An diesem Tag

Bernd Drücke

Deutscher Soziologe

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Bernd Drücke (* 24. Dezember 1965 in Unna) ist ein deutscher Soziologe. Er ist als Koordinationsredakteur der anarchopazifistischen Zeitschrift Graswurzelrevolution tätig.

Anfang der 1980er Jahre begann Drücke an Demonstrationen unter anderem der Friedensbewegung teilzunehmen. Er engagierte sich als Schüler in „Dritte Welt“-, Theater- und Friedensgruppen, sowie als Jahrgangsstufensprecher, Schülervertreter und Schülerzeitungsredakteur. Nachdem er 1986 das Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium Unna abgelegt hatte, zog er nach Münster und studierte dort Soziologie, Politikwissenschaft und Pädagogik. Er wurde auf die Zeitschrift Graswurzelrevolution aufmerksam und las sie regelmäßig. Im November 1987 stand er als Aktivist einer Volkszählungsboykott-Initiative vor Gericht. Er war Produzent und Mitherausgeber verschiedener Alternativzeitschriften und des Atomkraft-Nein!-Kalenders, Fachschaftsmitglied, von 1989 bis 1992 aktiv in der Anti-Atomkraft-Initiative WigA (Widerstand gegen Atomanlagen), 1992 Mitgründer des Infoladens "Bankrott", 1995 Gründer einer Initiative für eine Freie Kinderschule in Münster, 2004 Mitgründer des Münsteraner Umweltzentrum-Archiv e. V. und mehrere Jahre Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung preiswerten Wohnraums e. V. (VzEpW Münster).

Mit einer Dissertation über „Libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland“ promovierte Drücke 1998 bei Christian Sigrist an der Westfälischen Wilhelms-Universität summa cum laude zum Dr. phil. Drücke war bis 2003 Lehrbeauftragter an der Uni Münster. Seit November 1998 ist er für die Graswurzelrevolution verantwortlich im Sinne des Presserechts. 2007 war er als Mitglied des Umweltzentrum-Archiv-Vereins gemeinsam mit der Künstlerin Silke Wagner Realisator des Projekts Münsters Geschichte von unten im Rahmen der „Skulptur.Projekte Münster 07“. Als Sprecher des „Freundeskreis Paul Wulf“ setzte er sich ab 2007 erfolgreich unter anderem für den Erhalt der von Silke Wagner und ihm entwickelten Paul Wulf-Skulptur und für die Umbenennung des nach einem NS-Arzt benannten Jöttenwegs in Paul-Wulf-Weg ein. Seit 2013 erinnert ein zuvor ebenfalls von Drücke beantragtes Schild am Paul-Wulf-Weg sowohl an den NS-Eugeniker Karl Wilhelm Jötten als auch an den 1938 von den Nazis zwangssterilisierten Anarchisten Paul Wulf. Als Erinnerungspate berichtet Drücke regelmäßig in Schulen und anderen öffentlichen Institutionen über das Leben und Wirken des NS-Opfers Paul Wulf.

Zusammen mit Winfried Bettner von der Filmwerkstatt Münster und der Künstlerin Isabel Lipthay nominierte Bernd Drücke 2012 den Filmemacher Peter Lilienthal für die Carl-von-Ossietzky-Medaille und moderierte die Medaillenverleihung in Berlin. Er ist als Autor und freiberuflicher Journalist tätig. Bernd Drücke hat zwei Kinder, lebt seit 1991 mit seiner Lebensgefährtin und 60 Menschen in dem alternativen, selbstverwalteten Wohnprojekt Breul-Tibusstraße in Münster und arbeitete dort beim „Umweltzentrum Archiv“.

Von Januar 2021 bis Ende 2022 war er als wissenschaftlicher Leiter beim Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg tätig. Seit Anfang 2023 arbeitet er wieder als Koordinationsredakteur der Graswurzelrevolution.

Drücke bezog sich früh auf Martin Luther King, Henry David Thoreau, Kurt Tucholsky, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Gernot Jochheim und den libertären Antimilitaristen Ernst Friedrich. Drücke lehnt Gewalt gegen Personen, auch als indirekte Folge von Sabotageaktionen, strikt ab.

Er stimmt mit der ursprünglichen Richtung der Zeitschrift überein, deren Intention er mit der Äußerung beschreibt, „dass der Anarchismus gewaltfrei und die gewaltfreie Bewegung anarchistisch werden sollte. Die Zeitung war damals wie heute auch ein Sprachrohr antimilitaristischer Bewegungen und totaler Kriegsdienstverweigerer, die den Kriegsdienst, den Zivildienst und alle anderen Zwangsdienste ablehnen.“ Drückes Anliegen ist es, an libertär-sozialistische Theoretiker zu erinnern.

Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland. Klemm und Oelschläger, Ulm 1998, ISBN 3-932577-05-1.

Serxwebun! Gesellschaft, Kultur und Geschichte Kurdistans. Edition Blackbox, Bielefeld 1998, DNB 1044346825.

mit Thomas Oelschläger, Kerstin Enning: Ahaus. Das Buch zum Castor. Klemm und Oelschläger, Ulm 2000, ISBN 3-932577-16-7.

mit Luz Kerkeling und Martin Baxmeyer: Abel Paz und die Spanische Revolution. Verlag Edition AV, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-936049-33-5.

Ja! Anarchismus! Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. 20 Interviews und Gespräche. Karin Kramer, Berlin 2006, ISBN 3-87956-307-1.

mit Freundeskreis Paul Wulf: Lebensunwert? Paul Wulf und Paul Brune. NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand. Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2007, ISBN 978-3-939045-05-2.

Anarchismus Hoch 2. Soziale Bewegung, Utopie, Realität, Zukunft. Karin Kramer, Berlin 2014, ISBN 978-3-87956-375-3.

Anarchismus Hoch 3. Utopie, Theorie, Praxis. Unrast-Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-219-5.

Ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. Interviews und Gespräche, ergänzte und aktualisierte zweite Auflage, Unrast-Verlag, Münster 2018, ISBN 978-3-89771-256-0.

mit Freundeskreis Paul Wulf: Ich lehre euch Gedächtnis. Paul Wulf: NS-Opfer – Antifaschist – Aufklärer. Unrast-Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-89771-087-0.

Die Kriegslogik durchbrechen! Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg. Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-939045-59-5 (Geleitwort Moshe Zuckermann).

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