Bernadette Feuerstein (* 1959 in Wien; † 28. Juli 2026 in Wien) war eine österreichische Behindertenaktivistin, Ministerialrätin und Hofrätin.
Bei Bernadette Feuerstein wurde 1963 eine progressive spinale Muskelatrophie (SMA) diagnostiziert, seit 1966 war sie Rollstuhlfahrerin.
Feuerstein besuchte den Regelkindergarten, die reguläre Volksschule und maturierte 1978. Sie studierte an der Universität Wien Soziologie und schrieb 1990 ihre Diplomarbeit über behinderte Studierende. Ab 1991 war sie Mitarbeiterin in der Konsumentenschutzsektion im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Ab 2002 war sie Mutter einer Tochter; den Alltag organisierte sie mit Unterstützung von persönlichem Assistenzpersonal und lebte zusammen mit ihrem Partner.
Ab 1981 widmete sich Feuerstein behindertenpolitischen Aktivitäten. So war sie beispielsweise Mitbegründerin des Behindertenberatungszentrums „BIZEPS“ und Leiterin der Arbeitsgruppe „Kultur ohne Barrieren“. Von 1995 bis 1996 arbeitete sie im EU-Projekt „Helios“ mit. Der Kampf um Menschenrechte und die österreichweite Umsetzung gleicher Bürgerrechte für behinderte Menschen war ab 1997 ihr Arbeitsschwerpunkt. Sie war Präsidentin des Dachverbandes Selbstbestimmt Leben Österreich (SLIÖ), Obfrau der 2000 gegründeten Selbstbestimmt Leben Initiative Wien (SLI-Wien) und Mitbegründerin der Wiener Assistenzgenossenschaft (WAG). 1998 war sie zu Gast in Nora Freys ORF-Sendung Treffpunkt Wien zum Thema „Behindert in Wien“.
2003 präsentierte sie mit BlickBestimmung – Bilder selbstbestimmter Leben den ersten barrierefreien österreichischen Dokumentarfilm. Der Erfolg im deutschsprachigen Raum beruhte in diesem Filmwerk mit elf Porträts unterschiedlicher Personen vorwiegend auf der Sichtweise auf behinderte Menschen, die in diesem Dokumentarfilm umgedreht wird. Nicht über behinderte Menschen wurde dokumentiert, sondern jede der Personen zeigte uns hier einen Einblick in ihr Leben. Die Bedeutung als technisch-innovatives Produkt in der österreichischen Medienwelt wird dadurch bestätigt, dass es die erste österreichische Filmproduktion mit Audiodeskription (akustische Bildbeschreibung) im ORF und auf BR-alpha darstellte. Das Drehbuch für den Film schrieb auf ihre und Bernhard Hruskas Idee hin Erwin Riess, Regie führte Helmut Wimmer zusammen mit Hruska. Sein Kinodebüt hatte der Film am 30. November 2003 und wurde auf BR-alpha am 7. September 2004 erstmals im Fernsehen gezeigt. Der von der SLI produzierte Film ist auf DVD erhältlich.
Bernadette Feuerstein verstarb am 28. Juli 2026 in Wien.
2002 überreichte der Bürgermeister der Stadt Wien im Rathaus an Bernadette Feuerstein den „Preis der Menschlichkeit“ für das herausragende Engagement im Behindertenbereich. In ihrer Dankesrede widmete sie diesen Preis als „Preis der Menschlichkeit“ allen Mitstreitern und Mitstreiterinnen in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung.
2016 erhielt sie für ihre Arbeit in der österreichischen Behindertenbewegung und ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Umsetzung eines selbstbestimmten Lebens den „Wunsam-Hartig-Preis“.
Bernadette Feuerstein bei Crew United
Bernadette Feuerstein in der bidok