Das Bekenntnis von Nicäa wurde im ersten Konzil von Nicäa 325, dem ersten ökumenischen Konzil, als Definition des christlichen Glaubens beschlossen. In Kürze: Der menschgewordene Gottessohn Jesus ist mit Gott dem allmächtigen Vater wesensgleich.
Dieses erste Glaubensbekenntnis ist nicht zu verwechseln mit dem nachfolgenden des ersten Konzils von Konstantinopel, das ebenfalls oft als nicänisches Glaubensbekenntnis bezeichnet wird und (vielleicht) bekannter ist. Im Gegensatz zu diesem wird das hier beschriebene Bekenntnis auch von allen altorientalischen Kirchen anerkannt. Damit ist es das meistanerkannte Bekenntnis im Christentum, spielt aber in der Frömmigkeitspraxis jener Kirchen, die auch das Nicäno-Konstantinopolitanum anerkennen, de facto keine Rolle.
Das Konzil, das von Kaiser Konstantin dem Großen in das nahe seiner Residenz gelegene Nicäa, das heutige İznik/Türkei, einberufen wurde, war das erste, das nicht bloß für eine Region, sondern für die gesamte Kirche Geltung haben sollte. Es sollte die durch den Presbyter Arius vor allem im griechischsprachigen Teil der Kirche ausgelösten Streitigkeiten über die Trinitätslehre beilegen. Mit dem Bekenntnis zur Wesenseinheit Christi und des Vaters bezog das Konzil Stellung gegen den Arianismus. In der Folgezeit kam es aber zu Streit um die richtige Auslegung der Begriffe, bei dem besonders der Kirchenvater Athanasius der Große in seinem um 350 verfassten Brief De decretis Nicaenae synodi („Über die Beschlüsse des Synode von Nizäa“) das Bekenntnis im Sinne einer scharf anti-arianischen Position interpretierte. Der Streit konnte erst auf dem folgenden Konzil von Konstantinopel 381 beigelegt werden.
In der Folge wurde das Bekenntnis von Nicäa oft als „der Glaube der 318 heiligen Väter“ bezeichnet. Das bezieht sich auf die 318 Bischöfe, die am ersten Konzil von Nicäa teilgenommen haben sollen; ihre Zahl sollte der Anzahl der Knechte entsprechen, mit denen Abraham in Gen 14,14 ausgezogen war.
Auf dem Konzil von Ephesos von 431 wurde das wörtliche Glaubensbekenntnis von Nicäa ausdrücklich bestätigt und erklärt, dass es nicht verändert werden dürfe.
Heutige Übersetzungen und die lateinische Version enthalten eingeboren oder einziggeboren beziehungsweise unigenitum, davon ausgehend, dass γενή von γεννᾶν „geboren“ komme. Allerdings übersetzen ältere lateinische Manuskripte des neuen Testaments μονογενή als unicus „einzigartig“.
Vergleich mit älteren Bekenntnissen
Das Bekenntnis von Nicäa weist Ähnlichkeiten zu älteren östlichen Glaubensbekenntnissen auf, lässt sich literarisch aber nicht eindeutig auf eine Vorlage zurückführen.
Die trinitarische Formulierung des Bekenntnisses (Ich glaube an einen Gott … Und an den einen Herrn Jesus Christus … Und an den Heiligen Geist …) ist sowohl im Apostolikum als auch in vielen anderen Taufbekenntnissen der damaligen Zeit zu finden. Dieser Aufbau des Bekenntnisses war bei dem Konzil kein Thema.
Die oben kursiv gesetzten Teile sind Zusätze des Konzils, die sich in keinem früheren Bekenntnis finden. In ihnen hat die Kirche Formeln gesucht, die die christologische Lehre der Kirche so ausdrückten, dass der Arianismus sie nicht arianisch interpretieren konnte – ältere Bekenntnisse wurden auch von den Arianern akzeptiert, da sie sie in ihrem Sinn auslegen konnten.
Strittig war am Konzil der Begriff homoousios (deutsch wesensgleich/wesenseins), der in der Bibel nicht vorkommt. Nach früherer Auffassung wurde er von Kaiser Konstantin I. oder dessen Hofbischof und Berater Ossius von Córdoba vorgeschlagen. Da gerade dieser Ausdruck für die Arianer in einem Glaubensbekenntnis inakzeptabel war, entschied sich das Konzil trotz Bedenken dafür.
Hubert Jedin (Hrsg.): Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. Herder, Freiburg im Breisgau 1973, ISBN 3-451-14024-1 (Handbuch der Kirchengeschichte, Band 2, erster Halbband).
John Norman Davidson Kelly: Altchristliche Glaubensbekenntnisse. 2. Auflage. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 978-3-8252-1746-4.
Volker Henning Drecoll: Nicaenisches Symbol. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 6, Mohr-Siebeck, Tübingen 2003, Sp. 280–281.
Stefan Silber: Eine einzige allmächtige Herrschaft? Annäherungen an die Kolonialität des Bekenntnisses von Nizäa. In: Verbum SVD 66 (2025) 1-2, 14-30.
Innsbrucker Theologischer Leseraum (Universität Innsbruck): Griechischer, lateinischer sowie aus dem griechischen übersetzter deutscher Text (Memento vom 12. Juni 2007 im Internet Archive)