An diesem Tag

Benno Hurt

Deutscher Schriftsteller, Fotograf und Jurist

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Benno Hurt (* 11. April 1941 in Regensburg) ist ein deutscher Schriftsteller, Fotograf und Jurist.

Benno Hurt wuchs mit drei Geschwistern in Regensburg auf. Während seiner Schulzeit im Goethe-Gymnasium spielte er Fußball in der Jugendmannschaft des SSV Jahn. 1961–1965 studierte er Jura in München, arbeitete danach als Staatsanwalt und 1971–2006 als Richter in Regensburg. Benno Hurt lebt in Pettendorf. Seit 1968 ist er mit seiner Frau Irene verheiratet.

Hurts erste Erzählungen erschienen 1965 bei Nymphenburger und, auf Empfehlung von Marieluise Fleißer, bei Hanser. Im Zentrum der literarischen Arbeit von Benno Hurt stehen gesellschaftskritische Roman-Zyklen, in denen sich die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland spiegelt. Geographischer Anknüpfungspunkt ist eine „fiktive Stadt mittlerer Größe im Süden Deutschlands“. Sie heißt in den Christian Kirsch-Romanen „Kolbstadt“, in den Michael Kaltenbrach-Romanen „Kürren“. Beide Orte weisen punktuelle Ähnlichkeiten mit Benno Hurts Heimatstadt auf, ohne darauf reduziert werden zu können:

Ich nehme mir von Regensburg das, was ich brauchen kann, und kombiniere es mit anderem. Ich baue mir eine eigene Stadt […]. Es geht mir nicht um Regensburger, Augsburger, Paderborner, sondern um deutsche Schicksale zu unterschiedlicher Zeit.

Auf dieser Basis thematisiert Hurt die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und schildert aus verschiedenen Perspektiven die Entwicklung vom „Wirtschaftswunder“ zur „68er-Bewegung“, die er selbst als prägend erlebte. Auf die Frage „Was verbinden Sie mit der Studentenrevolte?“ antwortete er 2009:

Zunächst mal eine Bücherreihe von eineinhalb Metern Länge (von Marx zu Marcuse). Im Ernst: Ich denke immer wieder darüber nach, was hat dich so fasziniert? Ich stand (beruflich gesehen) „vor dem Leben“. Und da ereignet sich diese „Bewusstseinsrevolution“ […]. Nicht die Erinnerung an die mit schönen roten Fahnen bedeckten Straßen scheint mir wichtig, sondern das einsame, heimliche Hoffen auf „Change“. […] Dieses Zweifeln, Infragestellen, vieles, alles für möglich zu halten, ist […] bei mir geblieben. Und Romanhelden sind entstanden, die sich mit dem, was wir damals das richtige Bewusstsein nannten, noch heute dekorieren, obwohl sie längst das geworden sind, was wir damals als „Spätkapitalist“ beschimpft hätten.

Hurts Texte setzen sich auch mit der Kontinuität zwischen altem und neuem Rechtsextremismus auseinander. Der Roman Im Nachtzug zeigt gegen Ende die Gründung einer rechtsradikalen Partei durch Altnazis Mitte der 1960er Jahre. Ein deutscher Mittelläufer und Böse Onkel thematisieren das Phänomen des Neonazismus vor dem Hintergrund von Familienkonflikten, in denen sich Generationen sprachlos gegenüber stehen.

2009 diskutierte Benno Hurt im Literaturhaus München mit Heribert Prantl zum Thema 60 Jahre BRD – 60 Jahre politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, kultureller Wandel. Denis Scheck zählt Benno Hurt zu den „bedeutenden literarischen Chronisten der Bundesrepublik.“

Seit Mitte der 1970er Jahre hat Benno Hurt ein umfangreiches fotografisches Œuvre vorgelegt. 1979 veröffentlichte er in der Zeitschrift Photo den programmatischen Beitrag Argumente für eine andere Fotografie. Darin plädierte er für einen ästhetischen Paradigmenwechsel:

Mich langweilt die Fotografie der schönen Bilder, diese langbrennweitigen Lügen von unberührten Landschaften voll Geometrie […]. Sonnenuntergänge in haltbaren Plastikrahmen sind der Normalfall.

Seine persönliche Bildsprache entwickelte Benno Hurt in Serien wie Außenbezirke, Standphotos und Blick in die Bundesrepublik – eine kritische Erinnerungsphotographie. Arbeiten daraus wurden in Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Daneben publizierte Hurt regelmäßig in Fachzeitschriften und Kunstmagazinen.

1987 wurde Hurts Fotoserie Auf Montag vertagt vom Bayerischen Staat erworben. Die Bilder sind im Regensburger Justizgebäude ausgestellt.

1999 Kulturpreis der Stadt Regensburg

2012 Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (Laudatio: Heribert Prantl, vorgelesen von Dieter Borchmeyer)

Pestalozzi modern. Erzählung. In: Vor dem Leben – Schulgeschichten von Thomas Mann bis Heinrich Böll, hrsg. von Martin Gregor-Dellin. Nymphenburger Verlag, München 1965

Frühling der Tage. Erzählungen. Carl Hanser Verlag, München 1965 (in der Reihe prosa viva)

Erweiterte Sammlung: Jahreszeiten. Erzählungen. MZ-Buchverlag, Regensburg 1998

Eine deutsche Meisterschaft. Roman. Kellner Verlag, Hamburg 1991. Neuausgabe: dtv, München 2006. ISBN 978-3-423-13456-9

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