Benvenuto Cellini (* 3. November 1500 in Florenz; † 13. Februar 1571 ebenda) war ein vor allem in Florenz, Rom und Fontainebleau tätiger Goldschmied, Bildhauer und Medailleur des 16. Jahrhunderts. Er war zudem Autor von Traktaten zur Goldschmiedekunst und zur Bildhauerei sowie einer Autobiografie. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Bronzestatue des Perseus in Florenz und ein goldenes Salzfass (Saliera), heute in Wien.
Informationen zu Benvenuto Cellinis Leben sind vor allem aus seiner zwischen 1557 und 1564 verfassten Autobiografie, aber auch einer Reihe von Briefen, Verträgen und anderen Dokumenten zu entnehmen.
Benvenuto Cellini wurde am 3. November 1500 in Florenz als Sohn des Baumeisters und geigespielenden Musikers Giovanni Cellini und seiner Frau Maria Elisabetta di Stefano Granacci im 21. Jahr ihrer Ehe geboren.
Sein Vater war Architekt von Verteidigungsanlagen im Dienste der Medici. Darüber hinaus arbeitete er in kunsthandwerklichen Bereichen und fertigte auch Musikinstrumente an. Seinem Willen gemäß sollte Benvenuto Musiker werden; dieser entschied sich aber mit 14 Jahren für das Goldschmiedehandwerk.
Nur mit Mühe erreichte Benvenuto, dass ihn sein Vater in die Lehre zu Michelangelo da Viviano, dem Vater seines späteren Konkurrenten und erklärten Gegners Baccio Bandinelli, gab. Als ihn der Vater bald darauf wieder zurücknahm, riss er aus und wechselte in die Werkstatt des Goldschmieds Antonio di Sandro ("Marcone"). 1516 wurde er wegen einer Schlägerei für sechs Monate aus Florenz verbannt, die er bei dem Goldschmied Francesco Castoro in Siena verbrachte. Angeblich auf Geheiß von Kardinal Giulio de’ Medici durfte er jedoch zurückkehren. Wenig später ging er nach Bologna, wo er für kurze Zeit bei einem – wie er in seiner Autobiografie schreibt – "maestro Ercole del Piffero", dann für den Miniaturmaler Scipio Cavaletti, arbeitete. Anschließend war er wieder in Florenz, das er jedoch wegen eines Streits mit seinem Bruder bald wieder verließ, um über Lucca nach Pisa zu wandern, wo er ein Jahr lang bei dem Goldschmied Ulivieri della Chiostra blieb und bei ihm "in Gold und Silber schöne und bedeutende Sachen" ("lavorai d’oro e di argento cose importanti e belle") schuf, bevor er nach Florenz zurückkehrte.
Das Musizieren, das er bis dahin seinem Vater zuliebe weiter betrieben hatte, war ihm nun restlos zuwider; es kam zu einem Streit mit dem Vater, in dessen Folge er Florenz erneut verließ und nach Rom in die Werkstatt von Firenzuola di Lombardia ging. Er kehrte aber auf Bitten seines Vaters nach zwei Jahren zurück und nahm auch das Musizieren wieder auf. Streitigkeiten mit Kollegen arteten unterdessen immer häufiger in Schlägereien aus, in deren Folge Cellini – als Mönch verkleidet – aus Florenz fliehen musste.
Er ging wieder (etwa November 1523) nach Rom, wo gerade sein Gönner Giulio de’ Medici als Papst Clemens VII. inthronisiert wurde. In der Werkstatt des aus Mailand stammenden Giovanpiero della Tacca begann Cellini einen „großen Wasserkessel“, den der Maler Gioanfrancesco Penni für den Bischof von Salamanca entworfen hatte. Die zügige Ausführung des Auftrags wurde aber behindert, nachdem Cellini, durch seinen ihm flehend und drohend im Traum erschienenen Vater bewogen, als Musiker in päpstliche Dienste getreten war. Durch die Terminverzögerung der Ablieferung verärgert, weigerte sich der Bischof, nach dem Erhalt der Arbeit vertragsgemäß zu zahlen. Nachdem es Cellini gelungen war, sich wieder in den Besitz des Werkes zu bringen, verteidigte er die erneute Herausgabe mit Waffengewalt gegen die Dienerschaft des Bischofs. Dieser Coup machte Cellini in weiten Kreisen der römischen Gesellschaft bekannt. Die nun eintreffenden Aufträge ermöglichten es ihm, seine erste eigene Werkstatt zu eröffnen. Er begann, neben den Goldschmiedearbeiten auch als Siegelstecher zu arbeiten.
In diese Zeit fällt auch das Zusammentreffen Cellinis mit der von ihm hochgeschätzten Porzia Chigi, der er eine Reihe von Aufträgen zu verdanken hatte und die ihn darin bestärkte, seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Im Hause der Chigi (heute Villa Farnesina) studierte er die dortigen Werke des Raffael, was nicht ohne Einfluss auf sein weiteres Schaffen geblieben sein dürfte.
Der im Jahr 1525 in Rom ausgebrochenen Pest wich Cellini, wie viele Römer, durch Aufenthalt am Land aus. Die von den Bauern bei der Feldarbeit relativ häufig gefundenen antiken Medaillen, Gemmen und Edelsteine kaufte er für ein Weniges auf, um sie, zurück in Rom, gewinnbringend an kunstsinnige Kardinäle zu verkaufen.
Bei der Belagerung Roms im Jahr 1527 griff er als treuer Anhänger der Medici ebenfalls zu den Waffen und übernahm die Aufsicht einiger Geschütze auf der Engelsburg. Im Auftrag des Papstes zerstörte er ohne jeden Skrupel eine Reihe wertvoller Kunstgegenstände der Goldschmiedekunst im Werte von insgesamt 200 Pfund Gold, um sie nicht den Belagerern in die Hände fallen zu lassen. Einen Teil des Schatzes veruntreute er dabei. Joseph Victor von Scheffel erwähnte in Der Trompeter von Säkkingen Cellinis Rolle im Sacco di Roma. Bei der Belagerung von Bad Säckingen durch einen Bauernhaufen sagt die Nebenfigur, Freskomaler Fludribus: „Scharfen Blicks hab’ die Gefahr ich / Hier erkannt, doch wie Cellini / Von der Engelsburg zu Rom einst / Frankreichs Connetabel totschoß: / So -- auf leider schlechtre Feinde -- / Kanoniert hier Fludribus!“
Nach dem Ende der Belagerung kehrte er als Capitano nach Florenz zurück, um bald darauf weiter nach Mantua zu reisen, um dort für kurze Zeit in die Dienste des Mailänders Niccolo, Goldschmied des Herzogs, zu treten. Vier Monate später war er wieder in Florenz, wo gerade die Pest gewütet hatte. Er fand nur noch einen Bruder und eine jüngere Schwester am Leben. Diesen zuliebe blieb er einige Zeit daheim und erwarb sein Geld hauptsächlich durch das Fassen von Juwelen.
Im Auftrag des Girolamo Mazzeti erarbeitete er eine „goldene Medaille am Hut zu tragen, worauf in ganz erhabenem Relief ein Herkules, der dem Löwen den Rachen aufreißt“. Diese Arbeit gewann den Beifall Michelangelo Buonarrotis. Durch dieses Lob des damals schon „vergöttlichten“ Künstlers stieg sein Geltungsbedürfnis enorm an und sein Verlangen nach größer dimensionierten Arbeiten wuchs. Eine weitere Medaille aus dieser Zeit für Federico Ginori gelangte später in den Besitz Franz’ I. von Frankreich und führte in der Folge zu seiner Berufung an den französischen Hof.
Von Florenz ging Cellini wieder nach Rom und arbeitete dort vorübergehend beim Goldschmied Raffaelo del Moro. Auf Grund einer günstigen Auftragslage konnte er schon bald wieder eine eigene Werkstatt eröffnen, in der fünf Gesellen für ihn arbeiteten. Sein Bruder Francesco, der sich als Soldat in Rom aufhielt, wurde dort in dieser Zeit in einem Handgemenge auf offener Straße erschossen. Cellinis anschließender Mord am Mörder seines Bruders wurde vom Papst „mit grimmigem Seitenblick“ bestraft.
Nach einem nächtlichen Einbruch in seine Werkstatt, bei dem eine Reihe von Schmuckstücken und Prägestempeln gestohlen wurden, kamen mit seinem Stempel geschlagene gefälschte Münzen in den Umlauf. Cellini geriet in den Verdacht der Falschmünzerei, gegen den ihn der Papst in Schutz nahm. Nach der Entdeckung der Täter sah sich der Papst in seinem Vertrauen zu ihm bestärkt und schenkte ihm die einträgliche Stelle eines päpstlichen Leibtrabanten. Dieser hierarchische Aufstieg führte bei Cellini zu einer Reihe von Überheblichkeiten und Streitereien, bis er sich zuletzt einer Übermacht an Feinden gegenübersah.
Als Cellini auf offener Straße einen seiner Gegner durch einen Steinwurf schwer verletzte, musste er nach Neapel fliehen und arbeitete dort für kurze Zeit in der Werkstatt des Goldschmieds Domenico Fontana, kehrte jedoch bald heimlich nach Rom zurück, wo er die Genesung seines Opfers abwartete.
Papst Clemens VII. starb 1534. Ihm folgte Paul III. aus dem Hause Farnese. Bei passender Gelegenheit tötete Cellini Pompeo de’ Capianeis, den Anstifter seiner Verfolgung. Statt dafür vom Papst bestraft zu werden, erhielt er von diesem einen Freibrief. Durch diesen gesichert, erarbeitete er zunächst die Stempel für die Ausgabe neuer Scudi anlässlich der Wahl Pauls III. Die Familie des ermordeten Pompeo suchte unterdessen, nachdem sie kein Recht gefunden hatte, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Den gedungenen Mördern entkam Cellini nach Florenz.