An diesem Tag

Bernd Rosemeyer

Deutscher Automobilrennfahrer aus der Zeit des Nationalsozialismus

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Bernd Rosemeyer (* 14. Oktober 1909 in Lingen (Ems); † 28. Januar 1938 auf der Reichsautobahn Frankfurt–Darmstadt bei Mörfelden-Walldorf) war ein deutscher Motorrad- und Automobilrennfahrer. Er wurde 1936 Grand-Prix-Europameister und war in der Zeit des Nationalsozialismus einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Rennfahrer.

Bernd Rosemeyer kam als drittes von vier Kindern des Mechanikermeisters Wilhelm Rosemeyer (1876–1956) und dessen Ehefrau Louise Rosemeyer, geb. Funke (1883–1937), zur Welt. Sein älterer Bruder Josef, genannt Job, wurde 1907 († 1937) geboren. Außerdem hatte er zwei Schwestern, Helena, genannt Leni (1908–1961), und Maria (1913–1977). Die Familie wohnte über der vom Großvater Bernhard Rosemeyer gegründeten Reparaturwerkstatt Rosemeyer & Co für Motorräder in der Bahnhofstraße 14 in Lingen. Sein Vater erweiterte den Betrieb noch vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs um einen Autohandel. Bernd Rosemeyer wuchs in einem katholischen Elternhaus auf, das dem technischen Fortschritt aufgeschlossen und weltoffen gegenüberstand. Sein Onkel Josef Rosemeyer nahm 1896 als Radrennfahrer an den Olympischen Spielen in Athen teil, der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning war ein Cousin seines Vaters.

Bernd Rosemeyer war ein ungestümer Jugendlicher. Im Alter von 11 Jahren „lieh“ er sich den Adler-Straßenwagen seines Vaters und fuhr mit vier Schulkameraden ins zwanzig Kilometer entfernte Nordhorn. Dort nahm die Ortsgendarmerie die fünf fest und brachte sie nach Hause zurück. Nach dem Besuch der Kastell-Volksschule in seiner Heimatstadt machte er eine Lehre zum Mechaniker in der Werkstatt seines Vaters. Schon vor der Lehre ließ ihn sein Vater Hilfsmotoren reparieren. Mit dem Erlös durfte sich der 13-Jährige ein von Hans Grade konstruiertes Motorrad kaufen, mit dem er im Werkstatthof Fahrkunststücke vorführte und auf der Strecke Lingen–Hanekenfähr erste „Geschwindigkeitsprüfungen“ versuchte. Mit 16 Jahren machte er den Führerschein für alle Klassen und kaufte sich mit gespartem Geld sein erstes DKW-Motorrad, das er 1926 durch eine BMW R 32 ersetzte, mit der er erste Rennen bestritt.

1929 rächte sich die beständige ungestüme Fahrweise auf öffentlichen Straßen. Zu den wiederholten Geschwindigkeitsübertretungen kamen Beschwerden von Anrainern über das zu laute Motorrad. Daraufhin entzog ihm die Behörde wegen der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ für einen Monat den Führerschein.

Bernd Rosemeyer war ab dem 13. Juli 1936 mit Elly Beinhorn (1907–2007), einer berühmten und erfolgreichen Fliegerin, verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn – Bernd Rosemeyer junior (1937–2020), Facharzt für Orthopädie, Sportmediziner und Außerordlicher Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der unter anderem den ADAC verkehrsmedizinisch beriet. Mit dessen Sohn, Bernd Rosemeyer III, schloss sich ein Kreis zum Großvater. Bernd Rosemeyer war während seiner aktiven Zeit Werksfahrer der Auto Union AG und sein Enkel jahrelang bei der Audi AG beschäftigt, dem Nachfolgeunternehmen der Auto Union GmbH.

Motorradrennfahrer bei NSU und DKW

Gemeinsam mit seinem Bruder Job fuhr Bernd Rosemeyer Ende der 1920er-Jahre mit einer 500-cm³-BMW R 37 Motorradrennen im kleinen regionalen Rahmen. Erfolge fuhren die Brüder keine ein, in den Rennpausen brillierten sie jedoch mit ihren Kunststücken. Bewegung in die Karriere brachte der Zündapp-Generalvertreter Georg Schwarting. Schwarting, ein Freund Wilhelm Rosemeyers, beklagte bei einem Werkstattbesuch den Ausfall seines besten Grasbahnfahrers. Bernd Rosemeyer führte seine Kunststücke vor und Schwarting engagierte ihn für ein Rennen in Oldenburg. Vor 20.000 Zuschauern gewann er auf Zündapp-Rennmotorrädern mit mehreren Runden Vorsprung sowohl die 300- als auch die 500-cm³-Klasse.

Trotz seiner elf Siege 1931 bei Grasbahnrennen und den zweiten Rängen beim Eifelrennen und dem Hohnstein-Bergrennen blieb Rosemeyer bis zum Ende des Jahres 1932 Ausweisfahrer. Lizenz- und Werksfahrer wurde er im Mai 1933, als er in der NSU-Werksmannschaft Aufnahme fand. Sein erster Erfolg als Lizenzfahrer war im August der Sieg beim 3. Internationalen Motorradrennen um die deutsche Klubmeisterschaft auf dem im Jahr davor eröffneten Hockenheimring. Es folgten Siege beim Guggenbergrennen, dem Kilometerrennen in Tát und dem Gödöllő-Bergrennen.

Eines der bekanntesten deutschen Motorradrennen der frühen 1930er-Jahre war die Veranstaltung auf dem Schleizer Dreieck, einer temporären Strecke in Thüringen, wo er mit seiner 1000-cm³-NSU mit 100,04 km/h einen neuen Klassenrekord aufstellte. Dieser Erfolg brachte ihm nicht nur erste ausführlichere Berichte in den Printmedien, sondern vor allem den Kontakt mit den Verantwortlichen der DKW-Rennabteilung in Zschopau. Bernd Rosemeyer bekam einen Werksvertrag an der Seite des etablierten Arthur Geiss. Sein Stundenlohn betrug 1 Reichsmark.

Mit dem Aufstieg zum DKW-Werksfahrer stieg auch der Erfolgsdruck. Nach anfänglichen Rückschlägen wegen schadhafter Rennreifen und einer Blinddarmentzündung gewann Rosemeyer 1934 das Gabelbachrennen, das Marienberger Dreieckrennen und zum dritten Mal auf dem Schleizer Dreieck. Dazu kamen unter anderem zweite Ränge in der 500-cm³-Klasse auf dem Klausenpass und beim Großen Bergpreis von Deutschland. 1934 fand die 1913 erstmals ausgefahrene Internationale Sechstagefahrt für Motorräder rund um Garmisch-Partenkirchen statt. Neben der Trophy und der Silbervase vergab das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps auch einmalig den Goldenen Mannschaftspreis, den Rosemeyer gemeinsam mit Ewald Kluge und Franz Ischinger für DKW einfuhr.

Grand-Prix-Pilot bei der Auto Union AG

Rosemeyers Wunsch, bei der Auto Union AG vom Motorrad- zum Automobilsport zu wechseln, scheiterte anfangs am Widerstand von Rennleiter Willy Walb, der seinen erfolgreichen Motorradfahrer nicht verlieren wollte. Eine Ausnahme war die Teilnahme an den 2000 km durch Deutschland. Diese Zuverlässigkeitsfahrt, die als deutsches Gegenstück zur italienischen Mille Miglia gedacht war, aber nur zweimal ausgetragen wurde, führte 1934 von Baden-Baden auf einem Rundkurs von etwa 2000 Kilometern über München, Sachsen, Berlin, das Ruhrgebiet, Köln und die Pfalz zurück zum Ausgangsort Baden-Baden. Rosemeyer fuhr mit seinem Beifahrer einen Wanderer W 22 Coupé und erhielt für die Einhaltung der Sollzeit die Goldene Medaille.

1934 hieß es im NS-Staat: „Deutsche Fahrer siegen in deutschen Rennwagen.“ Adolf Hitler setzte sich persönlich dafür ein, dass der Rennbetrieb der Automobilhersteller mit mehreren 100.000 Reichsmark unterstützt wurde. Um Fahrer zu finden, luden sowohl die Daimler-Benz AG als auch die Auto Union AG regelmäßig talentierten Nachwuchs zu Probefahrten auf den Nürburgring ein. Bernd Rosemeyer hatte bei Richard Voelter, dem Werkssport- und Pressechef der Auto Union AG, mehrmals vorgesprochen, um eine Teilnahme zu erreichen, woraufhin er im Herbst 1934 zu einer Testfahrt eingeladen wurde. Mit dabei waren unter anderem auch Hans Simonis und Paul Pietsch. Rosemeyer erhielt einen Nachwuchsfahrervertrag, der ihm mindestens einen Renneinsatz bei einem Grand-Prix-Rennen 1935 sicherte.

Bei der Auto Union AG herrschte vor dem Beginn der Grand-Prix-Europameisterschaft 1935 Optimismus. Die Heckmotor-Grand-Prix-Rennwagen mit der Typenbezeichnung T22 (später Typ A genannt) hatten 1934 erfolgreich debütiert. Der Sieg von Hans Stuck beim prestigeträchtigen Großen Preis von Deutschland galt als Meilenstein in der Geschichte der Auto Union AG. An den noch vorhandenen Schwachstellen der Wagen, dazu zählten die beständig überhitzten Motorräume, hatten die Techniker in den Wintermonaten intensiv gearbeitet. Auf der Fahrerseite beabsichtigte Rennleiter Willy Walb die Verpflichtung von Tazio Nuvolari, den er mehrmals in Italien zu Vertragsverhandlungen traf. Die Verpflichtung Nuvolaris scheiterte vor allem am Widerstand Hans Stucks, der Anteile an der von Ferdinand Porsche und Adolf Rosenberger 1932 gegründeten Hochleistungsfahrzeugbau GmbH hielt und über einigen Einfluss in der Führungsetage der Auto Union AG verfügte. Stuck fürchtete um seinen Status als Nummer-1-Fahrer, konnte Walbs neue Wahl, den nicht minder populären und im Grand-Prix-Sport erfolgreichen Achille Varzi jedoch nicht mehr verhindern.

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