William Otis „Bill“ Laswell (* 12. Februar 1955 in Salem, Illinois) ist ein US-amerikanischer Bassist, Komponist, Arrangeur und Produzent. Er betreibt mehrere Plattenlabel und war der Produzent mehrerer mit dem Grammy ausgezeichneter Alben.
Die Diskografie (siehe Weblinks) der unter seinem Namen oder dem Namen einer der Bands, mit denen er spielt, veröffentlichten Alben und jener, die er für andere Musiker produzierte, umfasst bis Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts bereits weit mehr als 200 Einträge. Seit den 1990ern sind rund ein Dutzend Veröffentlichungen pro Jahr mit ihm als Musiker oder Produzent – oft auch beides – eher die Regel als die Ausnahme.
Seine Rolle bei der Entwicklung insbesondere der elektronischen Musik und des Ambient machte Bill Laswell zu einem einflussreichen Musiker und Produzenten des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts.
Bill Laswell begann seine musikalische Laufbahn als Bassist in Funk-Bands. Nach seiner Übersiedlung nach New York war er bald auch als Produzent mit Künstlern wie Brian Eno und David Byrne an der Entwicklung des Ambient und mit Herbie Hancock an der Verbindung des Jazz mit Hip-Hop und elektronischer Musik beteiligt. Er gründete mit Sonny Sharrock, Peter Brötzmann und Ronald Shannon Jackson die Free-Jazz-Band Last Exit und entwickelte seine eigene, stark von indischer Musik beeinflusste Form der Worldmusic, wobei der heutzutage als der profilierteste Tabla-Spieler geltende Zakir Hussain über Jahrzehnte sein musikalischer Wegbegleiter wurde. Sein Bassspiel ist vor allem von Dub und Funk geprägt.
Eine eindeutige stilistische Zuordnung von Laswells Produktionen – den unter seinem Namen veröffentlichten, den Einspielungen mit verschiedenen Bands und seinen Beiträgen bei anderen Künstlern – ist nicht möglich. Dennoch gibt es eine Reihe von verbindenden Elementen, die eine Charakterisierung ermöglichen.
Über seine Vorgehensweise, z. B. die klassische indische mit westlicher elektronischer Musik zu verbinden, sagt er: „Ich komme aus keiner Tradition, weder einer klassischen oder einer anderen […] Ich habe keine Kultur, ich habe keine Tradition, und ich habe keine Schule die mich lehrte wie etwas zu sein hat. Ich mutiere einfach und zerstöre Dinge und schaffe ein Durcheinander und Menschen mögen es oder eben nicht. Meine Kultur ist auf der anderen Seite, hat noch nicht einmal begonnen.“ Egal ob er ein Dub-, ein Ambient-, ein Worldmusic- oder ein Jazz-Album einspielt, immer finden sich darauf auch Elemente anderer musikalischer Stile. Der Unterschied besteht in der Gewichtung.
Ein wesentliches Charakteristikum von Bill Laswells Musik ist das rhythmische Fundament aus Funk beziehungsweise Hip-Hop, Dub und – vor allem indisch geprägter – Percussion. Sein Bassspiel bewegt sich zwischen Funk und Dub und auch als Produzent arbeitet er meist mit Bassisten wie Bootsy Collins, Robbie Shakespeare oder Jah Wobble, die einen vergleichbaren Zugang haben. Der Groove, das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug/Percussion, ist der Kern von Laswells Musik, der Zuhörer, die sich darauf einzulassen bereit sind, durchaus in ihren Bann ziehen kann (vgl. psychedelische Musik).
Allen Produktionen gemeinsam ist auch eine Komplexität der Arrangements, die der Musik eine „Tiefe“ verleiht, die sie von den meisten Worldmusic-Produktionen und von kommerziell orientiertem Pop unterscheidet. Die stilistischen Mittel, derer Laswell sich dabei bedient, sind so unterschiedlich wie die musikalischen Stile, mit denen er arbeitet: Von der meditativen Stimmung indisch geprägter Rhythmik und Harmonien (siehe auch Harmonik) (z. B. die Alben der Asana-Reihe) über hypnotische Dub-Produktionen (z. B. die Dub-Chamber-Reihe) bis hin zur Intensität der von Funk und Rock mitbeeinflussten Alben (z. B. mit dem Band-Projekt Praxis).
die aus der Literatur bekannte Cut-up Technik (vgl. Brion Gysin und William S. Burroughs),
die Neue Musik (z. B. Karlheinz Stockhausen, Arnold Schönberg) und die Avantgarde (John Cage, John Zorn und Brian Eno, mit denen er mehrere Produktionen realisierte),
Funk, Hip-Hop, Rock, Elektronische Musik (v. a. verschiedene Spielarten von Electro Funk, Techno, Industrial und Ambient) bis hin zu Reggae und Dub,
Jazz, vor allem Free Jazz (Ornette Coleman) und Fusion (Miles Davis, John McLaughlins Mahavishnu Orchestra und Weather Report),
Worldmusic im wörtlichen Sinn, nämlich authentische Musik und Musiker vor allem aus dem indischen, arabischen und afrikanischen Raum.
Laswells Musik hat eine magische-spirituelle Qualität. Er ist dabei auf keine spezielle Religion oder esoterische Schule festgelegt, sondern bedient sich – wie auch in musikalischer Hinsicht – bei Traditionen aus der ganzen Welt. Es finden sich Elemente aus dem indisch-hinduistisch-buddhistischen Raum bis hin zu westlich-esoterischen Traditionen.
Hörbar ist das zum Beispiel in seinem oft hypnotischen Dub-Bass (siehe auch Trance), den Elementen aus der indischen Musik (den Tablas Zakir Hussains, der Violine L. Shankars), dem Saxophon Pharoah Sanders oder auch den Aufnahmen der Gnawa-Musiker aus Marokko (siehe auch Sufismus).
Am augenscheinlichsten drückt sich dieser Aspekt seiner Musik bereits in der Namensgebung von Bands, Alben und einzelnen Aufnahmen aus. Einige Beispiele:
Asana (Titel einer Reihe meditativer Alben), Asanas sind die Körperübungen des Yoga.
Arcana (Band um Laswell und Tony Williams), bezeichnet allgemein Geheimwissen, bekannt als Bezeichnung im Tarot.