An diesem Tag

Berthold Beitz

Deutscher Unternehmer (1913-2013)

Anúncio

Berthold Beitz (* 26. September 1913 in Zemmin, heute ein Ortsteil von Bentzin; † 30. Juli 2013 in Kampen auf Sylt) war ein deutscher Manager. Er war Generalbevollmächtigter von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und einflussreicher Industrieller in der Montanindustrie des Ruhrgebiets.

Während des Zweiten Weltkriegs rettete er im deutsch besetzten Generalgouvernement mehreren hundert jüdischen Zwangsarbeitern das Leben, indem er sie als unentbehrlich für die Erdölindustrie einstufte und in den von ihm verwalteten Fabriken beschäftigte. Dafür wurde er 1973 vom Staat Israel zum Gerechten unter den Völkern erklärt. Nach Kriegsende lernte er Alfried Krupp kennen und bei seiner Geburtstagsfeier am 26. September 1952 wurde Beitz per Handschlag von Alfried Krupp zum Generalbevollmächtigten seiner Firma gemacht. Gemeinsam mit ihm baute er den Krupp-Konzern wieder auf. Alfried Krupp brachte sein Vermögen, insbesondere die Firma Krupp, testamentarisch in eine gemeinnützige, nach ihm benannte Stiftung ein. Beitz hatte an diesem Weg erheblichen Anteil und wurde 1968 Vorsitzender von Vorstand und Kuratorium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. In dieser Funktion hat er den Strukturwandel im Ruhrgebiet und den Umbau zu einer Wissenschafts- und Kulturregion wesentlich mitgeprägt.

Beitz war von 1972 bis 1988 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und zwischen 1984 und 1988 dessen Vizepräsident.

Berthold Beitz kam in Zemmin, einem Ortsteil der Gemeinde Bentzin im damaligen Landkreis Demmin in Vorpommern, als Sohn des Erdmann Beitz (* 1888) und Erna Beitz (* 1892) zur Welt. Seine Mutter war die Tochter des Gutsverwalters Karl Stuth, der sich um die Besitzungen der Familie von Sobeck in Zemmin kümmerte. Der Vater diente zu dieser Zeit als Wachtmeister im 2. Pommerschen Ulanen-Regiment Nr. 9 und spielte im Regimentsorchester Trompete. Im Oktober 1913 wurde diese Einheit als nunmehr 4. Eskadron dem Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 10 unterstellt und nach Angerburg verlegt. Dort wohnten die Eltern, bis mit Beginn des Ersten Weltkriegs Erdmann Beitz als Melde- und Verbindungsreiter der 224. Infanterie-Division an wechselnden Kriegsschauplätzen der Ost- und Westfront eingesetzt wurde. Erna Beitz kehrte daraufhin 1914 mit ihrem Sohn in das elterliche Gutshaus zurück, und so wuchs Berthold, gemeinsam mit seinen nur wenig älteren Onkeln, bei der Mutter und der Großmutter auf.

Als der Vater dann im November 1918 zurückkehrte und aufgrund der Demobilisierung nicht in der Armee verbleiben konnte, fand er in Demmin eine Anstellung im dortigen Finanzamt. So zog die Familie, zu der mittlerweile auch die 1916 geborene Schwester Brunhild gehörte, in die Handelsstadt an der Peene, in der Beitz die Grundschule und die erste Klasse der weiterführenden Schule besuchte.

1925 erfolgte die Versetzung des Vaters in die Filiale der Reichsbank in Greifswald, und die Familie bezog dort eine Dienstwohnung. Dort wurde Beitz als einer der ersten Jungen in das soeben für die Koedukation freigegebene Lyzeum Kaiserin-Auguste-Viktoria aufgenommen. Auf dieser Schule, die 1947 dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium angeschlossen wurde, lernte er Karl-Heinz Bendt kennen. Dieser rettete Beitz im Winter 1942 aus einer sehr prekären Lage: Beitz war denunziert worden, Polen „zu gut“ behandelt und Juden zur Ausreise aus dem deutschen Herrschaftsgebiet verholfen zu haben; Bendt vernichtete eine beim SD-Leitabschnitt eingegangene Anzeige, die diese Vorwürfe enthielt, im Beisein von Beitz.

Beitz war in diesen Jahren ein begeisterter Sportler, der sich vor allem dem Segeln und dem Rudern widmete. Seine schulischen Leistungen waren meist nur genügend und er musste die Obersekunda wiederholen. Nach dem 1934 erfolgreich abgelegten Abitur hätte er gerne Medizin studiert, doch wegen der finanziellen Lage der Familie nach den Lohnkürzungen im Zuge der Weltwirtschaftskrise war dies nicht möglich. Aufgrund der guten Kontakte des Vaters erhielt Berthold einen Ausbildungsplatz zum Bankkaufmann bei der Pommerschen Volksbank im nahen Stralsund. Während seiner zweijährigen Lehrzeit wohnte er als Untermieter einer älteren Witwe eine Zeitlang mit dem Architekten Ferdinand Streb zusammen.

Im Anschluss an die Ausbildung erfolgte zunächst eine Versetzung zur Filiale nach Stettin, bevor er binnen eines Jahres zum stellvertretenden Filialleiter der Pommerschen Bank in Demmin befördert wurde. Doch die dörfliche Enge und die Aussicht auf ein betuliches Leben als Bankkaufmann missfielen ihm. So bewarb er sich bei der Deutsch-Asiatischen Bank, und nur aus Rücksichtnahme seiner Mutter gegenüber trat er die Stelle in Tientsin doch nicht an. Stattdessen ging er im Mai 1938 nach Hamburg zur Rhenania-Ossag, einem Tochterunternehmen der Royal Dutch Shell.

Zwischen 1937 und 1939 nahm Beitz an mehreren Wehrübungen der 1935 aufgestellten Wehrmacht teil, obwohl er wegen seines Alters von der Wehrpflicht freigestellt war. Ob die freiwillige Teilnahme an den vergleichsweise leichten Übungswochen auf Drängen des Vaters geschah oder, um „von allen anderen Organisationen freigestellt“ zu werden, ist nicht klar, doch im Frühjahr 1939 stand er im Rang eines Feldwebels der Reserve und hatte sich um einen Offiziersrang beworben.

Im April 1939 wechselte Beitz als kaufmännischer Angestellter in die Revisionsabteilung der Rhenania-Ossag-Konzernzentrale und lernte dort seine spätere Frau Else kennen, die als Sachbearbeiterin für Öltransporte arbeitete.

Bei Kriegsbeginn entging er der Mobilmachung, weil sein Regiment über keine freie Offiziersstelle verfügte. Stattdessen schlugen seine Vorgesetzten ihn dem Oberkommando des Heeres als Vertreter der Rhenania-Ossag für den Einsatz in den ostgalizischen Erdölfeldern vor, da die Rhenania-Ossag im neu gebildeten Generalgouvernement mit der Erschließung und Ausbeutung der dortigen Ölvorkommen betraut war. So ging Beitz nach Beendigung des Überfalls auf Polen in die südpolnische Kleinstadt Jasło. Nunmehr als unabkömmlich von der Wehrmacht freigestellt, wurde er zu einem Fachmann für den kaufmännischen Bereich der kriegswichtigen Erdölförderung.

Im Frühjahr 1940 erfolgte die Versetzung in das benachbarte Krosno. Als leitender Angestellter für Buchführung und Versand war Beitz dort für die Beskiden-Erdöl-Gewinnungs-GmbH, ebenfalls ein Tochterunternehmen der Rhenania-Ossag, tätig. Nach der Geburt der Tochter Barbara Ingrid folgte ihm seine Frau Else – die beiden hatten im Dezember 1939 geheiratet – in das besetzte Polen und fand dort eine Anstellung als Sekretärin.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde Berthold Beitz im Juli 1941 zum kaufmännischen Leiter der Karpaten-Öl AG in Boryslaw berufen, die den jetzt ebenfalls besetzten, bisher sowjetischen Teil des Erdölreviers ausbeutete.

Schätzungen zufolge waren vor der Besetzung Polens etwa zehn Prozent der Bevölkerung des Landes Juden gewesen; in Galizien, dem Zentrum des jüdischen Siedlungsgebietes in Europa, lag ihr Anteil bei bis zu dreißig Prozent. Sie lebten im Schtetl in oft einfachen Verhältnissen und verdienten ihren Lebensunterhalt als Kaufleute, Handwerker und vor allem auch als Arbeiter in der Ölindustrie – so auch in Boryslaw, wo Beitz als Betriebsleiter der Karpathen-Öl einen gewissen Handlungsspielraum in Bezug auf die Versorgung, Unterbringung und die Sicherheit seiner Arbeitnehmer hatte, von denen etwa zwanzig Prozent jüdisch waren. Zu seinen ersten Entscheidungen gehörte der Aufbau des Firmenlagers Mraschnitzka.

Zwischen 1941 und 1944 bewahrte er viele Juden vor den Vernichtungslagern, indem er sie als unabkömmlich für die Produktion seines kriegswichtigen Unternehmens reklamierte (siehe Blauschein). Zu seinen Mitarbeiterinnen gehörte Hilde Berger, die später die Sekretärin von Oskar Schindler im KZ Plaszow war. Bei der Übernahme der Erdölförderung durch die deutsche Betriebsleitung wurden die jüdischen Beschäftigten zunächst trotz anderslautender Weisung des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes weiterbeschäftigt.

Schließlich wurde Beitz im März 1944 doch noch zur kämpfenden Truppe eingezogen. Viele der bis zu diesem Zeitpunkt von ihm beschützten Juden flohen daraufhin in die umliegenden Wälder und konnten auf diese Weise die Zeit bis zum Kriegsende in Galizien überleben. Das Zwangsarbeitslager der Karpaten-Öl AG wurde am 22. Juli 1944 aus Angst vor den heranrückenden sowjetischen Truppen aufgelöst, die noch verbliebenen Häftlinge wurden in die Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen deportiert. Beitz wurde 1973 unter die Gerechten unter den Völkern aufgenommen, seine Frau Else im Jahr 2006.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Berthold Beitz | World in Stories