An diesem Tag

Berta von Arnsberg

Äbtissin des Stifts Essen

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Berta von Arnsberg (* unbekannt; † 8. Januar 1292) war von vor 1243 bis zu ihrem Tode Fürstäbtissin des Frauenstiftes Essen.

Berta von Arnsberg war Tochter von Gottfried II. Graf von Arnsberg. Die Mutter war Agnes von Rüdenberg. Die Schwester Bertas Adelheid heiratete Konrad II. Graf von Stromberg. Irmgard war Nonne im Kloster Oelinghausen, Sophie heiratete Bernhard III. Edelherr von Lippe-Detmold. Ihr Bruder Gottfried wurde als Gottfried III. Graf von Arnsberg. Die Schwester Syradis von Arnsberg war später Äbtissin von St. Aegidii in Münster, der Bruder Hermann war Kanoniker in Soest.

Die Äbtissin regierte das Stift als Reichsfürstin fast ein halbes Jahrhundert in schwierigen politischen Zeiten.

Maßnahmen zum Schutz der Rechte des Stifts

Bereits 1245 ließ sie sich auf dem Konzil von Lyon die Exemtion des Stifts durch Papst Innozenz IV. bestätigen, wonach der Stift keiner Diözese angehörte, sondern direkt dem Heiligen Stuhl unterstand. Damit hatte der Stift einen wichtigen Rechtstitel gegen die Ansprüche des Erzbistums Köln, dem Essen unterstellt war.

Im Jahr 1262 wurde Erzbischof Engelbert II. von Äbtissin und Kapitel von Essen zum Vogt auf Lebenszeit gewählt. Nach seinem Tod gelang es Berta durch einen genialen Schachzug die Freiheit von Abtei und Stift zu behaupten, in dem sie die Essener Vogtei dem König selbst antrug. König Rudolf wurde von den Stiftsdamen 1275 zum neuen Vogt gewählt und nahm die Wahl am 16. September 1275 an, um in dieser Gegend über die Betonung alter Reichsrechte seine eigene Macht zu stärken. Durch die Nähe zum König schützte Berta von Arnsberg das Stift auch vor der Macht der Vögte. Aus einer Herrenvogtei wurde eine reine Schutzvogtei. Der Vogt durfte keine Abgaben von Stiftsuntertanen mehr erheben, die Verantwortung für den militärischen Schutz der Immunität fiel an die Dienstmannen der Äbtissinnen und diese bestimmten auch den obersten Richter.

Konflikt mit dem Kölner Erzbistum

Der Erzbischof von Köln wollte sich mit seiner Zurückdrängung nicht abfinden und versuchte mit allen Mitteln seine Macht im Stift Essen wieder zu stärken. Erzbischof Siegfried von Westerburg unternahm im Oktober 1275 einen offenen Putsch und ließ sich von elf Stiftdamen – darunter die Priorin – und elf Kanonikern selbst zum Vogt wählen, mit der Begründung, nur so Schaden von den Besitztümern des Stifts abwenden zu können.

König Rudolf, der sich nicht dem Erzbischof von Köln anlegen wollte, ernannte ihn daraufhin zu seinem Stellvertreter als Essener Vogt. Später versuchte er die Rechtsstreitigkeiten zwischen Erzbischof und Stift durch den Aachener Kanoniker Rutger als Schiedsrichter klären zu lassen. Dieser kam jedoch zu keinem Ergebnis.

Nach der Niederlage von Erzbischof Siegfried in der Schlacht von Worringen und seiner Gefangennahme, setzte der König 1288 auf Vorschlag einer Schiedskommission Graf Eberhard von der Mark als Vogt ein. Nach seiner Haftentlassung im Mai 1289 ging Erzbischof Siegfried direkt gegen Berta von Arnsberg vor, um sie ihres Amtes zu entheben. Er sprach den Kirchenbann gegen sie aus und beschlagnahmte ihre Weinberge im Rheinland. Zudem ließ er sie durch den Propst von Werden und den Dekan von Bochum auf den 9. November nach Köln vorladen, wo sie sich wegen zahlreicher Vergehen verantworten sollte. Ihr wurden schwerste Verbrechen, wie Simonie, Missachtung des ihr vom Kölner Offizial auferlegten Kirchenbanns, die Beauftragung der Morde an Marschall Rupert sowie dem Ritter Herrmann von Eickerscheidt, das Einlassen mit Betrügern wie Tile Kolup und die Verschleuderung von Kirchengütern vorgeworfen. Insbesondere machte man ihr die Widersetzlichkeit gegen den Kölner Erzstuhl zum Vorwurf.

Berta blieb dem Gerichtstermin fern und schickte lediglich einen Prokurator, der auf die Exemtion verwies. Daraufhin erklärte der Erzbischof sie für abgesetzt. Mit Unterstützung der Essener Pröpstin Mechthild von Rennenberg machte er seine Nichte Irmgard von Wittgenstein zur neuen Essener Äbtissin. Diese hatte er kurze Zeit zuvor bereits als Äbtissin im Stift Herford eingesetzt.

Doch der Papst bestätigte bereits am 13. September 1290 Berta von Arnsberg die geistlichen Privilegien und die Exemtion von Köln. Somit gelang es dem Erzbischof nicht, die Äbtissin dauerhaft aus ihrem Amt zu entfernen.

Erst nach dem Tod Bertas wurde der Konflikt gelöst. Dem Stift wurde auf einem Fürstentag in Deutz am 28. Juli 1295 das Wahlrecht des Vogts bestätigt. Eberhard von der Mark wurden bei dieser Gelegenheit die Vogteirechte auf Lebenszeit zuerkannt.

Auch mit dem Streben der Stadt Essen nach Selbständigkeit musste sich die Fürstäbtissin in ihrer langen Amtszeit auseinandersetzen. Die Ministerialen der Äbtissin schlossen 1244 mit Vertretern der Bürgerschaft einen Vertrag über den Bau einer Stadtmauer. Berta erhob zudem die beiden damaligen Stadtkirchen St. Johann und Gertrudis am 4. November 1260 zu Pfarrkirchen.

Unter Berta begann der Wiederaufbau der 1275 abgebrannten Essener Stiftskirche in ihrer heute noch bestehenden Gestalt.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1286 bezeugt, dass der Graf von Limburg das Vogteirecht des Oberhofes Ehrenzell westlich des Frauenstiftes an die Äbtissin Bertha von Arnsberg verpfändet hatte. Der Oberhof Ehrenzell war einer von sechs Oberhöfen im Stift Essen, auf dem die Unterhöfe ihre Abgaben ans Stift abzugeben hatten. Sein Schultheiß wurde von der Fürstäbtissin ernannt und war Richter in ihrem Auftrag. Äbtissin Berta von Arnsberg kaufte 1288 den offenbar verpfändeten Oberhof Borbeck von den Rittern Hermann und Wennemar von Altendorf, um dort im Anschluss den Vorgängerbau des heutigen Schlosses Borbeck errichten zu lassen. Hiermit brachte sie ihren Herrschaftsanspruch als Fürstäbtissin zum Ausdruck.

Mit dem Beginn des Wiederaufbaus der Stiftskirche und der Betonung von Reichsrechten und päpstlichen Privilegien trug Berta maßgeblich dazu bei, das Stift aus einer existenzbedrohenden Krise zu führen und seinen Fortbestand als eigenständiges Reichsfürstentum zu sichern.

Sie starb nach am 8. Januar 1292 nach neunundvierzig Regierungsjahren und wurde im Essener Münster beigesetzt.

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