Der Bayerische Rundfunk (BR) ist die Landesrundfunkanstalt im Freistaat Bayern mit Sitz in München. Er ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland ARD und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Der BR ist unter den ARD-Anstalten die viertgrößte nach WDR, SWR und NDR.
In seiner heutigen Rechtsform besteht der Bayerische Rundfunk offiziell seit dem 25. Januar 1949. An diesem Tag übergab der Direktor der US-Militärregierung in Bayern, Murray D. van Wagoner, die Lizenzurkunde an den BR-Intendanten Rudolf von Scholtz. Vorgänger war die Deutsche Stunde in Bayern.
1922: Deutsche Stunde in Bayern
Am 18. September 1922 gründeten die Geschäftsleute Herman Klöpfer, Kommerzienrat Josef Böhm, Ernst Ludwig Voss und Robert Riemerschmid in München die Deutsche Stunde in Bayern Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH. Am 21. November 1923 erteilte die Münchner Funkabteilung des Reichspostministeriums der Deutschen Stunde in Bayern die erste Sendekonzession.
Vier Monate später, am 30. März 1924, startete der Hörfunk mit der Ausstrahlung seiner ersten Sendung und läutete damit das Rundfunkzeitalter in Bayern ein. Gesendet wurde aus dem Verkehrsministerium an der Arnulfstraße. Die Übertragung erfolgte drahtlos in das Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Eröffnet wurde die Feier um 17 Uhr von Staatssekretär Georg Schätzel. 327 Rundfunkteilnehmer hörten die Feierstunde.
Am 2. August 1924 nahm der Sender Nürnberg mit einer Sende-Leistung von 250 Watt im Postgebäude am Bahnhof seinen Betrieb auf, am 1. September 1927 der Sender Augsburg.
Im Mai 1925 wurde in Berlin als Dachorganisation der regionalen Rundfunkgesellschaften im Deutschen Reich die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) gegründet, der zunächst die Gesellschaften NORAG (Hamburg), MIRAG (Leipzig), SÜWRAG (Frankfurt/M.) ORAG (Königsberg i. Pr.) und Schlesische Funkstunde (Breslau) beitraten. Die drei Gesellschaften in Berlin (Funk-Stunde), Münster (WERAG) und Stuttgart (SÜRAG) schlossen sich nach mitunter langwierigen Verhandlungen ebenfalls an, während aufgrund finanzieller Engpässe die nun als Bayerischer Rundfunk firmierende Anstalt erst 1931 Mitgesellschafter der RRG wurde.
Der Sendeablauf in München ähnelte dem der anderen deutschen Sender. Zu Beginn waren es hauptsächlich Zeitansagen, Nachrichten, Wetterberichte, Börsen- und Wirtschaftsnachrichten und über weite Strecken hinweg Musik, die das Programm bestimmten. „München“ sendete auf „Welle 485“. Die Einführung der Rundfunkgebühr erfolgte am 1. April 1924. Sie betrug monatlich zwei Reichsmark. Anfangs bestand das Wortprogramm neben den Nachrichten vor allem aus Rundfunkvorträgen. Hinzu kamen – mangels Aufnahmetechnik meist live – Hörspiele, Konzerte und Unterhaltungsabende. Zwei typische Sendungen, wie sie in Ankündungen vorkamen:
Sonntag, 5. Dezember 1926, 3.30 bis 4.00 Uhr nachmittags: Technische Plauderstunde. Moderne Kraftmaschinen und ihre Leistungen.
Donnerstag, 9. Dezember 1926, 6.30 bis 6.45 Uhr abends: Weißt du das? Zehn Minuten aus Welt und Wissen.
Am 23. September 1926 übertrug die „Deutsche Stunde in Bayern“ ihr Programm erstmals über den Deutschlandsender Königs Wusterhausen und von dort nach Amsterdam. Zwischen 1925 und 1930 wurde eine Schachsendung eingeführt, Opernübertragungen und Sportsendungen fanden statt, katholische und evangelische Sendungen wurden ins Programm genommen und die ersten Schulfunksendungen ausgestrahlt. Das von Richard Riemerschmid entworfene Funkhaus wurde im Juni 1929 als erstes gesellschaftseigenes Funkhaus Deutschlands fertiggestellt und bezogen.
1931: Bayerischer Rundfunk GmbH
Am 1. Januar 1931 wurde die „Deutsche Stunde in Bayern“ gemäß Beschluss der Gesellschafterversammlung in „Bayerischer Rundfunk GmbH“ umbenannt. Am 11. Februar 1932 verkauften die privaten Gesellschafter ihre Anteile am Münchner Sender an die Reichspost und den bayerischen Staat. Von da an fand Zug um Zug sowohl organisatorisch als auch in der Programmgestaltung eine staatliche Zentralisierung des Rundfunks statt. Diese Rundfunkstruktur erleichterte es den Nationalsozialisten, den Sender ab 1933 gleichzuschalten und zum Propagandainstrument auszubauen.
Nach der Machtübernahme Hitlers besetzten Nationalsozialisten im März 1933 das Funkhaus in München und hissten die Hakenkreuzfahne. Am 15. April 1933 holte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den ersten BR-Intendanten Kurt von Boeckmann zum Aufbau eines über Kurzwelle ins Ausland sendenden Propagandaprogramms nach Berlin. Von Boeckmann wurde der erste Intendant des Deutschen Kurzwellensenders mit weitreichenden Aufgaben, auch als Leiter der Auslandsabteilung in der Reichssendeleitung. Ihm folgte der Nationalsozialist Richard Kolb nach.
Um weit ins flache Land hinein ausstrahlen zu können, wurde 1932 ein 165 Meter hoher Sendeturm in Ismaning bei München erbaut. Für die Konstruktion verbaute man 300 Kubikmeter südamerikanisches Pechkiefernholz. 1983 wurde der Turm gesprengt.
Bereits im Sommer 1933 sendete München dreimal wöchentlich Hetzreden gegen die österreichische Regierung. Sie gipfelten am Abend des 5. Juli mit einer Ansprache des NSDAP-Landesinspektors in Wien, Theodor Habicht. Dieser nannte den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß einen Verräter, unterstellte ihm separatistische Tendenzen und rief die Österreicher dazu auf, in jeden Baum das Hakenkreuz zu schnitzen. Habicht gilt als Drahtzieher des Juliputsches 1934, in dessen Verlauf zwei Wochen später Dollfuß ermordet wurde.
Die regionalen Gesellschaften wurden nun zu Filialen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Ab dem 1. April 1934 waren die bisherigen Namen nach dem Schema Reichssender (Sitz) vereinheitlicht und der Bayerische Rundfunk wurde zum Reichssender München. Er war damit Teil des deutschen Einheitsrundfunks, der ab dem 1. Januar 1939 unter dem Namen Großdeutscher Rundfunk sendete.
Als Pausenzeichen des Reichssenders München fungierten die Gralsglocken aus dem Parsifal von Richard Wagner. „Der Rundfunk ist das modernste Massenbeeinflussungsmittel“, verkündete Goebbels am 23. April 1933 im Münchner Funkhaus als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und wies so auf den „neuen Kurs“ der nationalsozialistischen Rundfunkpolitik hin. Entscheidenden Anteil am Erfolg der NS-Propaganda zur Gleichschaltung der Bevölkerung hatte die Verbreitung preisgünstiger Empfangsgeräte, der sogenannten Volksempfänger. Am 18. August 1933 kam der Volksempfänger VE 301 auf den Markt. Goebbels stellte ihn auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin vor. Der vorgeschriebene Preis der Version für den Betrieb am Stromnetz betrug 76 Reichsmark; eine batteriebetriebene Ausführung kostete 65 Reichsmark. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde das Abhören von sogenannten Feindsendern unter Strafe gestellt. Ab Juni 1940 verlor der Reichssender München vollends seine eigene Programmhoheit. Er strahlte von nun an das Einheitsprogramm des Großdeutschen Rundfunks aus. Am 29. April 1945 wurde der Programmbetrieb des Reichssenders München eingestellt, der am 30. März 1924 mit der ersten Sendung der Deutschen Stunde in Bayern G. m. b. H. begonnen hatte. Das historische Archiv des Bayerischen Rundfunks hat in einer Übersicht mittels der Sender-Organigramme diese Entwicklungsgeschichte detailliert dokumentiert.