An diesem Tag

Billy Mo

Deutscher Jazz-Trompeter und Schlagersänger

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Billy Mo (eigentlich Peter Mico Joachim; * 22. Februar 1923 auf Trinidad; † 16. Juli 2004 in Hannover) war ein Jazz-Trompeter und Schlagersänger.

Peter Mico Joachims Vater sei das Resultat des Seitensprungs eines in Kamerun stationierten deutschen Schutztruppenoffiziers mit den Vornamen „Peter Joachim“ mit einer farbigen Einheimischen gewesen, so Joachims Darstellung dem Spiegel gegenüber. Die Eltern Peter Micos wanderten später in die Karibik aus. Einer anderen Erzählung Joachims nach heiratete der deutsche Großvater seine afrikanische Freundin und ging nach Beendigung seines Militärdienstes mit seiner „unstandesgemäßen“ Ehefrau nach Trinidad. Ein Schutztruppenmitglied namens „Peter Joachim“ ist allerdings nicht nachweisbar.

Laut einer Erklärung Joachims aus dem Jahr 1967 starben seine Eltern, als er etwa fünf Jahre alt war, woraufhin er und seine beiden Schwestern ins Waisenhaus kamen. Einer anderen Darstellung nach starb seine Mutter bei seiner Geburt, sein Vater drei Jahre darauf bei einem Autounfall. Dem Musikjournalisten Jan Feddersen nach starben beide Elternteile ein Jahr nach seiner Geburt bei einem Unfall.

Im Waisenhaus erhielt Joachim Musikunterricht und lernte Mundharmonika spielen, nach anderen Quellen mit sechs Jahren auch Trompete und Waldhorn. Mit sieben wurde er einer späteren Darstellung nach erstmals Mitglied eines Orchesters, mit 14 Jahren Mitglied der örtlichen Polizei-Marschkapelle und damit gleichzeitig jüngster Polizeibeamter Trinidads.

Auch darüber, wann und wie Joachim nach Großbritannien gekommen ist, gibt es unterschiedliche Darstellungen: Laut einem Zeitschriftenbericht von 1967, der auf einem Interview mit Joachim beruht, wurde er 1945 von einem Offizier der britischen Handelsmarine für eine rein farbige Tanzband engagiert. Für 1945 spricht auch eine Aussage Joachims im Spiegel, in der er die Dauer seines Aufenthalts in London mit 11 Jahren angibt (1945–1956). Anderen Beschreibungen nach erhielt er 1943 ein Musikstipendium (einer nicht nachweisbaren) Royal Academy of Music in Oxford bzw. 1945 ein Stipendium für die Royal Academy of Music in London.

Sucht man Quellen in England, taucht ferner eine Ehefrau auf: Eldica Joachim (1922–2000). Laut ihrer Kurzbiografie verließ sie 1946 Trinidad und ging mit ihrem Ehemann Peter Joachim nach Großbritannien. Ab 1951 arbeitete sie als Schauspielerin in Filmen wie Cry, the Beloved Country, Green Pastures und Holidays With the Huxtables, unter anderem an der Seite von Harry Belafonte und Sidney Poitier. Eine Polioerkrankung beendete ihre Schauspielerlaufbahn. Später arbeitete sie als Kostümbildnerin für verschiedene Londoner und internationale Filmstudios. Eldica hatte drei Kinder: Greta, Ruby und Sheila. Ihre Enkelinnen Jayne James und Sandra Reed sind Sängerinnen, ihr Enkel Martin James ist Schlagzeuger.

Nachweisbar ist, dass Joachim in London zunächst in Al Jennings’ kurzlebiger Gruppe Trinidad All Stars spielte, mit der er im November 1945 im BBC-Radio auftrat. Die Band spielte vor amerikanischen und britischen Soldaten und trat in Nachtclubs auf. Die Gruppe löste sich im November oder Dezember 1945 während einer Frankreich-Tour wegen interner Querelen auf und Joachim kehrte arbeitslos nach England zurück. Er war zwar weiterhin Mitglied verschiedener Londoner Bands, konnte aber nicht durchgehend von seiner Arbeit als Musiker leben. Stattdessen musste er in Restaurants jobben. Zwei Artikel aus den 1960er-Jahren, die auf Interviews mit Joachim beruhen, erwähnen ferner eine „dreijährige Tätigkeit als Pfleger in einer schottischen Irrenanstalt“ („Pisspottschwenker“).

Ab etwa 1950 arbeitete Joachim mit dem aus Trinidad stammenden Multiinstrumentalisten und Arrangeur Rupert Nurse (1910–2001) zusammen, der 1945 nach England gekommen war. Mit ihm trat Joachim auch an der Seite der karibischen Pianistin Winifred Atwell am Prince of Wales Theatre in der Show Pardon My French (1953/54) auf. Einer späteren Darstellung nach wurde er damals „Hot Lips Pete“ genannt. Joachim soll auch mit einer Ivor bzw. Yvor Curzon Band aufgetreten sein. Ein Orchester dieses Namens lässt sich allerdings heute nicht mehr nachweisen. In den frühen 1950er-Jahren gründete Joachim schließlich ein eigenes Orchester, mit dem er im River Club, dem Stork Club und dem Café de Paris auftrat. Der große Durchbruch als Musiker blieb aber aus.

Laut Darstellung des Musikfachautors Friedel Keim ging Joachim 1949 an ein Benson Institute of Music in die USA und erwarb dort einen Doktorgrad. Ein solches Institut lässt sich allerdings nicht nachweisen. Gegen diese Darstellung spricht auch, dass Joachim 1967 in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift Ebony keinen Aufenthalt in Nordamerika erwähnt, sondern die Hoffnung äußert, in Zukunft einmal die USA besuchen zu können. Ebenfalls Keim zufolge promovierte er als 30-Jähriger nach Absolvierung eines Psychologiestudiums in Edinburgh und erhielt an der Universität von Oxford eine Professur für Musikwissenschaft. Auch diese Darstellung lässt sich nicht durch zeitgenössische Quellen belegen. Allerdings hat Joachim selbst später angeführt, er habe Psychologie studiert, ferner findet sich die Angabe „Prof. Dr.“ auch auf seinem Grabstein.

Einer anderen Lebensbeschreibung nach promovierte Joachim dagegen am 12. Oktober 1953 in London im Fach Musikwissenschaften. In diesem Artikel wird Joachim dazu so zitiert: „Das war schön, aber das war natürlich keine Qualifikation, die ich später in Deutschland gebrauchen konnte. Gefragt waren Musiker, keine Musiktheoretiker.“

Im April 1956 kam Joachim mittellos über Paris nach Hamburg und wurde als Trompeter der Hausband des St.-Pauli-Szenelokals Blauer Peter engagiert. Der Darstellung Keims nach kam er „mit einer kleinen Band“ nach Deutschland. Daneben spielte er Dixieland sowie Rock ’n’ Roll in anderen Lokalen und begann auch zu singen. 1957 wurde er vom Leiter des NDR-Fernsehorchesters Viktor Reschke entdeckt und veröffentlichte unter seinem neuen Pseudonym „Billy Mo“ die beiden von Louis Prima stammenden Swing-Titel Buona Sera und Oh Marie. Im gleichen Jahr spielte er – aus Vertragsgründen ohne Namensnennung – für das Bert-Kaempfert-Orchester ein Trompetensolo in Franz Grothes Mitternachtsblues. Mit weiteren Titeln wie Darling, Du weißt ja, Oh, Jennilie und Swing, Methusalem (alle 1958) begann sich Joachim als „Billy Mo“ im deutschen Musikbusiness zu etablieren.

Der Künstlername „Billy Mo“ stammt allen Darstellungen nach von Joachim selbst. Für seine Entstehung werden zwei divergierende Erklärungen geliefert: Der ersten zufolge stammt der Vorname von Joachims Lieblingssänger Billy Eckstine und „Mo“ von Louis Armstrongs Spitznamen „Satchmo“. Der zweiten Erklärung nach leitet sich der Künstlername „Mo“ aus dem Spiritual „Ol' Man Mo(ses)“ ab bzw. aus dem Umstand, dass Joachim die Titelrolle in einem Musical namens Old Man Moses spielte.

Interpret volkstümlicher Musik

Mit dem Titel Das Fräulein Gerda, einem erstmals 1938 veröffentlichten Oldie, vollzog sich 1960 Billy Mos musikalischer Übergang zum Schlager und zur volkstümlichen Musik. Das entsprach durchaus seinem persönlichen Wunsch: „Das war endlich deutsche Musik – das wollte ich immer. Traditionelles Liedgut, das die Leute verstehen, etwas für Menschen, denen das Amerikanische zuviel war und die einfach nur etwas in Stimmung kommen wollten.“

Mit Liedern wie Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt (Chartplatzierung 1961: Platz 17), Am Sonntag will der Billy mit mir segeln geh’n und Was kann der Sigismund dafür (beide 1961) lieferte Mo weitere Remakes von Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre. Den großen kommerziellen Durchbruch erzielte er 1962 mit dem Nummer-eins-Hit Ich kauf' mir lieber einen Tirolerhut. 1962/63 hielt sich der Song 17 Wochen in den Hitparaden, erreichte Platz drei der Verkaufslisten und erzielte bis 1967 einen Umsatz von vier Millionen Mark. Für den Erfolg in Deutschland bekam Mo von seinem Musiklabel eine Goldene Schallplatte überreicht. Später erschien auch eine englische Version unter dem Titel I’d Rather Buy Myself a Tyrolian Hat. Der Tirolerhut wurde von da an das Markenzeichen von Billy Mo, das bei keinem öffentlichen Auftritt fehlen durfte. Seine späteren Singleveröffentlichungen konnten diesen Erfolg nicht wiederholen, auch wenn er noch mehrfach mit Songs wie Bierdeckel-Polka (1963: Platz 21), dem Ernst-Neger-Titel Humba Täterä (1964: Platz 15) und Der Salon-Tiroler (1964: Platz 15) Notierungen in den deutschen Charts erreichte. Hans-Jürgen Massaquoi urteilte später, Billy Mos „Popularität gründete auf seinem Talent, die Deutschen in ihrer eigenen Spezialsparte zu schlagen – der Humtata-Musik.“

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