Bernard Nieuwentijt (* 10. August 1654 in West-Graftdijk; † 30. Mai 1718 in Purmerend) war ein niederländischer Philosoph und Mathematiker.
Bernard Nieuwentijt war ein Sohn des Predigers Emmanuel Nieuwentijt und dessen Frau Sara d’Imblevilie.
Am 28. Februar 1673 immatrikulierte er sich an der Universität Leiden um Medizin zu studieren. Johannes Swartenhengst (1644–1711) gehörte dort zu seinen Lehrern. Unter dem Vorsitz von Burchard de Volder verteidigte er dort am 25. März 1673 die philosophische Disputation De unitate Dei (‚Über die Einheit Gottes‘). Wegen ungebührlichen Verhaltens wurde Nieuwentijt im Dezember 1675 von der Universität Leiden verwiesen. Im Januar 1676 schrieb er sich an der Universität Utrecht ein. Einen Monat später verteidigte er dort seine medizinische Dissertation De obstructionibus (‚Über Verstopfungen‘). Anschließend ließ er sich als Arzt in seinem Geburtsort West-Graftdijk nieder. Außerdem war er mehrfach Bürgermeister von Purmerend.
1695 veröffentlichte er mit Analysis infinitorum die erste elementare Einführung in die Analysis, wobei er systematisch Autoren wie Jan Hudde, John Wallis und Isaac Barrow behandelt, aber die Arbeiten von Leibniz damals noch nicht gekannt zu haben scheint. Bald darauf entspann sich ein Streit mit Leibniz und Johann I Bernoulli, in dem er aber unterlag. Er kritisiert, unter anderem, auch die Verwendung von unendlich kleinen Größen wie Isaac Newton sie vorgeschlagen hat und die Einführung von höheren Differentialen von Gottfried Wilhelm Leibniz.
Die Werke Het regt gebruik der wereltbeschouwingen, ter overtuiginge van ongodisten en ongelovigen (1715) und Gronden van zekerheid (1720) waren im 18. Jahrhundert sehr einflussreich für die Philosophie der Naturwissenschaften bzw. Mathematik.
Nieuwentijt versuchte die Existenz des Göttlichen durch die teleologische Beweisführung zu erreichen. Heftig kritisierte er den Rationalismus und Spinozismus mit wissenschaftsbezogenen methodologischen Argumenten. Seine Ideen beruhen darauf, dass Naturgesetze eine kontingente Geltung haben, d. h., sie sind zwischen einer idealen Wahrheit (die stets hypothetisch bzw. voraussetzungsabhängig ist) und erfahrungsabhängigen Tatsachenwahrheiten verortet.
Disputatio philosophica, de unitate Dei. Leiden 1673
Disputatio medica inauguralis de obstructionibus. Utrecht 1676.
Considerationes circa analyseos ad quantitates infinite parvae applicatae principiae, & calculi differentialis usum in resolvendis problematibus geometricis. Wolters, Amsterdam 1694 (Digitalisat).
Analysis infinitorum, Seu curvilineorum proprietates ex polygonorum natura deductae. Wolters, Amsterdam 1695 (Digitalisat).
Considerationes secundae circa calculi differentialis principia; et responsio ad virum nobilissimum G. G. Leibnitium. Wolters, Amsterdam 1696 (Digitalisat).
Het regt gebruik der wereltbeschouwingen, ter overtuiginge van ongodisten en ongelovigen. J. Wolters, en J. Pauli, Amsterdam 1715 (Digitalisat).
2. Auflage, J. Wolters, en J. Pauli, Amsterdam 1717 (Digitalisat).
3. Auflage, Joannes Pauli, Amsterdam 1720 (Digitalisat).
4. Auflage, Joannes Pauli, Amsterdam 1725 (Digitalisat).
5. Auflage, Joannes Pauli, Amsterdam 1730 (Digitalisat).
6. Auflage, Joannes Pauli, Amsterdam 1740 (Digitalisat).
7. Auflage, Adrianus Douci, Amsterdam 1759 (Digitalisat).