An diesem Tag

Berry Gordy

US-amerikanischer Produzent

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Berry Gordy Jr. (* 28. November 1929 in Detroit) ist ein US-amerikanischer Songwriter, Musikproduzent und Unternehmer. Er gründete 1959 die Soul-Label Tamla Records und Motown Record, aus denen der Schallplattenkonzern Motown hervorging.

Berry Gordy war eines von acht Kindern von Berry Gordy sr. und Bertha Fuller. Er ist entfernt verwandt mit Jimmy Carter, denn in dem Pflanzer James Thomas Gordy haben sie einen gemeinsamen Urgroßvater. Berry Gordy jr. trug zwischen dem Dezember 1947 und Januar 1950 insgesamt 17 Boxkämpfe im Federgewicht aus (zwölf gewonnen, drei verloren, zwei unentschieden). 1951 wurde er zur Armee eingezogen, wo er seinen Schulabschluss, den G.E.D. nachholte. Nach seiner Entlassung eröffnete er 1953 den Schallplattenladen 3-D Record Mart mit Jazzplatten, der kurz darauf in die Insolvenz ging. Im selben Jahr heiratete er Thelma Coleman. Ab 1955 arbeitete er zwei Jahre für 85 US-Dollar pro Woche am Fließband bei der Ford Motor Company. Dort baute er Polstersitze in die Lincoln-Modelle ein; in seiner Freizeit schrieb er Popsongs.

Seine erste Komposition Reet Petite konnte er im August 1957 für 1000 US-Dollar an Decca Records verkaufen; sie erreichte mit Sänger Jackie Wilson im September 1957 Rang 62 der US-Pop-Hitparade und Rang sechs der britischen Charts. Gordy schrieb für Wilson vier weitere aufeinander folgende Hits. To Be Loved erreichte im April 1958 Rang 22 der Popcharts und kletterte auf Platz sieben der Rhythm-and-Blues-Hitparade. Mit Lonely Teardrops gelang Gordy und Wilson der Durchbruch, als der Song nach Veröffentlichung im November 1958 den ersten Rang der R&B-Charts und Platz sieben der Popcharts erreichte. Es folgten That’s Why (I Love You So) (April 1959; Rang zwei R&B) und I’ll Be Satisfied (Juni 1959; Rang sechs R&B). Trotz der Erfolge seiner Kompositionen flossen Tantiemen spärlich. 1959 ließ Gordy sich scheiden und heiratete die ausgebildete Musikerin Raynoma Liles. Sie riet ihm, die Verantwortung für eine Komposition bis zu ihrer Musikproduktion selbst zu übernehmen.

Mit von seiner Familie geliehenen 800 US-Dollar – Geld aus seiner Ausbildungsversicherung – gründete Gordy 29-jährig im Jahr 1959 in Detroit zwei R&B-Plattenfirmen, Tamla Records (12. Januar 1959) und Motown Records. Damit konnte er die damals üblichen Strafzahlungen vermeiden, die beim Verdacht von Schmiergeldzahlungen fällig wurden, wenn im Radio zu viele Songs von nur einem Label gespielt wurden.

Erster Sänger bei Tamla Records wurde Marv Johnson, für den Gordy Come to Me schrieb, das im Januar 1959 in sieben Takes im United Sound Studio entstand und am 21. Februar 1959 veröffentlicht wurde (Tamla #101). In Barrett Strong fand er einen weiteren Sänger, für den er im Juli 1959 den Titel Money (That’s What I Want) schrieb. Zunächst wurde er im August 1959 bei Tamla Records (# 54027) veröffentlicht. Nach dem Airplay durch den Disc-Jockey Larry Dixon vom Detroiter Radiosender WCHB stellte sich jedoch eine so große Nachfrage ein, dass Gordy die Rechte an seine Schwester Gwen Gordy und deren Label Anna Records lizenzierte.

Das Label Anna Records verfügte über ein besseres Vertriebssystem und brachte die Single am 10. Dezember 1959 (Anna 1111) erneut auf den Markt. Nach einer Anzeigenschaltung im Billboard-Magazin ab 4. Januar 1960 gelangte die Single am 25. Januar 1960 in die Rhythm-&-Blues-Hitparade, wo sie bis auf Rang zwei vordrang; in den Pop-Charts erreichte sie Rang 23. Nun flossen die Einnahmen schneller, so dass er am 2. August 1959 für 10.500 US-Dollar in Detroit ein Einfamilienhaus erwerben konnte. Darin errichtete er ein kleines Tonstudio, die Motown Recording Studios (Detroit). Am 14. April 1960 wurden die beiden Firmen Tamla und Motown zur neuen Firma Motown Record Corporation zusammengelegt.

Erster Millionenseller war das von Gordy und Smokey Robinson für die Miracles verfasste Shop Around (Tamla 54034), das nach Veröffentlichung am 20. September 1960 Platz eins der R&B- und Platz zwei der Popcharts erreichen konnte. Bei diesem Hit wurden die Miracles von labeleigenen Studiomusikern begleitet, die sich als Funk Brothers einen Namen machten. Gordy komplettierte diese Musiker nach dem Hit Money (That’s What I Want), wo bereits zwei künftige Funk Brothers anwesend waren. Sie spielten auch beim nächsten Millionenseller, dem im August 1961 von den Marvelettes veröffentlichten Please Mr. Postman, die Gordy entdeckt hatte. Gordy war der Komponist des The-Contours-Hits Do You Love Me, der im Juni 1962 auf den Markt kam.

Ab 1964 stellten sich Millionenseller bei Motown in einer Intensität ein, wie es sie zuvor bei keinem Plattenlabel gegeben hatte. Dadurch gelang es nur Motown, der British Invasion erfolgreiche amerikanische Musikproduktionen entgegenzustellen. Die Supremes konnten anfangs gleich drei Singles mit Millionenseller-Status vorweisen, nämlich Baby Love mit 3,496 Millionen (aufgenommen am 13. August 1964), Where Did Our Love Go (2,72 Millionen; 8. April 1964) und Come See About Me (1,87 Millionen; 13. Juli 1964). Gleichzeitig wurden zwei Supremes-LPs mehrfach vergoldet (Supremes A Go-Go mit 3,469 Millionen und Where Did Our Love Go mit 3,225 Millionen). Mary Wells hatte mit My Guy (3. März 1964), die Temptations mit My Girl (17. November 1964; 1 Million) und die Four Tops mit I Can't Help Myself (9. April 1965; 2,5 Millionen) weitere herausragende Bestseller.

Das acht Zimmer umfassende Wohnhaus nutzte Gordy fortan als Konzernzentrale des Tamla Motown-Konzerns – sichtbar durch das am Haus angebrachte Schild „Hitsville U. S. A.“. Der Motown-Konzern entstand am 14. April 1960 durch Verschmelzung der Labels Tamla und Motown Records, weitere Firmen und Sublabels kamen im Laufe der Zeit hinzu. Gordy fand Autoren- und Produzententeams wie Holland–Dozier–Holland, Ashford/Simpson oder Whitfield/Strong, die zusammen mit den Funk Brothers den – allerdings nicht homogenen – Motown-Sound entwickelten. Durch den Einbau von Geigen- und Bläsersektionen gelang es, den Sound vom reinen Rhythm & Blues weiterzuentwickeln, was ein Crossover in die Pop-Hitparaden ermöglichte. Dies wiederum erschloss weiße kaufkräftigere Bevölkerungsschichten und bescherte dem Konzern höhere Verkaufszahlen. Gordy kaufte expansionsbedingt im April 1961 die Nachbargebäude 2244-2246 West Grand, im Januar 1962 wurde West Grand Blvd. 2650-2652 erworben.

Ganz im Sinne seines ehemaligen Arbeitgebers Ford versuchte Gordy analog zum Fordismus die Wertschöpfungskette möglichst im Konzern zu halten (konzerneigene Studioband, Studiotechniker, Komponisten, Musikproduzenten, Musikverlage, Talentmanagement für Interpreten). Bei den Musikaufnahmen führte er eine Qualitätskontrolle wie in der nahen Ford-Autofabrik ein, indem die pro Woche produzierten Aufnahmen einem Managerteam vorgeführt und von diesem begutachtet wurden. So verließ trotz Massenproduktion kein Musikstück vor Veröffentlichung den Konzern; das wurde zum Vorbild in der Musikindustrie. Von den 25 Tophits des Jahres 1965 in den USA stammten 10 von Motown, zwischen 1964 und 1967 gab es 14 Top-1-Hits von Motown.

Im September 1966 erwarb Gordy für eine Million US-Dollar den örtlichen Konkurrenten Golden World/Ric-Tic Records nebst Repertoire (wie Edwin Starr) und Tonstudio. Weitere Expansion machte 1968 den Umzug der Motown Corporation in das 10-stöckige Bürogebäude „Donovan Building“ in Detroit (2457 Woodward Avenue) erforderlich.

Genau in jenem Jahr begann am 29. August 1968 der Rechtsstreit des Konzerns gegen das erfolgreichste Autoren- und Produzententeam Holland/Dozier/Holland, das zwischen 1963 und 1968 für 39 der insgesamt 91 US-Top-20-Notierungen des Motown-Konzerns (also 42 %) verantwortlich war. Noch deutlicher fiel deren Bilanz aus, wenn man die 17 Tophits des Konzerns in diesem Zeitraum untersucht. Hiervon waren gar zwölf (oder 70 %) für HDH (oder mindestens einem Teammitglied) urheberrechtlich registriert. Insgesamt waren HDH für 70 Top-10-Hits und 50 Tophits verantwortlich. Unter diesen Tophits befanden sich 13 aufeinanderfolgende Tophits. Der sonst bei der Veröffentlichung von Zahlen so zurückhaltende Motown-Konzern musste während des Prozesses offenlegen, dass HDH zwischen Januar 1965 und Juni 1968 Tantiemen in Höhe von 2,2 Millionen US-Dollar erhalten hatten. Darauf reagierte HDH im Dezember 1968 mit einer Gegenklage wegen Betruges und arglistiger Täuschung über 22 Millionen US-Dollar, weil der konzerneigene Musikverlag Jobete nach Auffassung der Komponisten über die genannte Summe keine hinreichende Rechenschaft über zu zahlende Royaltys abgelegt haben soll. Am 3. Januar 1972 wurden die gegenseitigen Klagen durch einen außergerichtlichen Vergleich – mit gegenseitiger Geheimhaltungspflicht – beigelegt.

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