An diesem Tag

Berliner Dom

Evangelische Kirche und dynastische Grabstätte in Berlin

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Der Berliner Dom (offiziell: Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin) ist eine evangelische Kirche am Lustgarten auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte. Der Neorenaissancebau wurde 1894 bis 1905 im Auftrag von Wilhelm II. nach Entwurf von Julius Raschdorff errichtet. Er ist die größte evangelische Kirche Deutschlands und eine der bedeutendsten dynastischen Grabstätten Europas. Neben Gottesdiensten wird er auch für Staatsakte, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Seit dem Abriss der nördlichen Denkmalskirche während der SED-Diktatur 1975 besteht der Berliner Dom aus der zentralen Predigtkirche, der südlichen Tauf- und Traukirche sowie der Hohenzollerngruft. Während des Zweiten Weltkriegs 1944 schwer beschädigt, wurde das Äußere bis 1984 verändert und das Innere bis 2002 originalgetreu wiederaufgebaut. Über eine Rekonstruktion der Denkmalskirche wird diskutiert.

Ursprünglich war der Dom 114 Meter lang, 73 Meter breit, 114 Meter hoch und bot 2100 Sitzplätze. Aufgrund der abgerissenen Denkmalskirche, der vereinfacht wiederaufgebauten Kuppel und der in die Predigtkirche versetzten Prunksarkophage ist er heute 90 Meter lang, 98 Meter hoch und bietet 1390 Sitzplätze. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 33 Metern. Mit einer Grundfläche von 6270 Quadratmetern ist er die größte evangelische Kirche Deutschlands.

Die Geschichte eines Doms auf der Spreeinsel reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Im gerade fertiggestellten Schloss wurde 1450 die Erasmus-Kapelle als Hofkirche geweiht. Das bei ihr angesiedelte Kollegiatstift wurde 1465 von Papst Paul II. bestätigt.

Nachdem Joachim II. im Jahr 1535 Kurfürst geworden war, ließ er die südlich des Schlosses gelegene Dominikanerkirche zur neuen Hofkirche umbauen. Die mittelalterliche Backsteinkirche der Dominikaner im gotischen Stil wurde ausgebaut, reich ausgestattet, es wurden fürstliche Begräbnisstätten eingerichtet und ein Glockengeläut installiert. Der neue Dom wurde 1536 geweiht. Im Jahr 1539 trat Joachim II. zum lutherischen Glauben über: Aus dem katholischen Dom wurde ein evangelischer Dom. 1608 wurde auch das Domkapitel aufgelöst, der Dom wurde zur obersten Pfarrkirche Cöllns.

Der Übertritt des Kurfürsten Johann Sigismund und seines Hofes zum reformierten Bekenntnis am Weihnachtstag 1613 im Dom und seine folgende Umgestaltung im reformierten Sinn hatten Konflikte mit den Ständen und der lutherischen Kirche der Kurmark zur Folge. Sie entluden sich im April 1615 in Berlin und Cölln seitens der Einwohner im sogenannten Berliner Tumult mit schweren Ausschreitungen und Plünderungen der Wohnhäuser der calvinistischen Hofgeistlichen.

Da die Backsteinkirche in den folgenden Jahrhunderten baufällig geworden war, ließ Friedrich II. zwischen 1747 und 1750 einen barocken Neubau am Lustgarten, dem heutigen Standort des Doms, errichten und nach der Überführung der kurfürstlichen Särge in den Neubau den alten Dom abreißen. Architekten dieses am 6. September 1750 eingeweihten Neubaus waren der aus den Niederlanden stammende Johann Boumann, der eine sehr nüchterne Konzeption des Barocks hatte, sowie Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete Karl Friedrich Schinkel den Dom in einer schlichten Variante des damals modernen Klassizismus um, das Innere in den Jahren 1816/1817, das äußere Erscheinungsbild in den Jahren 1820/1821. Leitender Bauingenieur (Regierungsbaukondukteur) beim Umbau war der Schinkelschüler und spätere Mecklenburg-Strelitzer Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel.

Während des 19. Jahrhunderts wurde diskutiert, ob der bestehende bescheidene Schinkel-Dom, der ein Umbau der unter Friedrich dem Großen errichteten barocken Domkirche war, den Repräsentationsansprüchen der Monarchie noch länger gewachsen sei. Auf Betreiben von König Friedrich Wilhelm IV. wurde beschlossen, eine neue, prunkvollere Domkirche zu bauen, die als zweitürmige Basilika mit einem dreischiffigen Langhaus nach italienischem Vorbild errichtet werden sollte. Die Entwürfe lieferte Friedrich August Stüler, ein Schüler Schinkels. Mit ersten Bauarbeiten wurde begonnen. Die Grundmauern mit den sich abzeichnenden Apsiden wurden in der Spree errichtet. Ebenso wurden neben dem Dom bereits die hohen Mauern der geplanten königlichen Begräbnisstätte und Hohenzollern-Grablege, des von König Friedrich Wilhelm IV. sogenannten Campo Santo, errichtet. Das an dieser Stelle befindliche königliche Waschhaus war zuvor abgerissen worden. Die Revolution von 1848 unterbrach die Bauarbeiten zunächst. In der folgenden Reaktionsära ließ das öffentliche Interesse am Basilika-Projekt zugunsten eines Kuppelbau-Projektes nach. Hinzu kam, dass der Hof 1854 durch die Fertigstellung der Schlosskapelle in der Schlosskuppel eine neue, prachtvolle Hofkirche bekam. Inzwischen bestimmte in Preußen das Abgeordnetenhaus über den Staatshaushalt. Dessen Mehrheit war unwillig, die ambitionierten Bauprojekte des Königs zu finanzieren. Damit waren die Bauarbeiten im Jahr 1848 für Jahrzehnte zum Erliegen gekommen.

Nach der Reichsgründung erneuerte sich der Ruf nach einem repräsentativen Gotteshaus, das sich mit den großen Kirchen der Welt messen konnte und zugleich die evangelischen Vorgängerkirchen eindrucksvoll ersetzen sollte. 1885 legte der Architekt Julius Carl Raschdorff, Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg, Pläne für einen Neubau vor. Aber erst Wilhelm II. veranlasste in seiner Eigenschaft als König und Summus Episcopus in Preußen den Abriss des Schinkel-Doms und den Bau eines neuen Doms nach Raschdorffs Plänen, die von einer „barock beeinflussten italienischen Hochrenaissance“ geprägt sind. Damit ist der Berliner Dom der Neorenaissance zuzuordnen, einer Stilrichtung des Historismus.

Die Grundsteinlegung dieses Baus erfolgte am 17. Juni 1894, mit der Zielstellung, das Bauwerk im Jahr 1900 einweihen zu können. Bauverzögerungen führten jedoch dazu, dass dies erst am 27. Februar 1905 erfolgen konnte.

Für den Domneubau zeichnete eine Dombauverwaltung unter Leitung des Architekten Julius Raschdorff (seit dem 2. Juli 1892 Dombaumeister) verantwortlich. Diese Bauverwaltung bestand aus zwei Abteilungen, einer ersten Abteilung für die Erstellung der Bau- und Ausführungspläne und die Überwachung der Baumodelle sowie einer zweiten Abteilung für die tatsächliche Bauausführung und deren Beaufsichtigung sowie das Rechnungswesen (mit Aufmaß und Abrechnung in nicht einfacher Komplexität). Die erste Abteilung, der auch künstlerische Planungen oblagen, stand Julius Raschdorffs Sohn Otto vor, wobei Wilhelm II. während der gesamten Bauzeit Einfluss auf die Gestaltung des Doms ausübte. So änderte der Maler Anton von Werner seine Entwürfe für die Ausgestaltung der Kuppel-Mosaikfelder, die Mosaikbilder der Evangelisten und Fenstergestaltungen in der Apsis der Domkirche nach Wilhelms persönlichen Wünschen. Für die Leitung der zweiten Abteilung Baudurchführung durch die Dombauverwaltung zeichnete Baurat Julius Kleinau verantwortlich, dem der spätere Dombaumeister Bernhard Hoffmann assistierte und den in der Bauführung bis 1896 der Architekt Moritz Korn unterstützte.

Für die statische Berechnung und den Entwurf der Stahlkonstruktion der Kuppel zeichnete Heinrich Müller-Breslau verantwortlich.

Der Hauptaltar aus dem Vorgängerbau, geschaffen 1850 von Friedrich August Stüler, fand im Neubau seinen Platz. Das Altarbild der Tauf- und Traukirche wurde 1821 von Carl Joseph Begas gestaltet.

In der Hohenzollerngruft erhielt der Sarkophag von Kaiser Friedrich III., der nach dessen Tod im Mausoleum in Potsdam gestanden hatte, hier seinen neuen Platz. Zu diesem Anlass fertigte Reinhold Begas im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. einen neuen Sarkophag aus griechischem Marmor, der im November 1905 fertiggestellt wurde.

Der Dom wurde bereits frühzeitig mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet, die anfangs aus Bogen- und Nernstlampen bestand. Zudem wurde das Gebläse der Orgel mit Motorkraft bewegt, das Läutewerk ebenfalls und 1905 gab es schon einen elektrischen Personenaufzug.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Dom zunehmend größere Schäden. Zunächst wurden bei einem alliierten Luftangriff auf die benachbarte Burgstraße sämtliche Altarfenster zerstört, in den Kuppeln der Ecktürme kam es zu größeren Rissen. Später, bei einem der stärksten Luftangriffe auf Berlin am 24. Mai 1944, traf es die Kuppel mit ihrer Laterne schwer. Ein Kanister, gefüllt mit Flüssigbrandstoff, setzte die mit Torf als Isolierung ausgekleidete Holzverschalung unter der Kupfereindeckung in Brand. Die anrückenden Löschtruppen konnten den Brandherd nicht erreichen. Daraufhin stürzte die Kuppellaterne senkrecht in die Predigtkirche hinab und durchschlug mit ihrem enormen Gewicht den Boden, aus dem sie nun herausragte. Dabei hatte sie große Teile der darunterliegenden Hohenzollerngruft beschädigt. Es ist überliefert, dass Domorganist Fritz Heitmann auch noch bei offener Kuppel auf der Orgel, die vor den herabfallenden Trümmern geschützt war, gespielt haben soll. Daneben beschädigte der Angriff die Denkmalskirche und erneut die vier Türme. Nach dem Krieg galt der Dom als zu 25 Prozent zerstört. Am Orgelwerk richteten Diebe später große Schäden an. Sie stahlen rund ein Drittel der Pfeifen und rissen Leitungen der pneumatischen Traktur heraus, um das Metall zu verkaufen.

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