Bernhard Carl „Bert“ Trautmann, OBE (* 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle; † 19. Juli 2013 in La Llosa, Spanien) war ein deutscher Fußballtorwart.
Trautmann diente im Zweiten Weltkrieg als Fallschirmjäger bei der Luftwaffe. Er kämpfte drei Jahre an der Ostfront. Später wurde er an die Westfront abkommandiert, wo ihn britische Truppen gegen Ende des Krieges gefangen nahmen. Trautmann lehnte nach seiner Freilassung 1948 ein Angebot für die Rückführung ab und ließ sich in Lancashire nieder. Im Oktober 1949 unterschrieb er einen Vertrag als Torwart bei Manchester City, das damals in der ersten englischen Liga spielte. Gegen die Entscheidung des Clubs, einen früheren deutschen Fallschirmjäger aufzustellen, demonstrierten etwa 20.000 Menschen.
1956 wurde er zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Im selben Jahr gewann er mit seiner Mannschaft das Endspiel des FA Cups, das er trotz einer schweren Verletzung zu Ende spielte, um die Führung seines Teams zu retten. Nach dem Spiel wurde bei Trautmann ein Genickbruch diagnostiziert. Trautmann hütete bis 1964 in 545 Spielen das Tor für Manchester City. Nach seiner aktiven Laufbahn wechselte er ins Traineramt, wo er später als Teil eines Entwicklungsplans des Deutschen Fußball-Bundes das Nationaltraineramt mehrerer Länder, darunter Burma, Tansania und Pakistan, übernahm. 2004 zeichnete ihn Königin Elisabeth II. mit dem Order of the British Empire (OBE) für seine Verdienste um die englisch-deutsche Verständigung durch Fußball aus.
Trautmann wuchs in Walle, einem Stadtteil im Westen von Bremen, auf. Sein Vater arbeitete als Elektriker, dann als Belader in einer Düngemittelfabrik in der Nähe des Hafens, seine Mutter Frieda war Hausfrau. Trautmann hatte einen jüngeren Bruder mit dem Namen Karlheinz. Bedingt durch die wirtschaftlich schwierigen Umstände in den 1920er-Jahren verkauften die Trautmanns ihr Heim und zogen in eine Mietwohnung in der Wischhusenstraße 32 in Gröpelingen, wo Trautmann bis 1941 lebte und die Schule besuchte.
Als Junge spielte er Handball und Völkerball. Er trat mit acht Jahren in den Fußballverein TuRa Bremen ein und spielte zunächst im linken Mittelfeld.
1933 trat er mit zehn Jahren dem Jungvolk, der Jugendorganisation der Hitlerjugend, bei. Im folgenden Jahr gewann er verschiedene Reichsjugendwettkämpfe wie den Weitsprung und 60-Meter-Lauf und erwarb das Reichssportabzeichen. Mit 14 Jahren verließ er die Schule und wurde Mitglied der Hitlerjugend. Als einen von 60 Jugendlichen aus der Region Bremen wählte ihn die Hitlerjugend dazu aus, ein Landjahr an der Grenze zur Tschechoslowakei zu verbringen. Neben der Arbeit auf dem Bauernhof diente das Jahr vor allem der sportlichen Betätigung. Aufgrund seiner sportlichen Leistungen nahm Trautmann an den Reichsjugendspielen im Olympiastadion Berlin teil, bei denen er den zweiten Platz im Weitsprung, dem Granatenwerfen und dem 60-Meter-Lauf belegte. Im Januar 1939 begann er eine Ausbildung als Automechaniker bei Hanomag.
Trautmann meldete sich mit 17 Jahren freiwillig zur Luftwaffe; durch seine fehlende schulische Qualifikation schied die von ihm angestrebte Laufbahn als Pilot aus und er begann eine Ausbildung zum Funker. Die Luftwaffe versetzte ihn Ende Januar 1941 nach Schwerin. Während seiner Ausbildung zeigte er nur geringes Interesse am Funken und bestand den geforderten Eignungstest nicht. Auf Anraten seines Kommandeurs meldete er sich zum neu gegründeten Nachrichtenregiment 35 als Teil des V. Fliegerkorps.
Er diente ab April 1941 nach drei Monaten Ausbildung im besetzten Polen und er war zunächst in Zamość stationiert. Am 21. Juni 1941 erhielt Trautmanns Regiment den Marschbefehl zur Teilnahme am Unternehmen Barbarossa. Seine Einheit war der 1. Panzerarmee der Heeresgruppe Süd unterstellt und in der Nähe von Schitomir in der nördlichen Ukraine stationiert. Durch eine Manipulation Trautmanns an einem Opel P4 verletzte sich ein Unteroffizier. Ein Militärgericht verurteilte Trautmann zu drei Monaten Gefängnis. Aufgrund einer Blinddarmentzündung kam er in ein Militärkrankenhaus. Der behandelnde Arzt setzte ihn nach seiner Genesung als Hilfskraft ein, schickte aber weiter wöchentliche Berichte über Trautmanns Gesundheitszustand an den Kommandanten des Militärgefängnisses. Dadurch verbrachte er die Zeit bis zum Ende seiner Gefängnisstrafe als Helfer im medizinischen Dienst.
Im Oktober 1941 wurde sein Verband nach Dnepropetrowsk verlegt, wo der früh einsetzende Winter den weiteren Vorstoß der deutschen Wehrmacht beendete. Die Versorgungswege der sowjetischen Armee waren die Angriffsziele des Verbandes. Trautmanns Einheit erzielte zu Beginn des Jahres 1942 Geländegewinne, aber die sowjetische Gegenoffensive traf sie hart. Im Frühjahr 1942 wurde sie nach Smolensk verlegt.
Trautmann meldete sich dort freiwillig zu den Fallschirmjägern und kam zur Ausbildung nach Berlin, und wurde anschließend dem Fallschirmjäger-Regiment 1 der 7. Flieger-Division zugeordnet. Im Frühjahr wurde Trautmann zum Unteroffizier befördert. Er wurde fünfmal ausgezeichnet, unter anderem mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse.
Nach seiner Beförderung zum Feldwebel wurde Trautmann einer neuen Einheit zugeteilt, die man in Erwartung einer alliierten Invasion nach Frankreich verlegte. Am 11. Februar 1945 überlebte er als einer der wenigen Angehörigen seiner Einheit die alliierte Bombardierung von Kleve. Trautmann desertierte anschließend und wollte sich in seine Heimatstadt Bremen absetzen. Am 27. März 1945 spürten ihn britische Kräfte in einer Scheune am Niederrhein auf. Der Soldat, der ihn gefangen nahm, begrüßte ihn freundlich mit den Worten: „Hello Fritz, fancy a cup of tea?“ („Hallo Fritz, wie wär's mit einer Tasse Tee?“). Da der Krieg dem Ende zuging, unternahm Trautmann keinen Fluchtversuch. Die Briten brachten ihn in das britische Kriegsgefangenenlager POW Camp 50 (heute die Byrchall High School) in Ashton-in-Makerfield, das zwischen St. Helens und Wigan liegt. Später wurde er in ein ähnliches Lager in Huyton bei Liverpool verlegt. Bei Fußballpartien im Lager spielte er erfolgreich im rechten Mittelfeld, bis sich eines Tages kein Torhüter fand: Trautmann erwies sich als Naturtalent im Tor. Seit dieser Zeit riefen die Briten ihn Bert, da es ihnen schwerfiel, Bernd, die Kurzform seines Vornamens, korrekt auszusprechen.
Als die Schließung des Gefangenenlagers bevorstand, lehnte Trautmann ein Angebot zur Repatriierung ab und blieb in England. Er arbeitete zunächst auf einem Bauernhof in Milnthorpe, später bei der Kampfmittelbeseitigung in Huyton. Trautmann spielte im Kriegsgefangenenlager POW Camp 50 in Ashton-in-Makerfield mit Fußballern wie dem späteren Schalker Karl Krause und dem Bremerhavener Günther Lühr und später als Torwart für den Provinzclub St Helens Town AFC in Lancashire. Der St. Helens Newspaper and Advertiser schrieb am 17. August 1948 über seine ersten Auftritte:
Trautmann zog 1949 nach Liverpool-Huyton um. Seine Fans sammelten für seinen ersten Heimaturlaub 150 Pfund. Als Trautmann zurückkehrte und für die nächste Saison verlängerte, feierte die lokale Presse dies mit mehreren Artikeln und Fotos. In St Helens traf er seine erste Verlobte, Marion Greenhill, mit der er eine Tochter hatte. Trautmann verließ seine Verlobte, noch bevor seine Tochter Frieda geboren wurde. Später traf er dort seine spätere Frau, die Tochter des Direktors, Margaret Friar, die er 1950 heiratete. Mit ihr hatte er drei Söhne: John, Mark und Stephen. Sein ältester Sohn John kam allerdings mit fünf Jahren bei einem Autounfall wenige Wochen nach dem FA-Cup-Finale 1956 ums Leben. Die Ehe zerbrach später.
Aufgrund seiner persönlichen Umstände lehnte er Angebote von Proficlubs ab. Durch seine Leistung wurde er für ein wachsendes Publikum zur Attraktion. Dadurch zog er die Aufmerksamkeit der Erstligaclubs auf sich. Es gab Anfragen von FC Arsenal, Tottenham Hotspur, FC Everton, Manchester United und Manchester City. Um Trautmann zu beobachten, arrangierte der Vereinsvorstand von City eigens ein Freundschaftsspiel gegen St Helens Town. Das finanziell beste Angebot legte der FC Burnley vor. Trautmann unterschrieb im Oktober 1949 trotzdem bei City: