Bernhard Heiliger (* 11. November 1915 in Stettin; † 25. Oktober 1995 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer und lehrte von 1947 bis 1986 als Professor für Plastik.
Bernhard Heiliger war das vierte Kind des Berliner Kaufmanns Hermann Heiliger und dessen Ehefrau Anna Helene Heiliger, geborene Gensen. 1911 war die Familie von Berlin nach Stettin übergesiedelt, wo sich der Vater als Stoff- und Tuchhändler niederließ. Die drei älteren Schwestern Hildegard, Hertha und Lieselotte wurden noch in Berlin geboren.
Heiliger besuchte ab 1921 die Barnim-Mittelschule in Stettin, die er nach der neunten Klasse verließ. Von 1930 bis 1933 absolvierte er eine Steinbildhauer-Lehre und erhielt anschließend von 1933 bis 1936 eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Stettin (ehemals „Werkschule für gestaltende Arbeit“) bei dem Bauhaus-Schüler Kurt Schwerdtfeger. Danach studierte Heiliger von 1938 bis 1941 an der Kunstakademie Berlin, wo er in der Klasse von Arno Breker war.
Während des Studiums pflegte Heiliger Kontakte zu Richard Scheibe und Wilhelm Gerstel. Im Frühjahr 1939 hielt er sich für zwei Wochen in Paris auf, wo er mit Werken Moderner Kunst in Kontakt kam, die in Deutschland schon längst aus den Sammlungen verschwunden waren. Seine dortigen Eindrücke beschrieb er stets als prägend; er traf Aristide Maillol und Charles Despiau und studierte unter anderem Arbeiten von Auguste Rodin, Constantin Brâncuși oder Hans Arp.
Nach seiner Rückkehr heiratete er die Kunststudentin Ruth Maria Linde (1916–1996), die ein Kind von ihm erwartete und kurz darauf ihre Tochter Jutta zur Welt brachte. Im Mai 1941 folgte ihr Sohn Stefan Heiliger (Möbeldesigner) und 1942 die Tochter Anita (Sozialwissenschaftlerin) als jüngstes Kind.
Von 1940 bis 1945 leistete Heiliger Wehrdienst. 1941 kurz nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges in die Wehrmacht eingezogen, kam Heiliger als Funker an die Ostfront. Durch Fürsprache Arno Brekers erlangte er jedoch 1943 eine Unabkömmlichstellung (sogenannte UK-Stellung) und konnte seine Arbeit in Wriezen in den Bildhauerwerkstätten Arno Brekers fortführen. Durch den als Volkssturm bezeichneten Erlass vom 25. September 1944 verlor Heiliger gleichwohl seine Protektion und wurde erneut einberufen. Er entzog sich durch Desertion und Flucht durch Norddeutschland, wo er sich unter anderem in St. Peter-Ording, Hamburg und Bad Schwartau aufhielt und das Kriegsende im Mai 1945, an Diphtherie erkrankt, in einem Bremer Lazarett erlebte.
Im November 1945 kehrte er nach Berlin zurück, wo er sich als freier Bildhauer niederließ. Ab 1946 hatte er erste Ausstellungen im Privathaus von Karl Buchholz und in der Galerie Gerd Rosen. Nach einem Lehrauftrag als Professor für Plastik an der Hochschule für angewandte Kunst Berlin-Weißensee von 1947 bis 1949 folgte Ende 1949 die Berufung als Professor an die Hochschule der Künste in Berlin-Charlottenburg durch Karl Hofer, wo er bis 1986 lehrte.
Als Wohn- und Schaffensort bezog Heiliger den Ostflügel des Ateliers am Käuzchensteig in Berlin-Dahlem, der für Arno Breker errichtet worden war. „Im Villenviertel Dahlem nimmt der junge Bildhauer 1949 sein eigenes Domizil in Beschlag, es ist das ehemalige, vom NS-Staat aufwendig ausgebaute Atelier seines früheren Lehrers Arno Breker,“ berichtete der Deutschlandfunk in einer Sendung zum 25. Todestag des Künstlers.
Erste internationale Anerkennung erhielt Heiliger für seinen Entwurf des Mahnmals des Unbekannten Politischen Gefangenen (1953), der mit dem Preis der Bundesregierung und dem Anerkennungspreis des Institute of Contemporary Arts, London, ausgezeichnet wurde. Es folgten prominente Ausstellungsbeteiligungen, so an der documenta I und der documenta II in Kassel (1955 und 1959) und der Biennale in Venedig (1956). Zu den Auftragswerken gehörte der 1957/58 entstandene monumentale Figurenbaum für den Deutschen Pavillon der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel. Auf dem Ernst-Reuter-Platz in Berlin wurde seine Plastik Die Flamme 1963 aufgestellt, am Reichstag Berlin die zweiteilige Hängeplastik Kosmos 70 und beim Bundespräsidialamt in Bonn die Plastik Montana.
Heiliger war von 1951 bis 1960 Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes.
Bernhard Heiliger starb Ende Oktober 1995, zwei Wochen vor seinem 80. Geburtstag, in Berlin. Die Beisetzung erfolgte auf dem dortigen Friedhof Dahlem. Die als Grabmarkierung dienende Plastik „Mutter Erde“ stammt von ihm selbst. Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Bernhard Heiliger (Grablage: 005 Nr. 15/16) seit 1997 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde im Jahr 2021 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.
1950: Kunstpreis der Stadt Berlin
1952: Kunstpreis der Stadt Köln
1953: Nationaler und Internationaler Preis des Institute of Contemporary Art (London)
1955: ordentliches Mitglied der Akademie der Künste, Berlin
1956: Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1974: Großes Bundesverdienstkreuz
1978: Mitglied der Accademia Fiorentina (Florenz)