An diesem Tag

Benedikt Stattler

Deutscher katholischer Theologe, Pädagoge und Philosoph

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Benedict Stattler SJ (* 30. Januar 1728 in Kötzting; † 21. August 1797 in München) war ein deutscher katholischer Theologe, Jesuit, Pädagoge und Philosoph.

Stattler, Sohn eines Bauern, besuchte im bayerischen Benediktinerkloster Oberalteich die Lateinschule und schloss 1744 das Jesuitengymnasium in München (heute Wilhelmsgymnasium München) ab. 1745 trat er in Landsberg am Lech in den Jesuitenorden ein. An der Universität Ingolstadt studierte er drei Jahre lang Philosophie, ein Jahr Mathematik und ab 1754 vier Jahre Theologie.

Dazwischen war er als Gymnasiallehrer für die alten Sprachen in Straubing, Landshut und Neuburg an der Donau tätig. 1759 empfing er die Priesterweihe und legte 1763 die letzten Ordensgelübde ab. Sechs Jahre hindurch lehrte er teils Philosophie, teils Theologie zu Solothurn und an der Universität Innsbruck. 1770 wurde er Doktor und Professor der Theologie an der Universität in Ingolstadt; hier gehörte Johann Michael Sailer zu seinen Schülern.

Dieses Lehramt übte er auch mit großem Anklang aus, nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war. 1773 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München zu ihrem Mitglied. Neben seiner Professur und dem Amt eines Prokanzlers der Universität in Ingolstadt übertrug man ihm 1776 die Stelle eines Stadtpfarrers von St. Moritz. 1782 erhielt er ein gleiches kirchliches Amt in Kemnath in der Oberpfalz. Diese Pfarrstelle legte er nach einigen Jahren freiwillig nieder und ging nach München, wo er kurfürstlich Geistlicher Rat und Mitglied des Zensurkollegiums wurde. Von diesem Posten wurde er auf eigenen Wunsch 1794 entlassen. Er lebte seitdem zu München als Privatgelehrter. Ein Herzinfarkt setzte seinem Leben ein Ende.

Stattler war ein vielseitig gebildeter Mann, der jedoch in seinem philosophischen Denken oft intolerant gegen Andersdenkende war. Auch im bürgerlichen Leben neigte er zur Polemik, wie mehrfache Verwerfungen mit der Universität und mit seinen Kollegen zeigen, obwohl diese seinen Talenten, seinem Scharfsinn und seinem Forschungsgeist volle Anerkennung zollten. Auf einem gründlichen Studium der Leibniz-Wolffischen Philosophie beruhte dieses Denken, welches er in einzelnen Punkten weiter ausgebildet hatte. Er wollte unter den Katholiken den Sinn für philosophische Studien beleben und dem Vorurteil entgegentreten, die Philosophie sei nur eine Vorläuferin der Theologie, doch keineswegs eine eigene selbstständige Wissenschaft.

So viel er zur Belebung des Studiums der Philosophie beitrug und besonders zur größeren Anerkennung der Ethik durch seine 1772 herausgegebene „Ethica christiana universalis“ beigetragen hatte, obwohl diesem Werke die eigentümliche Vermischung des Theoretischen mit dem Praktischen, des bloß Intellektuellen mit dem Moralischen zum Vorwurf gemacht werden kann, so trat er doch in späteren Jahren allen Neuerungen im Gebiet der Philosophie mit Leidenschaft entgegen, welche durch die Anmaßung einiger Anhänger des Kantschen Systems noch gesteigert wurde. Von einer solchen illiberalen Seite zeigte er sich besonders in den 1788 herausgegebenen zwei Bänden seines „Anti-Kant“, in welchem jedoch, ungeachtet des rauen und anmaßenden Tons, überall Konsequenz und Scharfsinn in den mitgeteilten Ansichten hervortritt. Stattlers Streben, die Philosophie mit der Theologie in Verbindung zu bringen, wirkte sich günstig bei der Verbreitung richtigerer Ansichten in der letztgenannten Wissenschaft aus. Seine zahlreichen theologischen Schriften enthalten hierzu mehrfache Belege.

Die „Ethica christiana communis“, in den Jahren 1782 bis 1789 in drei Teilen herausgegeben und 1791 bis 1802 neu aufgelegt, unterschied sich von den bisherigen katholischen Lehrbüchern der christlichen Moral wesentlich dadurch, dass sie in dem angewandten Teil auch auf das eigentliche Prinzip der Sittlichkeit hinwies und überall auf die christliche Offenbarungswahrheit einging. Völlig konsequent aus dem theoretisch-metaphysischen Gesichtspunkt führte ihn in jenem Werk die Idee von Christian Wolff dem Guten und von der Vollkommenheit, zu einer Güte der Handlungen aus praktischem Gehorsam gegen Gott, obwohl Stattler nicht einsah, woran es diesem Begriff fehlte und auf welche Abwege er führen konnte. Als ein freimütiger Forscher, den der Glauben nicht einengte, hatte er sich mehrere Jahre früher in einer lateinisch geschriebenen Verteidigung der christlichen Religion hervorgetan. Die beachtenswerteste unter seinen theologischen Schriften war seine 1775 herausgegebene Demonstratio catholica, in welcher er den allgemeinseligmachenden Glauben seiner Kirche bestritt, und allen guten Menschen, allen redlichen Protestanten, ohne Bedenken die Seligkeit zusprach. Wegen dieser Schrift wurde er von Vertretern der katholischen Kirche heftig angefeindet, besonders von dem Benediktiner Wolfgang Frölich im Kloster Sankt Emmeram in Regensburg, und vom Vatikan nach längerem Schriftverkehr indiziert.

Leicht verständlich aus seiner Denkweise wird sein Versuch zur Vereinigung der protestantischen und katholischen Glaubensparteien, zu welchem er 1791 einen schriftlich abgefassten Plan bekannt machte. Das Positive, Individuelle hatte sich in ihm mit dem Moralischen und Allgemeingültigen so innig verbunden und es war ihm mit dem Wohl seiner Mitmenschen, mit der Wahrheit selbst so sehr Ernst, dass er auch dem Positiven, wie es ihm erschien, allgemein Eingang zu verschaffen strebte.

Als ein eifriger Anhänger Wolffs war er dessen mathematischer Methode in seinen philosophischen und theologischen Schriften treu geblieben. Sein lateinischer Stil war korrekt, ohne gleichsam den Anforderungen des klassischen Geschmacks zu genügen. Ziemlich richtig, aber rau und hart, war seine deutsche Schreibart. Überhaupt waren seine meisten Schriften hinsichtlich der Darstellung schwerfällig und schwer durchschaubar. Die Fülle der Gedanken, das Streben nach Bestimmtheit, entfernte ihn immer wieder von der Deutlichkeit, die er sich zum Ziele setzte. Wer sich aber durch seine größtenteils langen Perioden durcharbeitete und nicht eher weiter las, als bis er das Vorhergehende richtig verstanden hatte, gelangte zu einer Klarheit der Begriffe, die ihm auf anderen Wege nicht erschließbar gewesen wäre.

Für den Jesuitenorden, dessen Mitglied er gewesen war, behielt Stattler auch nach der Aufhebung Sympathie. Von der Gesellschaft Jesu, wie

sie sein und werden sollte, hatte er sich ein Ideal gebildet, über welches er sich in seiner 1791 herausgegebenen Schrift Wahre und allein hinreichende Reformationsart des katholischen Priesterstandes am deutlichsten aussprach. In diesem Buche erkennt man den gewandten Philosophen, den freimütigen Theologen, den scharfsinnigen Denker, aber zugleich auch den entschiedenen Anhänger und Verteidiger alles dessen, was zum Wesen der katholischen Kirche gehört. Wegen dieser Schrift musste Stattler manche harte und ungerechte Angriffe und besonders die Beschuldigung dulden, dass es sein Streben sei, in Verbindung mit den Augsburger Exjesuiten, etwa Leonhard Bayrer, den aufgehobenen Orden wiederherstellen zu wollen.

Benedikt Stattler ist der Namensgeber des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting.

Tractatio cosmologica de viribus et natura corporum, München 1763:

Theses ex universa philosophia, München 1763. (Digitalisat)

Mineralogiae et Metallurgiae Chemicae Principia Physica, Innsbruck 1765:

Philosophia Methodo Scientiis Propria Explanata, Augsburg 1769–1772:

Pars 1: Logica (1769). (Digitalisat)

Pars 2: Ontologia (1769). (Digitalisat)

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