Die Belagerung von Peking war eine von 1213 bis zum 31. Mai 1215 dauernde militärische Auseinandersetzung zwischen den Mongolen unter Dschingis Khan und der Jin-Dynastie unter deren Kaiser Xuanzong. Nach der Zahlung eines bedeutenden Tributs zogen die mongolischen Truppen im Mai 1214 von Peking – das damals den Namen Zhōngdū trug –, vorübergehend ab. Da aber Dschingis Khan die von Xuanzong kurz danach befohlene Verlegung der Hauptstadt nach Kaifeng als neuen Kriegsgrund sah, nahmen die Mongolen die Belagerung Zhōngdūs wieder auf. Nach der Kapitulation der Stadt im Mai 1215 massakrierten die Mongolen tausende Einwohner.
Bis 1206 hatte der mongolische Anführer Temüdschin alle Rivalen auf dem mongolischen Hochplateau unterworfen und auf einem Kurultai (Fürstenversammlung) im Jahr 1206 den Namen Dschingis Khan als Herrscher des neu entstandenen Mongolischen Reichs angenommen. Seine ersten Feldzüge gegen einen Staat mit sesshafter Bevölkerung führte er gegen die Westliche Xia-Dynastie, deren Reich er in den Jahren 1209–10 unterwarf und hohe Tributzahlungen auferlegte. Dadurch sicherte er die südliche Grenze seines Reichs und griff danach die Jin-Dynastie in Nordchina an.
Dschingis Khan hatte mehrere Gründe für den Krieg: Er wollte seine Soldaten durch die Plünderung der Reichtümer Nordchinas bezahlen, den Mord an seinem zwei Generationen früher lebenden Verwandten Ambaghai rächen und jeglichen Anschein mongolischer Untertänigkeit gegenüber dem Jin-Reich zerstreuen. Nicht zuletzt war auch sein Hass auf den Jin-Kaiser Wanyan Yongji ein Motiv für seinen Feldzug gegen das Jin-Reich. Als ein Abgesandter der Jin den 1209 erfolgten Regierungsantritt des Kaisers Wanyan Yongji im Jahr 1210 im mongolischen Lager verkündigte, verweigerte Dschingis Khan den traditionellen Kotau. Stattdessen beleidigte er laut einem Bericht des Geschichtswerks Yuanshi den Jin-Kaiser, spuckte in Richtung Süden, verweigerte die Tributzahlung und ritt davon.
Der Historiker Paul Ratchnevsky schätzte, dass Dschingis Khan etwa 65.000 mongolische Soldaten und 10.000 Mann von Verbündeten zur Verfügung standen, wohingegen die Stärke der Jin-Armee über 600.000 Infanteristen und 120.000 Reiter betragen haben soll. Nach der Abhaltung eines Kutultai im März 1211 begann Dschingis Khan die – erst 1234 abgeschlossene – mongolische Eroberung des Jin-Reichs, indem er mit seinem Heer durch die Wüste Gobi zog und im Juni 1211 bei Kalgan nordwestlich von Peking die Chinesische Mauer kampflos überschritt. Dies ermöglichte ihm Alaqush Tegin Quri, Anführer des türkischen Stamms der Öngüt, der entgegen seinen Verpflichtungen gegenüber den Jin die Mongolen nicht an der Überwindung der Mauer gehindert hatte.
In mehreren Heeressäulen fielen die Mongolen in weite Teile des Jin-Reichs ein, plünderten und brandschatzten die ländlichen Gebiete und eroberten mehrere Städte. Sie profitierten davon, dass einige Heerführer der Jin zu ihnen überliefen. Der mongolische Feldherr Muqali gewann im Herbst 1211 während des Yehuling-Feldzugs die wichtige Schlacht von Huan'erzui. Als Dschings Khan während der erfolglosen Belagerung von Xijing (dem heutigen Datong) 1212 durch einen Pfeil verwundet wurde, brach er seinen Feldzug gegen die Jin vorübergehend ab.
1213 nahm Dschingis Khan seinen Krieg gegen die Jin wieder auf. Trotz der Verstärkung der Verteidigungsanlagen des Juyongguan gelang seinem Feldherrn J̌ebe Noyan, mit einer Heeresabteilung diesen Gebirgspass einzunehmen. Nun war der Weg zur zentralen Jin-Hauptstadt Peking (damals Zhōngdū 中都 oder Jīnzhōngdū 金中都 genannt) frei. Dschingis Khan kam zugute, dass die Kitan, ein mit den Mongolen verwandter, von der Jin-Dynastie unterworfener Stamm, rebellierten. Hushahu, der Befehlshaber der Streitkräfte in Xijing, verließ im Sommer 1213 seinen Posten und putschte in Zhōngdū gegen Kaiser Wanyan Yongji, der am 11. September 1213 getötet wurde. Danach setzte Hushahu einen Neffen des ermordeten Kaisers, Xuanzong (宣宗), als Marionettenherrscher ein. Bald darauf rückten die Mongolen gegen Zhōngdū vor. Ende November 1213 fiel Hushahu einem Attentat zum Opfer.
Zhōngdū hatte starke Verteidigungsanlagen. In seiner Nähe befanden sich vier festungsartige Dörfer mit Garnisonen von jeweils 4000 Soldaten, Getreidespeichern und Arsenalen. Die Stadtmauer von Zhōngdū hatte über 40 km Umfang, war 12 m hoch, an der Basis 15 m und in der Höhe der Zinnen 12 m breit und besaß 13 Tore sowie über 900 Wachtürme. Während Zhōngdū einem direkten Angriff widerstand, erzielten die mongolischen Streitkräfte weiterhin im Umland Erfolge und verstärkten allmählich ihre Blockade der Hauptstadt. Im Laufe der Belagerung erlitten sie aber durch Hunger und Seuchen starke Verluste. Gegen den Widerstand seiner Kommandanten nahm Dschingis Khan Friedensverhandlungen auf. Xuanzong fand sich gegen den Abzug der Mongolen zur Zahlung eines hohen Tributs bereit. Dazu gehörte die Übergabe von 3000 Pferden, 500 Knaben und Mädchen als Sklaven, Gold, Silber, Seide und der Jin-Prinzessin Qiguo, Tochter des ermordeten Kaisers Wanyan Yongji, als Geschenk für Dschingis Khan. Dieser hob daraufhin die Belagerung von Zhōngdū auf und trat im Mai 1214 mit seiner Armee und Beute die Heimreise an.
Als Xuanzong bald danach seine Hauptstadt und den Kaiserhof von Peking in die sicherere, da südlich der natürlichen Verteidigungslinie des Gelben Flusses gelegene Stadt Kaifeng verlegte, schien dies Dschingis Khan verdächtig. Er argwöhnte, dass der Jin-Kaiser im Süden neue Truppen sammeln und den Krieg wieder aufnehmen wolle. Umgehend beschloss er, dass seine Truppen umkehren und Zhōngdū erobern sollten. Sein Feldherr Muqali eroberte viele Städte in Liaodong in Nordostchina, und Zhōngdū wurde im Winter 1214/15 erneut belagert.
Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Kaifeng waren der Jin-Kanzler Wanyan Chengui und der Feldherr Moran Jinzhong mit dem Schutz Zhōngdūs beauftragt worden. Die Kitan-Gemeräle Shimo Ming'an, Yelü Ahai and Yelü Tuhua, die sich den Mongolen ergeben hatten, gehörten zu den Truppenführern Dschingis Khans, die sich am neuen Angriff auf Zhōngdū beteiligten. Moran Jinzhongs Stellvertreter Pucha Qijin kapitulierte mit den unter seinem Befehl stehenden Streitkräften vor den Mongolen, was die übrigen Verteidiger von Zhōngdū in eine schwierige Lage brachte. Kaiser Xuanzong entsandte daraufhin Entsatztruppen, um den bedrängten Verteidigern der zentralen Hauptstadt zu Hilfe zu kommen. Yongxi führte eine Heeresabteilung aus Zhending nach Zhongshan, und Wugulun Yingshou befehligte 18.000 kaiserliche Gardisten, 11.000 Infanteristen und Reiter aus dem Südwesten sowie 10.000 Soldaten aus der Provinz Hebei, wobei der Jin-General Li Ying den Versorgungstross geleitete. Doch die mongolischen Belagerer verhinderten die Entsatzversuche.
Am 31. Mai 1215 musste sich Zhōngdū ergeben, dessen Bevölkerung mittlerweile so ausgehungert war, dass von Fällen von Kannibalismus berichtet wurde. Zehntausende Einwohner wurden massakriert. Laut persischen Chronisten sprangen 60.000 Frauen und Mädchen von den Festungsmauern in die Tiefe, um Vergewaltigungen und Sklaverei zu entgehen. Die kaiserlichen Paläste wurden zerstört und die Gebäude niedergebrannt. Die Mongolen plünderten vier Wochen lang in der Stadt. Der persische Historiker Minhādsch ad-Dīn Dschūzdschānī berichtet, dass wenige Jahre nach dem Fall Zhōngdūs Baha ad-Din, Führer einer vom Choresm-Schah Muhammad II. entsandten Delegation, sich der zerstörten Stadt näherte und dort einen weißen Hügel sah. Ihm wurde mitgeteilt, dass dieser Hügel aus den Gebeinen der getöteten Einwohner bestehe.
Lazar Israelowitsch Albaum, Burchard Brentjes: Herren der Steppe. Zur Geschichte und Kultur mittelasiatischer Völker in islamischer Zeit. 2. Auflage. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1978, S. 68.
Thomas T. Allsen: The rise of the Mongolian empire and Mongolian rule in North China. In: Herbert Franke, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 6: Alien Regimes and Border States, 907–1368. Cambridge University Press, Cambridge 1994, ISBN 978-1-1390-5474-4, S. 321–413.