfhörern wurden Exemplare von hoher Klangqualität mit einem blauen Punkt als Prüfzeichen versehen und die Käufer verlangten bald nur noch die „Blaupunkt“-Kopfhörer. Aus dem Prüfzeichen wurde 1924 die Marke Ideal Blaupunkt Radio. Ab 1932 wurde als Marke nur noch der Begriff „Blaupunkt“ mit dem nebenstehenden blauen Punkt verwendet. In den 1920er Jahren verkaufte Ideal unter den Bezeichnungen Ampladyn, Heliodyn und Superdyn auch Elektronenröhren für Radiogeräte und baute Radiogeräte mit Telefunken-Lizenz. Im Dezember 1926 wurde die Firma in Ideal-Werke Gesellschaft für drahtlose Telephonie mbH geändert und im August 1927 zur Ideal-Werke AG für drahtlose Telephonie umgewandelt.

Ende des Jahres 1927 verlegte man die Fertigung zunächst in die Köpenicker Straße 10 A in Berlin-Kreuzberg, SO 33 (späteres Verkaufsbüro) und schließlich 1930 in die Große-Leege-Straße 97/98 nach Berlin-Hohenschönhausen.

Bereits als (noch inoffizielle) Bosch-Tochter stellten die Ideal-Werke 1932 mit dem „Autosuper AS 5“ das erste in Europa entwickelte Autoradio vor. Dieser Apparat für den Mittel- und Langwellenempfang hatte einen Rauminhalt von 10 Litern und war mit einem Preis von 465 Reichsmark wie das Auto selbst ein Luxusartikel, denn in der abklingenden Weltwirtschaftskrise kostete 1934 z. B. ein Opel 1,3 Liter knapp 2.650 Reichsmark. Kaufkraftbereinigt in heutiger Währung entspricht dies heute ca. 14.700 Euro für den Wagen und 2.590 Euro für das Radio, d. h. je nach Bezugswert zwischen 15 und 17,5 % des Pkw-Preises.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Blaupunkt in Hildesheim zum führenden deutschen Autoradiohersteller und konnte am 16. Juni 1959 das einmillionste Gerät ausliefern. Zu der Zeit fanden im Bosch/Blaupunkt-Werk Hildesheimer Wald 6000 Menschen Arbeit bei Blaupunkt, dazu kamen knapp 4000 in der Bosch-Fertigung von Startern und Lichtmaschinen für die Kfz-Industrie. Im April 1964 waren 3 Millionen Autoradios gebaut, gefolgt vom 25-millionsten Gerät Mitte 1979. Im Juli 1990 lief das 50-millionste Blaupunkt-Autoradio vom Band.

Im Jahr 1930 wurde Ideal, zunächst über eine Holdinggesellschaft in Liechtenstein verschleiert, von der Robert-Bosch-Gruppe (ab 1937 GmbH) übernommen und schließlich 1933 offizielles Bosch-Tochterunternehmen. Die getarnte Bosch-Übernahme war der Tatsache geschuldet, dass in den mit Telefunken geschlossenen Lizenzverträgen die Beteiligung anderer Firmen an der Ideal-Produktion untersagt worden war. Ab 1932 war Paul Goerz Leiter der Ideal-Werke AG. Im Herbst 1934 erwarb das Unternehmen in Berlin-Wilmersdorf ein 32.000 m² großes Grundstück an der Forckenbeckstraße (damals Nr. 91–93, später Nr. 9–13) und errichtete dort neben den Verwaltungsgebäuden eine 120 × 70 Meter lange Fertigungshalle mit Sheddach, die am 5. September 1936 eingeweiht wurde. Am 15. Dezember 1938 wurde die Firma in Blaupunkt-Werke GmbH (BPWG) geändert.

Im Jahr 1939 hatte Blaupunkt 2600 Beschäftigte. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden das Geschäftsfeld Rundfunkgeräte und die Fernsehtechnik-Entwicklung weitgehend durch Rüstungsaufträge der Wehrmacht ersetzt. Neben den weiterhin gefertigten zivilen Geräten entwickelte und produzierte Blaupunkt unter anderem in Zusammenarbeit mit der Berliner Bosch-Tochter Fernseh AG die Zielfernsehkamera für die Gleitbombe Henschel Hs 293 D sowie Komponenten für Lenkwaffen. Rundfunkempfänger fertigte Blaupunkt in kleinen Stückzahlen in mehreren großen deutschen Städten sowie in Wien. Nach der Zerstörung der Wilmersdorfer Fertigungshalle am 1. März 1943 durch einen britischen Luftangriff ist der Großteil der Fertigung nach Reichenberg (damals „Reichsgau Sudetenland“) sowie Berlin-Treptow (Ost-Berlin) und andere Standorte verlegt worden, die gegen Kriegsende sämtlich von der Roten Armee besetzt und anschließend als Reparationsgut u. a. in die Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) fielen.

Im Jahr 1944 waren bei Blaupunkt insgesamt 4100 Menschen beschäftigt. In Küstrin war unter dem Tarnnamen „Udo-Werke GmbH“ (nach Udo Werr, einem Mitarbeiter von Blaupunkt-Geschäftsführer Paul Goerz) die Fertigung von Blaupunkt Korfu-Funkmessbeobachtungsgeräten aufgebaut worden. Da die Weichsel-Oder-Operation der Roten Armee auch in die Region Küstrin zielte, wurde der Betrieb im Januar 1945 zu der im Hildesheimer Wald angesiedelten „Trillke-Werke GmbH“ (siehe auch Neuhof - ELFI/Trillke-Werk) verlegt, einem Ende der 1930er Jahre im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht geschaffenen Bosch-Tochterunternehmen. Laut dem American Jewish Committee beschäftigte das Unternehmen während des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter. In dem KZ Groß-Rosen wurden 1944, wahrscheinlich ab Juni, Werkstätten für elektronische Bauteile errichtet. Hier wurden Kondensatoren gelötet.

Nach Kriegsende wurde bei Trillke/Blaupunkt zunächst mit der Reparatur von Rundfunkgeräten begonnen, gefolgt von Entwicklung und Produktion neuer Geräte. Ende 1945 wurde Hildesheim zum Firmensitz der dort neu gegründeten Blaupunkt-Apparatebau GmbH (BPAG). Später kam das Werk III am Römerring 8–10 in Hildesheim hinzu, das heute nicht mehr existiert. Weitere Fertigungs- und Entwicklungsstätten, die teils unter dem Namen der Mutterfirma Bosch betrieben wurden, waren in Salzgitter (Werk II, 1960, Fertigung Reisesuper/Kofferradios, Fernsehempfänger und Baugruppen), Herne (Werk IV, Fertigung Bandfilter, Trafos und Lautsprecher, Ende 1992 geschlossen), Osterode (Werk V, 1968, ehemals Kuba/Imperial), Frankreich, Ungarn, Portugal (Braga, ehemals Grundig-Werk), Malaysia (Penang), Mexiko, China und Tunesien.

In den 1960er Jahren übernahm der Bosch-Konzern das Unternehmen Akkord-Radio und nutzte dessen ehemaliges Werk Landau noch bis etwa 1974 für die Herstellung von Blaupunkt-Heimempfängern. Einige Blaupunkt-Geräte aus der Zeit von 1945 bis 2008 sind im Abschnitt Meilensteine genannt.

In den 1970er Jahren waren 13.700 Menschen bei Blaupunkt beschäftigt. Die Produktion von Fernsehgeräten wurde 1986 zugunsten des Zukaufs bei Grundig aufgegeben, im Gegenzug war der Zukauf seitens Grundig von Blaupunkt-Autoradios vereinbart. Nachdem letzteres nicht zustande gekommen war, übernahm Blaupunkt Anfang 1990 die Mehrheit an der Autoradiofabrik von Grundig in Braga. Das Unternehmen gab 1996 das Geschäft mit Fernsehern, Camcordern und Videorekordern auf und konzentrierte sich ganz auf den Bereich der „Mobilen Kommunikation“. Blaupunkt produzierte 2006 jährlich über eine halbe Million Navigationssysteme, 6 Millionen Autoradios und 19 Millionen Autolautsprecher und Fahrzeugantennen. Der Umsatz lag bei etwa 1,48 Mrd. Euro. Im April 2007 hatte Blaupunkt weltweit noch über 8700 Beschäftigte, davon 2300 in Hildesheim.

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