Das Königreich Bhutan ([ˈbʰuːtaːn]; bhutanisch འབྲུག་ཡུལ་ Druk Yul, Wylie ’brug yul, deutsch ‚Land des Donnerdrachens‘, gesprochen etwa „Dru Ü“) ist ein Binnenstaat in Südasien. Der Großteil des Landes liegt in großer Höhe im Himalaya. Der Buddhismus ist offizielle Staatsreligion und prägend für die Politik Bhutans. Im Vergleich zu anderen Staaten legt die Regierung wenig Wert auf Wirtschaftswachstum und Produktivität und achtet stattdessen beispielsweise mehr auf Naturschutz und Glück. Bhutan gehört zu den wenigen Staaten weltweit, die als klimaneutral gelten.
Bhutan liegt in Südasien und grenzt im Süden an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh (von Westen nach Osten) sowie im Norden an Tibet (China). Die Oberflächengestalt Bhutans ist vom Himalaya geprägt. Über 80 Prozent des Landes liegen in über 2000 m Höhe. Das Land hat mit 38.394 km² etwa die Größe der Schweiz. Mehr als zwei Drittel des Königreiches Bhutan sind bewaldet.
Das Land gliedert sich in drei Landschaften: Im Süden, an der indischen Grenze, verläuft die Ebene von Duar, eine schmale Niederung, die zu den Ausläufern des Ganges-Brahmaputra-Tieflandes gehört. Nördlich davon steigt das Land steil an. Die 2000 bis 3000 m hohen Berge des Vorhimalaya sind das Hauptsiedlungsgebiet. An der Grenze zu Tibet liegt die Hochgebirgsregion Lunana. Höchster Berg des Landes ist der 7570 m hohe Gangkhar Puensum, welcher der weltweit höchste Berg ist, der noch nie von einem Menschen bestiegen wurde. Der zweithöchste Berg ist der Kula Kangri. Der niedrigste Punkt des Staatsgebiets befindet sich an der Querung der indischen Grenze durch den Fluss Manas auf ca. 98 m.
Bhutan liegt am Rand der Tropen. Das Klima des gesamten Landes ist als Gebirgsklima einzustufen und aufgrund der unterschiedlichen Höhenstufen sehr unterschiedlich. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation herrscht in den Tälern ein monsunbeeinflusstes Regenklima (Cwa) mit heißen und schwülen Sommern, der wärmste Monat liegt im Mittel über 22 °C. An den Berghängen geht dies in Cwb über: Die vier wärmsten Monate liegen über dem 10 °C-Mittel, der wärmste Monat bleibt hingegen unter der 22 °C-Marke. Der kälteste Monat liegt im Mittel über dem Gefrierpunkt. In großen Höhen herrscht Tundrenklima (ET) mit strengen Wintern und kühlen Sommern: Der wärmste Monat liegt im Mittel zwischen 0 und 10 °C. Besonders in den südlichen Gebieten des Landes kommt es während der Regenzeit häufig zu Überschwemmungen.
Die zum großen Teil unberührten Wälder Bhutans beherbergen eine große Zahl geschützter und seltener Tier- und Pflanzenarten. So wurden beispielsweise Tiger in Bhutan in einer Höhenlage von über 4000 Meter gesichtet. Die Tigerpopulation wurde im Jahr 2015 auf etwa 100 Exemplare geschätzt. Auch der Leopard, der Schneeleopard, der Nebelparder und der Kragenbär leben als weitere Fleischfresser in der Region. Der Serau, das Gelbbauch-Moschustier, das Blauschaf, Hirsch-Arten und Waran-Arten sind die wichtigen Beutetiere der Raubtiere. Auch einige Herden des Asiatischen Elefanten sind in den Wäldern Bhutans zu finden. Da jede Klimazone über eine eigene Flora und Fauna verfügt, findet man in Bhutan auf kleinstem Raum eine enorme Artenvielfalt, da die verschiedenen Höhenstufen unterschiedliche Artenspektren aufweisen. Es finden sich tropische Arten in den Tälern (z. B. Elefant), Arten der gemäßigten Zone (beispielsweise Hirsch-Arten, Wolf) in den mittleren Höhen wie auch Hochgebirgsarten (beispielsweise der Schneeleopard, das Wildschaf) in den Bergen bis in Höhenlagen von über 5000 Meter. Die Herpetofauna (Amphibien und Reptilien) ist ebenso vielfältig – Krokodilmolche (Tylotriton) finden sich ebenso wie die Königskobra, die Bambusottern (Trimeresurus) und Waran-Arten. Die Himalaya-Zone ist für Vogelkundler interessant durch eine Vielzahl von Fasan-Arten, Kranich-Arten und Geier-Arten. Im Vorhimalaya ist der im englischen Sprachgebrauch als Bhutan Glory (Bhutans Glanz) bezeichnete und zu den Ritterfaltern zählende farbenprächtige Tagschmetterling Bhutanitis lidderdalii beheimatet.
Bhutan hat große Flächen als Nationalparks ausgewiesen: Im Phibsoo Wildlife Sanctuary gibt es den Tiger, den Nebelparder, den Goldlangur (eine Affenart), den Gaur (das größte Wildrind der Erde), den Asiatischen Elefanten und Nashornvogel-Arten. Der Jigme-Dorji-Nationalpark beherbergt das Blauschaf, den Schneeleoparden, den Takin, den Serau, den Kleinen Panda, den Tiger und den Kragenbären. Der Jigme-Singye-Wangchuck-Nationalpark ist die Heimat von Serau, Kleinen Panda, Tiger, Kragenbär, Nebelparder, Goldlangur, Schwarzhalskranich, Satyrtragopan und Nashornvogel-Arten. Der grenzüberschreitende Royal-Manas-Nationalpark liegt teilweise in Indien. In ihm gibt es noch eine stabile Population des Panzernashorns. Man findet dort auch den Tiger, den Kragenbären, den Nebelparder, den Goldlangur, den Gaur, den Asiatischen Elefanten sowie verschiedene Arten von Nashornvögeln. Der Thrumshingla-Nationalpark ist bekannt für Serau, Kleinen Panda, Tiger, Kragenbär, Kappenlangur, Satyrtragopan und Nashornvogel-Arten. Das Bumdeling Wildlife Sanctuary beherbergt das Blauschaf, den Schneeleoparden, den Serau, den Kleinen Panda, den Tiger, den Kragenbären, den Kappenlangur, den Schwarzhalskranich, den Satyrtragopan und Nashornvogel-Arten. Zu den genannten kommt noch der weitverbreitete Indische Leopard.
Bhutan ist Stand 2023 der einzige Staat der Erde, der mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt, als er in sie ausstößt.
In seiner Verfassung hat Bhutan den Umweltschutz festgeschrieben. Bhutan verfügt über einen einmaligen Naturreichtum. Bereits in den Schulen wird bei den Kindern das Umweltbewusstsein gefördert. Wegen der relativ geringen Bevölkerungsdichte und der zerklüfteten Berglandschaft wird im Vergleich zu anderen Ländern der Region nur ein kleiner Teil der Fläche für die Landwirtschaft genutzt. Etwa zwei Drittel des Landes sind bewaldet. Die Wälder werden ökologisch nachhaltig genutzt, Brandrodung ist verboten und wird bestraft. Als Nationalparks und Tierreservate sind 26 Prozent des Landes geschützt. Bhutan hat sich dazu verpflichtet, dauerhaft CO2-neutral zu bleiben. Im Jahr 2013 wies es sogar eine CO2-negative Bilanz auf.
Bhutan nutzt 6,5 Prozent seines Wasserkraftpotentials, das auf 24.000 Megawatt geschätzt wird. Der Export von grünem Strom aus Wasserkraft ist eine wichtige Einnahmequelle für Bhutan.
Bhutan hat ein Umweltproblem mit Plastikmüll. So ist das Abfallvolumen durch veränderte Konsumgewohnheiten erheblich gestiegen. Seit 2019 sind zwar Kunststofftüten verboten, doch ist die landesweite Durchsetzung und Kontrolle noch ein Problem.
Königin Jetsun Pema engagiert sich für einen hochwertigen Umweltschutz und eine gute Abfallwirtschaft in Bhutan. Die Mülldeponien in Bhutan sind überlastet, und die Abfallwiederverwertung kann nur dürftig durchgeführt werden. Am 23. Januar 2020 wurde deshalb das Zero Waste Bhutan-Programm gestartet. Bis 2030 soll ein abfallfreies Bhutan verwirklicht werden. In der Umsetzung plant man eine effektive Trennung von Müll, eine maximale Materialrückgewinnung (Recycling), so dass der absolute Abfallanteil nur noch bei einem Fünftel liegen soll. Dazu bedarf es nicht nur einer besseren Aufklärung und einer Sensibilisierung der Bevölkerung, sondern auch erheblicher Investitionen, die das Land nicht alleine stemmen kann. Am 23. April 2022 stellten die japanische Regierung und das japanische Volk vier Mülldeponien, 28 Müllverdichter, drei Muldenkipper, zwei Baggerlader, einen Bagger und eine Planierraupe sowie 24 Container im Wert von rund 3,9 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Am 25. April 2023 erhielt die königliche Regierung von Bhutan zur Unterstützung drei neue Müllverdichter-LKW von der Regierung der Republik Korea gespendet.
Zur Unterstützung des Programms wurde am 13. Dezember 2022 die Mobile App Zero Waste Bhutan APP eingeführt. Die App dient als Plattform zur Verbreitung von Informationen zu abfallbezogenen Einrichtungen und Dienstleistungen. Weiterhin dient die App zur Verfolgung von Abfallvergehen. Jeder Einzelne, auch die breite Öffentlichkeit, kann sich registrieren und eine bürgernahe Polizeirolle bei der Bekämpfung der immer größer werdenden Abfallprobleme übernehmen und gleichzeitig 30 % des Bußgeldbetrags als Anreiz für die Meldung authentischer Verstöße erhalten. Zu diesem Zweck verfügt die App über eine Schnittstelle zur Zahlung von Bußgeldern.