Bernhard Paul (* 20. Mai 1947 in Lilienfeld) ist ein österreichischer Zirkusdirektor, Regisseur und Clown. Er gründete 1975 zusammen mit André Heller den Circus Roncalli.
Paul wurde 1947 als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren und wuchs in Wilhelmsburg in Niederösterreich auf. Nach Volks- und Hauptschule bot es sich an, später eine Hoch- und Tiefbau-Ausbildung anzustreben, mit dem Ziel, in die Baufirma eines kinderlosen Onkels einzutreten. Da seine Begabungen nicht in diesem Fach lagen, wechselte er auf die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Dort waren Josef Bramer, Manfred Deix und Gottfried Helnwein seine Mitschüler. Durch Vermittlung seines WG-Mitbewohners Manfred Deix wurde er Mitarbeiter des österreichischen Nachrichtenmagazins profil und stieg dann dort zum Art Director auf. Danach arbeitete er bei einer internationalen Werbeagentur.
Seit 1990 ist Paul mit der Artistin Eliana Larible verheiratet, die aus einer italienischen Zirkusdynastie stammt. Mit ihr hat er zwei Töchter und einen Sohn, die 2013 im Tourneeprogramm Time is Honey erstmals gemeinsam als die Rollschuhakrobaten Les Pauls auftraten.
Adrian spielt im Zirkusorchester Gitarre, Vivian studiert im Fernstudium Marketing und Marktforschung, Lili zeigt Kontorsionsakrobatik als sogenannte „Schlangenfrau“. Alle Kinder wollen später den Zirkus von ihrem Vater übernehmen und gemeinsam weiterführen. Elianas Bruder David Larible tritt immer wieder im Circus Roncalli auf.
Paul wohnt – wenn er mit seiner Familie nicht im Zirkuswagen unterwegs ist – in Köln, auf Mallorca und in Wien.
Paul wollte bereits als kleiner Junge zum Zirkus. Nach mehreren erfolgreichen Berufsjahren verwirklichte er 1975 seinen Traum und gründete gemeinsam mit André Heller den Circus Roncalli. Bereits nach wenigen Wochen stritten sich Heller und Paul über Bühnenbilder und Dompteurnummern. Schließlich verließ Heller das gemeinsame Unternehmen und nahm dabei 42 Artisten mit. Paul improvisierte mit Studenten und Ersatz-Artisten. Heller gab das Zirkusprojekt erst nach einem mehrjährigen Rechtsstreit auf und ließ Paul mit mehreren Millionen Schilling Schulden zurück. Nach Aussage von Paul gab es zu jener Zeit, als es scheinbar „nicht mehr ging“, Menschen, die ihm halfen, diese Zeit zu überstehen. Ab 1978 bereitete er eine Neugründung des Zirkus in der Kölner Südstadt vor. Die Premiere fand am 4. Juni 1980 in Köln statt. Paul trat oft selbst in der Manege auf und verkörperte als „Zippo“ die Clownfigur des dummen August. Nach einer Wiederannäherung, bei der Heller „die Größe [hatte], seine Schuld zuzugeben“, kam es 1992 erneut zu einer Zusammenarbeit mit der Wiedereröffnung des Berliner Varieté-Theaters Wintergarten. Er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Zirkus in Deutschland nicht mehr als Gewerbe, sondern als Theater eingestuft wird.
Paul bewahrt in seinen Hallen in Köln unter anderem eine der größten Sammlungen von Zirkusgegenständen in Europa auf. Dazu zählen viele alte Kostüme, Tausende von Büchern über den Zirkus, Plakate und viele andere originale Exponate. Er sammelt auch Möbel und Einrichtungsgegenstände historischer Gaststätten und Kaffeehäuser. Zu seinen Sammlungen gehören:
Plakatsammlung mit mehr als 10.000 Lithos
Sammlung von Alltagskultur der Jahrhundertwende
40 komplette Kaufmannsläden mit Waren und Fassaden (vom Tante-Emma-Laden bis zum Friseur)
alte Schaustellergeschäfte vom Karussell bis zur Schiffsschaukel
alte Kutschen, Verkaufswagen und vieles mehr
Wiener Stadthalle: Zirkusshow Artisten, Tiere und Attraktionen (Programm und Regie)
Freie Volksbühne Berlin: Clowns I (Zweistundenprogramm)
Ronacher Wien: Clowns II (Zweistundenprogramm)
Programm- und Regiearbeiten für die beiden Varietés Friedrichsbau in Stuttgart und Wintergarten in Berlin
Alte Oper Frankfurt: Sommernachtstraum
Gründer und alleiniger Betreiber des Apollo Varieté in Düsseldorf (erster Neubau eines Varietétheaters nach dem Zweiten Weltkrieg)