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Bayreuther Festspiele

Jährliches Musiktheaterfestival in Bayreuth, Bayern, Deutschland

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Die Bayreuther Festspiele oder Richard-Wagner-Festspiele sind ein Musiktheaterfestival, das den zehn letzten Opern Richard Wagners (1813–1883) gewidmet ist. Das Festival findet seit 1876 mit Unterbrechungen, seit 1951 alljährlich im eigens dafür vom Komponisten gemeinsam mit dem Architekten Otto Brückwald (1841–1917) geschaffenen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth statt. Die Festspiele dauern in der Regel vom 25. Juli bis zum 28. August.

Leiterin ist Katharina Wagner, Verwaltungsratsvorsitzende ist Angelika Kaus und kaufmännischer Geschäftsführer ist interimsweise Heinz-Dieter Sense.

13. bis 30. August 1876: die ersten Bayreuther Festspiele

21 Festspiel-Jahrgänge (davon 1882 noch unter Beteiligung Richard Wagners), danach kriegs- und inflationsbedingte Unterbrechung

In zwölf Jahren fanden keine Festspiele statt: 1885, 1887, 1890, 1893, 1895, 1898, 1900, 1903, 1905, 1907, 1910, 1913

vier Jahre ohne Festspiele: 1926, 1929, 1932, 1935

1936: in zwei Spielzeiten geteilte Festspiele (19. bis 30. Juli und 18. bis 31. August)

1940 bis 1944: „Kriegsfestspiele“

1945 bis 1950: Ausfall aus politischen und finanziellen Gründen (sechs Jahre). Bis dahin gab es seit 1876 insgesamt 27 Jahre ohne Festspiele.

Seit 1951: Unterbrechungsfreie jährliche Durchführung (50. Nachkriegs-Festspiele: 2000)

2011 fanden die 100. Bayreuther Festspiele statt

2020 wurden die Festspiele wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt. Aus demselben Grund fanden die Festspiele 2021 mit reduzierter Zuschauerkapazität statt. Oksana Lyniv war am 25. Juli 2021 die erste Frau als Dirigentin auf dem Grünen Hügel. Sie leitete die Premiere des Fliegenden Holländers in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov.

2026: Zum 150. Jubiläum finden die 114. Festspiele statt

Richard Wagner wünschte sich ein Theater, an dem er als Komponist, Textdichter, Dramaturg und Intendant seine Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk verwirklichen konnte. Dieses sollte sich abseits der Metropolen – ohne Ablenkung und ohne die Kompromisse eines Repertoirebetriebs – voll und ganz der Darbietung seiner Werke widmen können. 1871 entschied er sich für Bayreuth als Standort. Anfang Februar 1872 gründete er den Verwaltungsrat der Festspiele, Vorsitzender wurde der örtliche Bankier Friedrich Feustel. Zur Finanzierung der von ihm auf 300.000 Taler geschätzten Kosten für den Bau eines Festspielhauses und die erste Saison gründete Wagner einen Patronatsverein, der unter der Leitung von Marie Gräfin von Schleinitz, einer Freundin seiner Frau Cosima Wagner, Anteilsscheine für jeweils 300 Taler ausgab. Der Käufer erhielt einen Sitzplatz für drei zyklische Aufführungen des Rings. Dies gilt als Erfindung des Fundraisings. Weitere Vereine gründeten sich in verschiedenen deutschen Städten. Bis zum Frühjahr 1873 konnten nur 340 Patronatsscheine abgegeben werden. Das Richtfest des Festspielhauses fand im Oktober 1873 statt, noch bevor die Finanzierung gesichert war. Anfang 1874 drohte die Einstellung des Baus wegen fehlender Finanzmittel, worauf König Ludwig II. von Bayern aus freundschaftlicher Verbundenheit mit Wagner ein Darlehen über 100.000 Taler aus seinem Privatvermögen zur Verfügung stellte.

Die Auswertung der Archive ergab, dass, wie auch in anderen Opernhäusern, Juden im laufenden Theaterbetrieb diskriminiert wurden. „Aber der erbittert judenfeindliche ideologische Rahmen, den Wagner selbst, seine Frau Cosima oder ihr Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain lieferten, den gab es woanders nicht. Dieses klare jüdische Feindbild gab es nur in Bayreuth,“ fasste Hannes Heer 2012 seine Forschung zusammen. Dennoch traten viele bedeutende jüdische Künstler regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen auf. Wagner selbst war mit dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi befreundet und konnte ihn, gemeinsam mit König Ludwig II., als Dirigent der Parsifal-Uraufführung 1882 gegen Anfeindungen von anderer Seite durchsetzen. Der österreichisch-amerikanische Bassbariton Friedrich Schorr war von 1925 bis 1931 als Wotan, Hans Sachs und Holländer engagiert. Eine enge künstlerische Zusammenarbeit verband Richard Wagner zudem mit dem deutsch-jüdischen Opernimpresario Angelo Neumann, der Wagners Ring-Inszenierung von 1876 in den Originalkulissen der Bayreuther Festspiele auf Theatertourneen durch ganz Europa bekannt machte. Die Inszenierungen hielten sich bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend an die Regieanweisungen im Originaltext und prägten eine Aufführungspraxis, die auch auf andere Opernhäuser stilbildend wirkte.

Zu den dunklen Kapiteln der Bayreuther Festspielgeschichte gehört die enge Verbindung der Familie Wagner mit Adolf Hitler. Beide Seiten profitierten davon: Das NS-Regime und der „Führer“ nutzten Bayreuth zur Selbstdarstellung, die Festspiele sicherten sich durch gute Kontakte zu den NS-Herrschern ihr Überleben. Hitler besuchte die Festspiele im Jahr 1925 sowie – mit Ausnahme des Pausenjahrs 1935 – von 1933 bis 1940.

Bis 1935 hatten die Festspiele nicht alljährlich, sondern mit Unterbrechungen stattgefunden. Dank der engen Verbindungen zum NS-Regime, das Bayreuth mit großzügigen Ticketkäufen unterstützte, kam es ab 1936 zu einem regelmäßigen Spielbetrieb. Der Wert der angekauften Eintrittskarten stieg zwischen 1936 und 1938 von 9390 Reichsmark auf 23.680 Reichsmark, für den neuen Parsifal zahlte das Propagandaministerium 150.000 Reichsmark. Hitler äußerte, aus dem Parsifal erbaue er sich seine Religion. Besonders die frühe Wagner-Oper Rienzi, der letzte der Tribunen und deren Erweckungsouvertüre begeisterten ihn. Die Geschichte des römischen Volkstribuns sah er als Vorbild für seinen eigenen Aufstieg.

Ab 1940 wurden auf Hitlers Anordnung vom 7. April hin „Kriegsfestspiele“ durchgeführt: Wehrmachtsangehörige, verwundete Soldaten, medizinisches Personal und Rüstungsarbeiter wurden mit Hilfe der NS-Organisation Kraft durch Freude zu kostenlosen Aufführungen eingeladen. Im Jahre 1944 fanden die letzten „Kriegsfestspiele“ statt.

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