Bertrand Nogaro (geboren am 5. April 1880 in La Chapelle-la-Reine; gestorben am 7. April 1950 in Créteil) war ein französischer Ökonom und Politiker der Dritten Republik.
Bertrand Nogaro verbrachte nach seinem Gymnasialabschluss als junger Mann zwei Jahre an der Universität Leipzig. Im Jahr 1905 ermöglichte ihm ein Reisestipendium eine Reise nach Westaustralien, wo kurz zuvor Goldvorkommen entdeckt worden waren. Hier konnte er die Auswirkungen des Goldes auf die Preise untersuchen. Aus dieser Reise entstand mit L’Arbitrage obligatoire et la propagation du contrat collectif en Australasie (Die obligatorische Schlichtung und die Verbreitung von Tarifverträgen in Australasien) seine Doktorarbeit. Nach seiner Promotion erlangte er 1908 die Habilitation. Anschließend war er Professor in Montpellier, in Caen und schließlich in Paris.
1914/15 war er während des Ersten Weltkriegs Stabsoffizier. Danach war er in der Rüstungsverwaltung tätig, wo er mit der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte beauftragt war.
1924 wurde er auf der Liste der Parti républicain, radical et radical-socialiste – einer trotz ihres Namens eher der politischen Mitte zuzurechnenden Partei – in die Abgeordnetenkammer gewählt. 1926 wurde er im Kabinett Briand X Bildungsminister. Er war während seiner Abgeordnetentätigkeit Berater von Personen wie Joseph Caillaux und Henri Poincaré in Fragen der Geldpolitik. 1934 wechselte er wieder in die Forschung und die Lehre. Zu dieser Zeit gab er auch seine Tätigkeiten als Generalrat der Hautes-Pyrénées und als Bürgermeister von Trie-sur-Baïse auf.
1938 wurde er Inhaber des Lehrstuhls für französisches Finanzrecht und Finanzwissenschaft an der Rechtsfakultät von Paris. 1940 verlor er seinen Sohn im Krieg und litt unter gesundheitlichen Problemen. Er starb 1950, kurz nachdem er 1949 in die Académie des sciences morales et politiques gewählt worden war.
Nogaro wurde als Offizier der Ehrenlegion ausgezeichnet.
L’Arbitrage obligatoire et la propagation du contrat collectif en Australasie. Dissertation, 1906
Le Rôle de la monnaie dans le commerce international et la théorie quantitative. Dissertation, 1904
Les Régimes douaniers : législation douanière et traités de commerce. Aperçu de l’évolution douanière en France et à l’étranger ; les traités de commerce, les réformes douanières et la loi du 29 mars 1910 ; régime administratif des douanes françaises. Mit Marcel Moye, 1910
Éléments d’économie politique. 1913–1914
La Crise des finances publiques en France, en Angleterre, en Allemagne. Mit Adolphe Landry, 1914
Traité élémentaire d’économie politique. 1921
Réparations, dettes interalliées, restauration monétaire. 1922
La monnaie et les phénomènes monétaires contemporains. 1935
La crise économique dans le monde et en France, symptômes, causes et remèdes. 1936
Les prix agricoles mondiaux et la crise. 1936
Principes de théorie économique, les concepts fondamentaux et leur utilisation. 1943
Le développement de la pensée économique. 1944