An diesem Tag

Bharatiya Jana Sangh

Partei in Indien

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Die Bharatiya Jana Sangh (BJS, Hindi भारतीय जन संघ, „Indische Volksvereinigung“), häufig in Kurzform Jana Sangh oder Jan Sangh genannt, war eine politische Partei in Indien, die von 1951 bis 1974 existierte. Politisch gehörte sie in das konservative „hindu-nationalistische“ Spektrum. Die BJS ist die direkte Vorläuferin der 1980 gegründeten heutigen indischen Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP).

Die Bharatiya Jana Sangh hatte zwei ideologische Vorläufer: die 1915 gegründete Akhil Bharatiya Hindu Mahasabha (ABHM, „Gesamtindische Hindu-Großversammlung“, kurz „Hindu Mahasabha“) und den 1926 gegründeten Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS, „Nationale Freiwilligenorganisation“). Beide Organisationen waren im damaligen Britisch-Indien gegründet worden und hatten eine Stärkung des Hindu-Selbstbewusstseins und die Vertretung von Hindu-Interessen zum Ziel. Während die ABHM sich in den 1930er Jahren zur politischen Partei wandelte, die später zum Teil auch an Koalitionsregierungen in den Provinzen Britisch-Indiens beteiligt war, konzentrierte sich der RSS während der gesamten Kolonialzeit auf die ideologische und spirituelle Schulung und Charakterbildung sowie auf soziale Aktivitäten in der Hindu-Gemeinschaft und lehnte die Beteiligung an der Tagespolitik ab. Nach der Ermordung Mohandas Karamchand Gandhis 1948 durch den militanten Hindu Nathuram Godse gerieten ABHM und RSS in starken öffentlichen Misskredit. Der ABHM konnte zwar keine direkte Verwicklung in den Mord nachgewiesen werden, jedoch war auffällig, dass alle an der Planung der Mordtat Beteiligten, einschließlich Godses, zuvor Verbindungen zur ABHM gehabt hatten. Die ABHM wurde unter verschärfte Beobachtung der Regierung gestellt. Noch stärker wurde der RSS getroffen, der als Organisation für ein Jahr ganz verboten wurde.

Nach der Wiederzulassung des RSS 1949 gab es innerhalb desselben eine starke Tendenz insbesondere unter jüngeren Mitgliedern, den RSS politisch aktiv werden zu lassen. Die ideologisch verwandte ABHM galt nicht als Alternative, da sie als ineffizient organisierte Partei, die von alten, wenig aktiven, uninspirierenden Männern geführt wurde, gesehen wurde. Zwei Personen im RSS machten sich angesichts der anstehenden ersten gesamtindischen Parlamentswahl 1951–1952 prominent dafür stark, eine neue Partei zu gründen, die hindu-nationalistisches Gedankengut vertreten und deren Personal im Wesentlichen aus RSS-Mitgliedern rekrutiert werden sollte. Dies waren Balraj Madhok und Keval Malkani, die beide in Veröffentlichungen ein provisorisches Parteiprogramm entwarfen.

Der Weg zur Parteigründung: Mukherjee

Bei der Gründung der Bharatiya Jana Sangh im Jahr 1951 trafen gewissermaßen eine „Partei ohne Parteiführer“ (der RSS) auf einen „Parteiführer ohne Partei“. Dieser „Parteiführer ohne Partei“ war Syama Prasad Mukherjee. Mukherjee war ein bengalischer Anwalt und Politiker. Mitte der 1930er Jahre war er Mitglied der ABHM geworden und später einige Zeit Minister in einer Koalitionsregierung der Provinz Bengalen gewesen. Nach der Unabhängigkeit am 15. August 1947 ernannte Jawaharlal Nehru ihn, der als fähiger Verwaltungsjurist bekannt war, zum Minister für Industrie im Kabinett der indischen Übergangsregierung. Nach der Ermordung Gandhis 1948, bei der Mukherjee nie im Verdacht stand etwas damit zu tun zu haben, verblieb er zunächst in der ABHM, deren Vizepräsident er zu dieser Zeit war. Er versuchte, die ABHM dazu zu bewegen, sich für andere gesellschaftliche Gruppen zu öffnen und ihre engen kommunalistischen Standpunkte aufzugeben. Dies gelang ihm jedoch nicht und im Dezember 1948 verließ er die ABHM. In der folgenden Zeit geriet er in Konflikt mit Nehru. Der Grund des Zerwürfnisses lag in der Situation in Bengalen, der Heimat Mukherjees. Bengalen war unmittelbar von der Teilung Indiens betroffen. Der überwiegend muslimische Ost-Teil wurde als Ostpakistan (heute Bangladesch) abgespalten, während Westbengalen bei Indien verblieb. Kurz nach der Teilung fanden pogromartigen Ausschreitungen gegen die jeweiligen religiösen Minderheiten statt, bei denen Zehntausende Hindus und Muslime starben. In den Jahren nach der Teilung kam es zu einem anhaltenden Massenexodus von Hunderttausenden bengalischer Hindus aus Ostpakistan, die über massive Diskriminierung und Verfolgung durch die Muslim-Mehrheit klagten, nach Indien. Mukherjee war vom Elend seiner Landsleute tief getroffen und forderte eine aktivere Rolle und Parteinahme der indischen Regierung für die Interessen der Hindus in Ostpakistan.

Am 8. April 1950 schloss Nehru mit dem pakistanischen Premierminister Liaquat Ali Khan das sogenannte Liaquat–Nehru-Abkommen, in dem vereinbart wurde, dass Flüchtlinge in ihr Heimatland zurückkehren und ihr Hab und Gut frei veräußern dürften und dass künftig Minderheiten besser geschützt werden sollten. Noch am Tag der Vertragsunterzeichnung trat Mukherjee, der eine wesentlich härtere Gangart gegenüber der pakistanischen Regierung, die er für das Flüchtlingselend verantwortlich machte, gefordert hatte, von seinem Ministeramt zurück. Der Rücktritt Mukherjees wurde von RSS-Mitgliedern und -Sympathisanten, die das Abkommen ebenfalls ablehnten, begrüßt. Nach seinem Rücktritt begab sich Mukherjee auf Reisen durch ganz Indien und führte vielfache politische Gesprächen mit RSS-Mitgliedern. Als Ergebnis davon gelangte er zu der Ansicht, dass die Zeit reif sei, eine neue politische Partei zu gründen. Am 5. Mai 1951 gab er in Kalkutta die Gründung einer „Volkspartei“ bekannt und skizzierte deren Programm in acht Punkten: (1) Einheit Indiens, (2) Gegenseitigkeit statt Appeasement gegenüber Pakistan, (3) eine unabhängige Außenpolitik „im Eigeninteresse Indiens“, (4) Wiedergutmachung gegenüber den Flüchtlingen und „geeignete Kompensationen seitens Pakistans“, (5) dezentralisierte Industrien und Steigerung der Güterproduktion, insbesondere von Nahrungsmitteln und Textilien, (6) Entwicklung einer gesamtindischen Nationalkultur, (7) gleiche Rechte für alle Bürger und Hebung der unterprivilegierten Kasten, (8) Angleichung der Grenzen Westbengalens zu Bihar. Weitere lokale Gründungen von Landesverbänden folgten im Laufe des Jahres: am 27. Mai in Jullundur für Delhi, Punjab, P.E.P.S.U. und Himachal Pradesh, am 2. September in Indore für Madhya Pradesh, am 2. Oktober in Satna für Vindhya Pradesh, am 13. Oktober für Rajasthan-Ajmer und am 13.–14. Oktober in Patna für Bihar.

Am 21. Oktober 1951 trafen sich Vertreter dieser „Landesverbände“ in Delhi und vereinigten sich offiziell zur ‚Bharatiya Jana Sangh‘ (BJS) als landesweite indische Partei.

Die ersten Wahlen 1951–1952 und die Zeit danach

Schon kurz nach ihrer Gründung befand sich die neue Partei im Wahlkampf bei den ersten landesweiten Wahlen zum gesamtindischen Parlament (der Lok Sabha) und den Parlamenten der indischen Bundesstaaten, die von Oktober 1951 bis Februar 1952 abgehalten wurden. Bei den Wahlen konnte sich die BJS auf die Organisationsstrukturen des RSS stützen. Schwerpunkte der Partei waren die Bundesstaaten Madhya Pradesh, Madhya Bharat, Uttar Pradesh und Punjab. In ihrem am 29. Oktober 1951 veröffentlichten Wahlmanifest beschwor die Partei die Einheit Indiens und lehnte den Säkularismus ab, da dieser nur ein „Euphemismus für Appeasement gegenüber den Muslimen“ sei. Wirtschaftspolitisch gab es nur allgemeinere Aussagen (Steigerung der Produktion, Mechanisierung der Landwirtschaft etc.) und auch hinsichtlich einer Landreform äußerte sich die Partei vorsichtig-zurückhaltend. Das Programm sprach sich grundsätzlich für ein privatwirtschaftliches System aus und gegen ausgedehnte Staatsbetriebe oder staatliche Lenkungen. Die indische Industrie sollte durch Zollschranken gegen „unfaire ausländische Konkurrenz“ geschützt werden. Der Import von Luxusgütern sollte besteuert, der Import von Kapitalgütern dagegen erleichtert werden. In Indien sollte Hindi in Devanagari-Schrift als landesweite Nationalsprache eingeführt werden. Auch andere indische Sprachen sollten in Devanagari geschrieben werden. Die Erziehung sollte ein Schwerpunkt der staatlichen Arbeit werden, wobei Sanskrit-Studium und (modernisierte) Ayurveda-Medizin eine spezielle staatliche Förderung erfahren. Die außenpolitischen Aussagen im Programm fokussierten sich auf Pakistan und Jammu und Kashmir. Solange Pakistan ein separater Staat sei, müsse diesem gegenüber eine Politik der Gegenseitigkeit und nicht des Appeasements verfolgt werden. Letztlich sei das Ziel einer „Wiedervereinigung“ Indiens mit Pakistan zu verfolgen. Dies müsse auch im Interesse der Muslime in Pakistan sein, die genauso unter den Massenvertreibungen gelitten hätten. Andererseits sprach das Parteimanifest in kritischen Worten von der muslimischen Minderheit in Indiens, dass diese immer noch eine gewisse Distanz zum indischen Staat (Bharat) bewahrt hätten. Sie seien frei, ihren muslimischen Glauben zu praktizieren, jedoch müssten sie sich an die indischen Gepflogenheiten anpassen.

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