An diesem Tag

Blanche d’Antigny

Französische Schauspielerin

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Marie-Ernestine Antigny, genannt Blanche d’Antigny (geboren am 9. Mai 1840 in Martizay; gestorben am 27. Juni 1874 in Paris) war eine französische Sängerin, Schauspielerin und Kurtisane. Sie gilt als Vorbild für die Nana im gleichnamigen Roman von Émile Zola.

Marie-Ernestine Antigny stammte aus einem Provinzdorf im Département Indre. Ihr Vater war Jean Antigny, Tischler und Küster, und ihre Mutter Eulalie Florine Guillemain. Der Vater verließ die Familie früh und Marie-Ernestine ging zu ihrer Mutter nach Paris. Dort arbeitete sie als Wäscherin und Verkäuferin; zeitweilig war sie auch im Kloster des Oiseaux.

Im Alter von 14 Jahren lief sie mit einem Liebhaber nach Bukarest davon, den sie später im Stich ließ. Als sie schließlich nach Paris zurückkehrte, arbeitete sie im Zirkus und in verschiedenen Tanzlokalen. Außerdem stand sie mehreren Künstlern Modell; am bekanntesten ist ihr halbnackter Auftritt in Paul Baudrys Die reuige Magdalena. D’Antigny wurde die Geliebte des russischen Polizeichefs Mesentzov, der sie 1862 nach St. Petersburg mitnahm; 1863 wurde sie auf besonderen Befehl der Zarin gezwungen, Russland zu verlassen.

Zehn Jahre nach Paul Baudry schätzte Gustave Courbet die plastische Schönheit von Blanche d’Antigny, die 1867 das Modell für La Dame aux bijoux wurde. In dieser Zeit arbeitete der spätere Presseverleger Arthur Meyer für sie.

Als sie sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Star auf der Operettenbühne zu werden, verlief alles weitgehend so, wie Zola es später in Nana beschrieb. Sie war auf der Bühne sofort ein Erfolg und zog zahlreiche wohlhabende Liebhaber an. Hervé brachte sie als Frédégonde in Chilpéric (1868) auf die Bühne und er spielte selbst den Faust an der Seite ihrer Marguerite in Le petit Faust (1869), einer Parodie sowohl auf Goethes Stück als auch auf Gounods Oper. Zwischen 1870 und 1873 spielte d’Antigny die Hauptrollen in vielen der Erfolge von Hervé, Offenbach und deren Schülern (Le tour du chien vert, L’œil crevé, La Vie parisienne, La Cocotte aux œufs d’or usw.). Ihre Liebhaber überschütteten sie mit Geschenken und gaben enorme Summen für sie aus, doch sie war nicht in der Lage, auch nur etwas davon zu behalten.

Möglicherweise war Blanche d’Antigny auch die erste Frau in Frankreich, die öffentlich Fahrrad fuhr – wofür sie eine Erlaubnis der Präfektur brauchte, um Hosen zu tragen. Sie erlangte Berühmtheit, warb für Michaux-Fahrräder und gab dem Antigny-Eisbecher ihren Namen. Ihr Porträt des Malers Henri de L’Étang zeigt sie neben einem Vélocipède posierend, zu einer Zeit, als die damit verbundene Bewegungsfreiheit für eine Frau noch verpönt war.

Obwohl sie als eine der verführerischsten Frauen ihrer Zeit galt, beruhten ihre Beziehungen nicht ausschließlich auf körperlicher Anziehungskraft. D’Antigny war dafür bekannt, Männer emotional und intellektuell in ihren Bann zu ziehen, was sie zu einer äußerst einflussreichen Persönlichkeit jener Zeit machte.

Nach einem Skandal, der durch den finanziellen Ruin eines ihrer Liebhaber ausgelöst worden war, verließ sie Paris für eine Weile. Ende 1873 reiste sie nach Ägypten, wo sie in Kairo auf der Bühne auftrat und eine Affäre mit dem Khediven hatte. Als sie gefragt wurde, warum sie ihr Zimmermädchen und ihren Kutscher nach Kairo mitgenommen habe, obwohl sie dort weder Pferde noch eine Kutsche besaß, soll sie geantwortet haben: „Was soll’s! Ich schulde Augustine 20.000 Francs und Justin 35.000; sie hätten mich ohne sie nicht gehen lassen!“ D’Antigny kehrte von dieser Reise mit Typhus infiziert zurück und starb 1874. Ihr früher Tod im Alter von 34 Jahren führte dazu, dass ihr Leben in der französischen Kultur romantisiert wurde. Caroline Letessier, eine Schauspielkollegin und Kurtisane, organisierte ihre Beerdigung und übernahm die Kosten. D’Antigny ist auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben.

Werner Hofmann (Kunstwissenschaftler): Nana. Mythos und Wirklichkeit. DuMont Schauberg, 1973, ISBN 3-7701-0686-5.

Henry Lyonnet: Dictionnaire des comédiens français. 1902, S. 429 f.

Émile Zola: Nana. Weltbild, 2009, ISBN 978-3-8289-9429-4.

Blanche d’Antigny. In: Les Archives du spectacle. Abgerufen am 16. April 2026 (französisch).

Blanche d’Antigny (1840–1874). In: Archives départementales de l’Indre. Abgerufen am 18. April 2026 (französisch).

Angaben zu Blanche d’Antigny in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.

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