An diesem Tag

Berliner Philharmonie

Konzerthaus in Berlin

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Die Berliner Philharmonie (kurz Philharmonie; seit der Saison 2019/20 auch Philharmonie Berlin) in der Herbert-von-Karajan-Straße 1 im Berliner Ortsteil Tiergarten ist die Heimstätte der Berliner Philharmoniker. Sie zählt mit dem Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt zu den wichtigsten Konzertsälen Berlins. Von 1993 bis 1996 war die Berliner Philharmonie auf der Tentativliste der UNESCO als Kandidat für die Erhebung zum Weltkulturerbe platziert.

Die ersten Konzerte der im Frühjahr 1882 gegründeten Berliner Philharmoniker fanden im Charlottenburger Gartenlokal Flora statt.

Die Alte Philharmonie an der Bernburger Straße 22a/23 in Kreuzberg war die erste feste Heimstatt des Orchesters. Sie war 1876 von Gustav Knoblauch als Rollschuh­bahn für Ludovico Sacerdoti erbaut worden. Ab Sommer 1882 wurde sie als Spielstätte genutzt. 1888 wurde das Gebäude von Baurat Franz Heinrich Schwechten zu einem bestuhlten Konzertsaal ohne Tische umgebaut und in Philharmonie umbenannt. Der rechteckige Saal, dem „allerdings mit Stuck und Vergoldung etwas aufgeholfen war“, wurde wegen seiner hervorragenden Akustik gerühmt.

Um 1898 wurden zusätzliche Räumlichkeiten benötigt. Die Eigentümer des Gebäudes, Ludovico Sacerdoti und Sally Landeker, ließen durch Ludwig Heim im dahinterliegenden Hofbereich den Oberlichtsaal und auf einem angrenzenden Grundstück (Köthener Straße 32) den Beethoven-Saal (eröffnet Januar 1899) errichten, um Ausweichflächen zu haben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Gebäudekomplex am 30. Januar 1944 bei einem alliierten Luftangriff zerstört. In den Nachkriegsjahren nutzten die Berliner Philharmoniker zunächst verschiedene Ausweichquartiere: Konzerte fanden zumeist im Titania-Palast in Steglitz statt, für Schallplattenaufnahmen wurde oft die Jesus-Christus-Kirche in Dahlem genutzt.

Die Landespostdirektion Berlin brachte 1950 eine Zuschlagmarke heraus, mit der für den Wiederaufbau der Berliner Philharmonie geworben wurde. Jede verkaufte Briefmarke erbrachte eine Spende von fünf Pfennig für diesen Zweck.

Ausschreibung und Standortwahl

Die Ausschreibung für einen Neubau der Berliner Philharmonie fand 1956 durch das Land Berlin statt, 14 Architekten wurden zur Teilnahme aufgefordert. Ursprünglicher Standort sollte zunächst ein Grundstück an der Bundesallee sein, das an das Joachimsthalsche Gymnasium grenzte.

Im Januar 1957 wurde der Entwurf von Hans Scharoun mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Allerdings fiel die Entscheidung nach 16-stündiger Beratung mit neun gegen vier Stimmen – und damit fehlte die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit. Damit drohte sich für Scharoun ein Trauma zu wiederholen, das er beim Neubau des Staatstheaters Kassel erlebt hatte: Er hatte dort zwar den ersten Preis erhalten, sein Plan wurde jedoch (nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Baugrund) nicht umgesetzt, stattdessen wurden andere Architekten mit der Fertigstellung beauftragt. Erst nach Interventionen des Chefdirigenten Herbert von Karajan und einem Appell des Jurymitglieds Hans Heinz Stuckenschmidt in der Welt wurde Scharoun verbindlich mit der Ausarbeitung beauftragt.

In der öffentlichen Diskussion wurde der anvisierte Standort kritisiert, weil dieser zu weit entfernt von der alten Philharmonie liege. Der Baubeginn verzögerte sich dadurch erneut. Im Jahr 1959 entschied das Berliner Abgeordnetenhaus, den Neubau am heutigen Standort zu errichten.

Die Wahl des neuen Standorts war auch ein Zeichen gegen die Gigantomanie des Nationalsozialismus: An dieser Position war von Albert Speer im Rahmen der Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ eine riesige Soldatenhalle als Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten geplant gewesen. Unmittelbar neben dem Grundstück stand zudem das Verwaltungsgebäude der nationalsozialistischen Aktion T4. Das Gebäude wurde 1944 durch alliierte Bombentreffer schwer beschädigt und später abgerissen. Heute ist an der Stelle neben der Philharmonie eine Gedenkstätte errichtet, deren Erweiterung im September 2014 eingeweiht wurde.

Die neue Philharmonie entstand schließlich nach Entwürfen von Hans Scharoun als erster Bau des in der Nachkriegszeit geplanten Kulturforums. Sie wurde in einer Bauzeit von 37 Monaten erbaut (Grundsteinlegung: 15. September 1960, Richtfest: 1. Dezember 1961, Eröffnung: 15. Oktober 1963). Die Baukosten betrugen ca. 17 Millionen DM (kaufkraftbereinigt heute rund 45 Millionen Euro).

Die Einweihung war ursprünglich erst für das Frühjahr 1964 geplant, wurde aber (gegen die Bedenken des Baustabes) vorverlegt, um den im Herbst beginnenden Turnus der regulären Spielzeit zu ermöglichen. Die Rede zur Eröffnung der neuen Philharmonie hielt der Architekturkritiker Adolf Arndt. Das Eröffnungskonzert (Beethovens Sinfonie Nr. 9) bildete den Abschluss der Berliner Festwochen 1963.

Scharoun hatte eine Fassadenverkleidung geplant, jedoch wurde diese aus Kostengründen zunächst nicht umgesetzt, stattdessen erhielt die Betonfassade lediglich einen provisorischen ockerfarbenen Anstrich. Die Farbe Ocker wurde als Referenz auf den traditionellen Farbton märkischer Schlösser und Herrenhäuser gewählt. Nachdem nur wenige Jahre später Feuchtigkeitsschäden an der Umschalung der Philharmonie entstanden waren, wurde das Thema der Verkleidung wieder aufgegriffen.

Erst in den Jahren 1979–1981, nach der Fertigstellung der gegenüberliegenden Staatsbibliothek, ließ der Senat von Berlin eloxierte Aluminiumplatten mit goldfarbener Oberfläche nachträglich anbringen. Dabei wurde ein Detail realisiert, auf das bei der goldenen Verkleidung des Hochmagazins der Staatsbibliothek aus Kostengründen verzichtet wurde: Die einzelnen goldeloxierten Aluminiumplatten wurden mit transluziden Polyesterhauben versehen. Bei der Staatsbibliothek hatte sich Scharoun dadurch einen subtilen Lichteffekt in Zusammenhang mit der darunterliegenden Pyramidenstruktur der Aluplatten versprochen. Die goldene Außenhaut der Philharmonie wirkt allerdings im Vergleich mit dem Kammermusiksaal stumpf und schmutzig. Dies liegt daran, dass beim Kammermusiksaal keine transluziden Abdeckungen angebracht wurden.

Die goldfarbenen Platten entsprechen nicht zweifelsfrei der Planung von Scharoun: Dieser hatte quadratische „Farbtafeln“ mit einem dreidimensionalen Muster vorgesehen. Die an der Südseite des Schornsteins angebrachten weißen Platten entsprechen dieser ursprünglich geplanten Verkleidung, wie man sie auch noch auf späten Bauzeichnungen erkennen kann. In der späteren Bauphase waren die Prototypen zusätzlich noch mit roséfarbenen und grauen Flächen ausgestattet.

Auf der Westseite der Philharmonie um das Nottreppenhaus kann man alle drei Typen der Außenverkleidung sehen: am Schornstein die weißen Kunststoffplatten, die ungefähr der ursprünglichen Planung entsprechen; links davon die mit Polyesterplatten abgedeckten goldeloxierten Aluminiumplatten und rechts davon (am Treppenhaus selbst) die goldeloxierten Platten ohne Abdeckung.

Ergänzung des Kammermusiksaals

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