An diesem Tag

Bjørnstjerne Bjørnson

Norwegischer Dichter und Politiker

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Bjørnstjerne Martinius Bjørnson (* 8. Dezember 1832 in Kvikne (Fylke Hedmark); † 26. April 1910 in Paris) war ein norwegischer Dichter, Literaturnobelpreisträger und Politiker. Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet und war der Begründer des Riksmålsforbundet.

Bjørnson wurde auf dem Hof Bjørgan in Kvikne geboren, einem Bergdorf in der Landschaft Østerdalen, wo sein Vater Peder Bjørnson als Pfarrer tätig war. 1837 wurde der Vater in die Pfarrei Nesset versetzt, unweit von Molde in der Provinz Møre og Romsdal.

Bjørnson besuchte die Schule in Molde und von 1850 bis 1852 ein privates Gymnasium in Christiania (heute Oslo). Nachdem er sein Studium abgebrochen hatte, arbeitete er einige Zeit als Journalist. In dieser Zeit lernte er auch Henrik Ibsen kennen.

Zwischen 1857 und 1859 wirkte er als Leiter des Theaters in Bergen. Am 11. September 1858 heiratete er in Bergen Karoline Reimers (1835–1934). 1859 trat er in die Redaktion von Aftenbladet ein. Aber wegen des Widerstandes in der öffentlichen Meinung musste er die Redaktion wieder verlassen. Ein Jahr später bereiste er für drei Jahre Deutschland und Italien.

Nach seiner Rückkehr 1865 bekam er eine Anstellung als künstlerischer Leiter am Christiania Theater. Nach Streit mit der Theaterdirektion trat er zum Ende der Spielzeit 1867 zurück und konzentrierte sich nun voll darauf, das Norsk Folkeblad zu einem Organ für den Kampf gegen die Unionspolitik zu machen. Mitstreiter in diesem publizistischen Kampf gegen eine engere Bindung des Königreichs Norwegen an die Schwedische Krone und für nationale Eigenständigkeit in kulturellen und politischen Belangen war der Regeringsadvokat (Kammerprokurator) Bernhard Dunker.

In den 1870er Jahren begann Bjørnsons Bekanntschaft und Freundschaft mit den Geschwistern Anker, die Angehörige einer Patrizierfamilie waren und auf großen Gutshöfen „residierten“. Nils Anker war der Hausherr auf Rød herregård in Fredrikshald. Dikka Møller, geborene Anker, der Bjørnson bereits 1869 erstmals begegnet war, wohnte mit ihrem Ehemann Edvard auf Thorsø herregård in Fredrikstad. „Die Freundschaft setzte sich fort, nachdem Dikka Witwe geworden war, und Bjørnson war oft zu Gast in Under Lien, oft für längere Zeit am Stück.“ Herman Anker besuchte er in Sagatun, wo dieser die erste Volkshochschule Norwegens (Sagatun Folkehøyskole) gegründet hatte. Bjørnson wirkte auch als Taufpate für Herman Ankers Tochter Ella Anker.

Zum Jahresende 1871 verließ Bjørnson das Norsk Folkeblad. Er hielt sich in den nächsten Jahren öfters in Deutschland und Italien auf. Vor einer seiner Abreisen erwarb er 1874 mit dem Anwesen Aulestad ein eigenes Heim. Dieser Landsitz entwickelte sich mit der Zeit zu einem geistigen Zentrum Norwegens.

Von 1880 bis 1881 bereiste Bjørnson die Vereinigten Staaten. Nach seiner Rückkehr 1882 lebte er bis 1887 in Paris. Auch als er sich auf sein Gut zurückzog, blieb er das geistige Zentrum Norwegens. Beeinflusst durch die französischen Realisten, aber auch durch Georg Brandes, fand Bjørnson seine Form des Realismus (Ein Bankrott; Ein Handschuh) und wurde zum Erneuerer der norwegischen Literatur.

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur „als ein Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war“.

„Seine echt germanische Frauenverehrung“ sei ein Kennzeichen seiner Werke, schrieb Heinrich Hart. „Der Glaube an die Frau, an ihren belebenden und erhöhenden Einfluß auf den Mann gibt den meisten seiner Werke das wesentliche Gepräge. In diesem Glauben wurzelt Bjørnsons Optimismus. Da, wo Ibsen nur Ankläger ist, ist Bjørnson stets ein gläubig Schaffender, ein Mahner und Erwecker.“

Bjørnson war politisch stets sehr engagiert und warb überall in Norwegen in Reden für seine Ansichten. Seine ideale Staatsform war die Republik. „Ich für meinen Teil glaube nicht an ein Skandinavien, bevor wir eine Republik haben“, schrieb er 1864 an Hilmar Finsen.

Er setzte sich für internationale Schiedsgerichte zur Schlichtung zwischenstaatlicher Konflikte ein, war Mitglied des für den Friedensnobelpreis zuständigen Komitees, verteidigte Alfred Dreyfus in der Dreyfus-Affäre und nahm Stellung zum Nationalitätenkonflikt in der Habsburgermonarchie.

Er setzte sich für das allgemeine Wahlrecht in Norwegen ein, attackierte als Bibelkritiker die Staatskirche und diskutierte über voreheliche Sexualbeziehungen. Er kritisierte die Doppelmoral und setzte sich für eine strenge Sexualmoral für beide Geschlechter ein.

In Wort und Schrift setzte er sich für die Unabhängigkeit seines Landes ein. Auch vom Ausland aus warb er für die Volkshochschulbewegung und die Erneuerung des norwegischen Theaters. Unter all seinen patriotischen Gedichten und Liedern gehört die 1859 von ihm geschaffene norwegische Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet (Ja, wir lieben dieses Land) als Erstes genannt. Bjørnson hielt das Dogma der Machtbalance für eine Lüge: „Nein, ein einziges Schwert, ein Beschluss und die Tat in einem, das ist die Lösung der Zeit.“ Er vertrat auch den Pangermanismus.

In Norwegen stießen seine innenpolitischen Ansichten auf wenig Gegenliebe. Ursache war zunächst sein Hochmut und seine Arroganz. Der norwegische Politiker Evald Rygh schrieb an seinen Bruder Karl: „Man muss einräumen, dass Bjørnson alles in seiner Macht stehende tut, um sich zu ruinieren. Seine ungebremste Arroganz und Selbstvergötterung nimmt ständig zu, und die verzweifelte Geschichte mit Folkebladet muß ihm sehr geschadet haben. Unglücklicherweise hat er sich mit einer kleinen Clique fanatischer Bewunderer umgeben (andere können es bei ihm sicher nicht aushalten), die ihn ständig mit Beweihräucherung füttern und ihn immer mehr in einen Wahn treiben.“ Diese Einschätzung ist in vielen Zeitzeugnissen zu finden. Der zeitgenössische Historiker Michael Birkeland schrieb in einem Brief: „Bjørnson fährt fort in politischer Raserei, die fast unerklärlich ist. … Sein Abgott ist die Macht in allen Varianten. Seine politische Einsicht ist so unendlich klein, dass er sogar in unseren Tagen ein Ausnahmefall ist. Alles soll mit Hilfe von Erhebung und Begeisterung gehen. Hier in der Stadt [Christiania] herrscht allgemeiner Unwille und Geringschätzung gegenüber seiner politischen Wirksamkeit.“ Auch seine republikanischen Ideen, die die Abschaffung der Monarchie bedeuteten, und sein Pangermanismus schadeten seinem politischen Ansehen.

Im Jahre 1906 hielt er die Festrede anlässlich der Überreichung des 1905 zuerkannten Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner.

Am 26. April 1910 starb Bjørnstjerne Bjørnson im Alter von 77 Jahren in Paris. Sein Grab befindet sich im Ehrenhain des Vår Frelsers Gravlund in Oslo.

Eine umfangreiche Werkliste mit kurzen Beschreibungen der einzelnen Titel ist online in The Literary Encyclopedia zu finden.

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