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Blaise Cendrars

Schweizer Schriftsteller

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Blaise Cendrars (* 1. September 1887 in La Chaux-de-Fonds, Kanton Neuenburg; † 21. Januar 1961 in Paris; eigentlicher Name Frédéric-Louis Sauser) war ein französischsprachiger Schweizer Schriftsteller der literarischen Moderne und ein Abenteurer und Journalist. Seine Reisen führten ihn mehrfach um die Erde.

Blaise Cendrars kam 1887 als Sohn des Georges-Frédéric Sauser, Uhrenkaufmann mit eigener Marke, und der Hotelierstochter Marie-Louise Sauser, geborene Dorner, von Küsnacht, im von der Uhrenindustrie beherrschten La-Chaux-de-Fonds zur Welt. Die Sauser stammten aus Sigriswil, wo sie Winzer waren, und waren von dort zunächst nach Bôle umgezogen, von wo der Vater nach La Chaux-de-Fonds ging. Frédéric war der jüngere Bruder des späteren Juristen Georges Sauser-Hall (1884–1966) und von Marie-Elise (* 1882). Die Familie bewohnte das bürgerliche Mehrfamilienhaus Rue de la Paix 27, in dem er geboren wurde. Die expandierende Stadt im Jura hatte neben einer grossen Arbeiterklasse und einer kleinen Schicht von Industriellen eine kaufmännische Mittelschicht, deren Aufgabe es war, die Uhren weltweit zu verkaufen. Der Vater versuchte sich 1894–1896 erfolglos als Bierimporteur in Neapel.

Die Schifffahrt nach Italien führte ab Frankreich vermutlich über das ägyptische Heliopolis, wo sein Vater ins Hotelgeschäft einzusteigen hoffte. Frédérics wechselhafte Schullaufbahn in Neapel, in Neuenburg ab 1896 und Basel ab 1897 brachte ihn am Basler Gymnasium «Unteren Realschule» mit dem lebenslangen Freund August Suter zusammen. Zuvor war er während einem Jahr auf einem deutschen Pensionat, denn wie viele Neuenburger mit Deutschschweizer Abstammung, sprach er kaum Deutsch. Von dort flüchtete er und behielt eine starke Abneigung gegen die Deutschen. 1902 zog die Familie nach Neuenburg. Frédéric blieb der Ecole de commerce häufig fern, stets lockte der Neuenburgersee.

Der Vater schickte ihn von Dezember 1904 bis April 1907 nach Moskau. Tante Bertha Sauser (1847–1936), die als Gouvernante bis 1913 dort lebte, vermittelte ihm ein zweijähriges Visum und die Stelle eines Commis bilingue beim Schweizer Juwelier Henri-Albert Leuba in Sankt Petersburg, wo er im Januar 1905 zu arbeiten begann. Später stellte Cendrars die Reise gerne als abenteuerliche Flucht dar und trug so zur Mythenbildung um seine Person bei. Dort wurde er dann aber Zeuge der blutig beendeten Revolution von 1905, Eindrücke, die später in den Roman Moravagine einflossen. In der Newa-Metropole lernte er Hélène Kleinmann kennen und lieben. Ab dem 21. April 1907 war er zurück in Basel.

Die Nachricht vom Unfalltod bzw. Suizid Hélène Kleinmanns ereilte ihn Ende Juni 1907, seine «Verlobte» sollte ihn auch literarisch nicht loslassen. Bedeutend dürfte die fürchterliche Todesursache der jungen Frau gewesen sein: sie verbrannte in ihrem Bett. Im Jahr darauf starb seine Mutter, er war tief betrübt. Er begann ein Medizin- und dann ein Literaturstudium an der Universität Bern, wo er die Polin Félicie (Féla) Poznanska (1885–1943) aus Łódź kennenlernte. Féla Poznanska war jüdisch. Viele junge Frauen aus Russland und dem russisch beherrschen Polen kamen damals für das Frauenstudium in die Schweiz.

1909 heiratete der Vater die viel jüngere Geliebte. Cendrars und seine Geschwister warteten auf die Toterklärung eines in Texas verschollenen Onkels, ein Erbe seiner Grossmutter Marie Breiting († 12. März 1909) blieb aus. Er hatte Geldsorgen, wollte nicht in die Armee, das Studium verlief im Sand. Die nächsten Aufenthalte waren Brüssel und London. 1910 kam das Paar nach Paris. Sie bewohnten ein ärmliches Hotel, Rue Saint-Jacques 216. Im Juni 1911 ging er allein ins Petersburger Strelna, um Französisch zu unterrichten, doch bereits am 21. November 1911 schiffte er sich auf der Birma im baltischen Hafen Libau (heute Liepāja) nach New York ein, wo Félicie seit einiger Zeit bei ihrer Schwester lebte. Als sie in einer Modern School nach der Pädagogik von Francesc Ferrer unterrichtete, verfasste in einer einzigen Nacht sein erstes langes Gedicht Les Pâques à New York (Ostern in New York), das er erstmals unter seinem Künstlernamen Blaise Cendrars veröffentlichte. Das Gedicht war Teil der Trilogie Du Monde entier. Félicie verdiente wenig in der von Anarchisten eingerichteten Schule, weshalb er sich daneben als Schneiderei- und Bibliotheksgehilfe verdingte, in einem koscheren Schlachthaus arbeitete oder sich als Kino-Pianist durchschlug. Am 6. Juni 1912 kehrte er, anscheinend freiwillig, auf einem Ausschaffungsschiff für auf Ellis Island abgewiesene Einwanderer nach Frankreich zurück. Félicie blieb in den USA.

In Paris gründete er mit Emil Szittya und Marius Hanot die Zeitschrift Les Hommes nouveaux, die nach drei Nummern endete. Sein erstes Buch erschien und brachte ihn in Kontakt mit Künstlern. Bald pflegte er Umgang mit Guillaume Apollinaire, Marc Chagall, Robert und Sonia Delaunay, Fernand Léger, Henry Miller, Amedeo Modigliani, Max Jacob oder Pablo Picasso, mit denen er teilweise eng verbunden war. Auch mit dem anderen erfolgreichen Chauxdefonnier, Le Corbusier, wurde er bekannt, wobei die beiden Männer später unterschiedlichen Weltanschauungen angehörten. 1913 illustrierte Sonia Delaunay sein Buch La Prose du Transsibérien et de la Petite Jehanne de France, das von der Kritik verrissen wurde. Im Frühling 1913 kam Félicie nach Frankreich. Sie fanden ein Heim in Forges-par-Barbizon, dann in Saint-Martin-en-Bière. 1914 heirateten sie. Das Paar bekam die Kinder Odilon, Rémy und Miriam.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 verzichtete Cendrars nicht nur auf die von der Schweizer Konsularabteilung kostenlos angebotene Evakuierung per Sonderzug in die Schweiz, sondern meldete sich sogleich als Freiwilliger bei der Französischen Fremdenlegion. Mit Ricciotto Canudo, Josef Czaki und 15 weiteren Ausländern signierte er mit Erscheinungsdatum vom 2. August 1914 im Le Figaro und Le Temps einen Aufruf an Ausländer namens Un appel aux amis de la France (dt. Ein Aufruf an die Freunde Frankreichs), freiwillig in die französische Armee einzutreten. Er war an der Front in der Somme (secteur de Frise und secteur de Tilloloy), danach in den Vogesen und ab dem 25. September 1915 in der Champagne-Offensive. Während eines Angriffs am 28. September 1915 verlor er als Korporal den rechten Arm. Nun intensivierte er seine Bemühungen um Einbürgerung. 1916 musste er sich als Folge der Amputation einer neuen Operation unterziehen. Mit der linken Hand zu schreiben, fiel dem Rechtshänder zuerst schwer. Der Armstummel blieb fortan vor Fotografen verborgen, in der Linken eine Zigarette.

Am 16. Februar 1916 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. Auch seine Frau Félicie Poznanska wurde eingebürgert. Mit dem Vater, dieser mit zwei neuen Kindern, 1918 wieder Witwer, und zur Schwester, unterhielt er keinen Kontakt mehr. Erst 1946 sollte Cendrars wieder in die Schweiz reisen. 1917 arbeitete er mit dem Regisseur Abel Gance bei dessen Film J’accuse – Ich klage an, in dem er als Statist auftrat. Eine erneute Zusammenarbeit folgte 1920 für den Film La Roue. 1917 lernte er die junge Schauspielerin Raymone Duchâteau (1896–1986) kennen, mit der ihn eine «idealisierte Liebe» verband und die er 1949, nach einigen Jahren der Trennung von ihr, in zweiter Ehe heiratete. Ab 1918 leitete er den Verlag Éditions de La Sirène in Paris.

1921 war er in Rom und 1931 in Spanien und im Auftrag es Presseunternehmers Pierre Lazareff als Reporter in vielen weiteren Ländern. Auf Einladung des Mäzens Paulo Prado reiste er 1924, 1926 und 1927–1928 drei Mal nach Brasilien, wo er mit den Modernistas zusammentraf. Seine Eindrücke verarbeitete er in Feuilles de route, das die brasilianische Malerin Tarsila do Amaral illustrierte. 1932 bis 1936 schrieb er für Lazareffs Paris-Soir. Weitere Artikel Cendrars’ druckte die Zeitung Excelsior und die Zeitschriften Orbes und Gringoire. Die Ausrichtung von Gringoire war rechtsextrem, doch veröffentlichten dort auch andere Trittbrettfahrer wie die berühmte Colette, Schriftsteller mussten schliesslich auch essen. 1936 erhob Cendrars Plagiatsklage in Deutschland gegen den Regisseur Luis Trenker, weil dieser im Film Der Kaiser von Kalifornien Cendrars’ Romanstoff von Gold verwendet hatte, ohne Cendrars als Autor zu berücksichtigen, so wie es hingegen im selben Jahr James Cruze für den Film Sutter’s Gold getan hatte.

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