An diesem Tag

Bayerische Armee

Bayerisches Heer bis 1919

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Die bayerische Armee war die Armee des Kurfürstentums Bayern, ab 1777 des Kurfürstentums Pfalzbayern und ab 1806 des Königreichs Bayern. Sie existierte als stehendes Heer von 1682 bis zum Übergang der Wehrhoheit von Bayern auf das Deutsche Reich im Jahre 1919.

Auch wenn die bayerischen Streitkräfte hinsichtlich ihrer Größe nie mit den Armeen der europäischen Großmächte konkurrieren konnten, verschafften sie den Wittelsbachern genügend Handlungsspielraum, um die Mittelmacht Bayern im Rahmen einer effektiven Bündnispolitik vom territorial zerrissenen Kleinstaat zum zweitgrößten Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs nach Preußen zu entwickeln.

Kurfürstliche Söldnerheere vor 1682

Vor 1682 hatte Bayern bereits häufig Kriege geführt, unter Maximilian I. (1597–1651), dem Haupt der Katholischen Liga, war Bayern im Dreißigjährigen Krieg eine führende Militärmacht im Reich geworden,

der Kurfürst verfügte aber wie auch anderswo nur über erst bei Bedarf aufgestellte Truppen. Als erster Vorläufer eines Kriegsministeriums wurde schon 1620 von Maximilian I. der sogenannte Hofkriegsrat gegründet. In bayerischen Diensten stehende Feldherren wie Tilly, Pappenheim und Mercy prägten den Krieg im Reich entscheidend mit und unter dem Heerführer Johann von Werth wurde Frankreich selbst angegriffen. Maximilian begrüßte die Friedensverhandlungen auf Reichsebene, die 1635 zum Frieden von Prag führten. Er überließ die Verhandlungen dabei der kaiserlichen Seite, um nicht die notwendigen konfessionspolitischen Zugeständnisse verantworten zu müssen. Die Kurwürde Maximilians sowie dessen Besitz der Ober- und Unterpfalz wurden bestätigt. Allerdings wurde das Restitutionsedikt weitgehend zurückgenommen und Maximilian musste die Katholische Liga auflösen. Stattdessen wurde ihm ein Teil der neuen Reichsarmee unterstellt, die Maximilian in der Praxis wie eine bayerische Armee führte, diese aber auch finanzieren musste. Auch im weiteren Verlauf des Krieges spielte er eine bedeutende Rolle und versuchte eine eigenständige Politik teilweise auch gegen den Kaiser im Bündnis mit Frankreich zu betreiben. Im Westfälischen Frieden wurden ihm endgültig die Kurwürde und der Besitz der Oberpfalz bestätigt. Nach dem Krieg begann Maximilian mit dem Wiederaufbau seines Landes. Um die finanziellen Mittel dazu zu haben, wurde die Armee so bald wie möglich entlassen.

Unter Kurfürst Ferdinand Maria (1651–1679) wurden Soldaten dann bereits auf Rechnung des Kurfürsten angeworben, nicht mehr auf Rechnung der beauftragten Obersten. Von 1664 an wurde ein neu organisiertes Heer gebildet, dabei wurde beim Eintritt von Offizieren in die kurbayerische Armee die Zugehörigkeit zum katholischen Bekenntnis gefordert. Der Kurfürst selbst verfolgte eine strikte Neutralitätspolitik und hielt sich aus bewaffneten Konflikten heraus, nahm jedoch Subsidien aus Frankreich an, die er in den Ausbau der Armee steckte. Zwischen 1662 und 1664 beteiligte sich Bayern aber mit Hilfstruppen an den Türkenkriegen Österreichs.

Kurfürstliche Großmachtpolitik 1682 bis 1745

Aufgrund der Reichskriegsverfassung von 1681 war auch Bayern zur Stellung von Truppen für die Reichsarmee verpflichtet. Die Errichtung eines Stehenden Heeres wurde somit erforderlich, die Verstaatlichung des Kriegswesens war aber auch allgemein ein Element absolutistischer Machtpolitik. Am 12. Oktober 1682 wurden in einem Feldlager bei Schwabing die geworbenen Truppen in bayerischen Dienst genommen. Es wurden sieben Regimenter Infanterie, zwei Regimenter Dragoner und vier Regimenter Kürassiere sowie ein Artilleriekorps aufgestellt. Bereits damals war die mittelblaue Farbe charakteristisch für die Masse der bayerischen Infanterie (ab 1684 für die ganze), während die Kürassiere und Artillerie hellgraue Röcke trugen; Dragoner hatten rote oder blaue Röcke.

Sein noch von seinem Vater angehäufter Staatsschatz machte Kurfürst Maximilian II. Emanuel (1679–1726) sowohl für den römisch-deutschen Kaiser Leopold I. als auch für den französischen König Ludwig XIV. interessant. Zunächst betrieb er wie sein Vater eine Neutralitätspolitik zwischen Versailles und Wien. Die Reunionspolitik Ludwig XIV. führte zur Annäherung an den Kaiser. Beide Seiten schlossen 1683 vor dem Hintergrund der Türkengefahr und der expansiven Politik Frankreichs ein Verteidigungsabkommen, das kurze Zeit später um ein Militärabkommen ergänzt wurde.

Als die Türken im Großen Türkenkrieg 1683 Wien belagerten, kam der bayerische Kurfürst dem Kaiser militärisch mit etwa 11.000 Soldaten zu Hilfe. Mit bayerischer Beteiligung gelang es Kaiser Leopold I. und dem polnischen König Sobieski, Wien von den Türken zu befreien (12. September). Er war einer der wenigen Fürsten, die sich persönlich an der Schlacht beteiligten. Auch nach der Befreiung Wiens kämpften Maximilian Emanuel und die bayerischen Truppen im Großen Türkenkrieg. Das Heer zeichnete sich in der Folge insbesondere bei der Eroberung Belgrads im Jahr 1688 aus. Danach deckte der Kurfürst die Rheingrenze gegen Frankreich und wurde schließlich Generalstatthalter der Spanischen Niederlande. Der Kurfürst nahm weiterhin, als letzter Monarch in Bayern, auch selbst als Befehlshaber an den Schlachten teil.

Im Spanischen Erbfolgekrieg focht Bayern in Folge der Bayerischen Diversion auf der Seite Frankreichs. Die Zusammensetzung des Heeres war 1701 im Wesentlichen die gleiche wie in den Türkenkriegen, nur dass jetzt je drei Regimenter Kürassiere und Dragoner bestanden. Obwohl das Kurfürstentum Bayern damals gerade einmal 1,1 Millionen Einwohner hatte, unterhielt Max Emanuel eine Armee von 27.000 Mann. Im Sommer 1703 kam es zum Bayrischen Rummel in Tirol. Im September 1703 gewann Max Emanuel die Erste Schlacht bei Höchstädt mit den Franzosen unter Claude-Louis-Hector de Villars gegen die Kaiserliche Armee und Preußen. Im Juli 1704 verloren dann Max Emanuels Generale Maffei und Arco die Schlacht am Schellenberg. Danach bot die Haager Große Allianz des Kaisers mit England und den Vereinigten Niederlanden mit Eugen von Savoyen und dem Herzog von Marlborough ihre besten Feldherren gegen Bayern und Frankreich auf. Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Höchstädt im Folgemonat war das bayerische Heer faktisch aufgelöst, geringe Reste kämpften jedoch bis Kriegsende, so in der Schlacht bei Ramillies. Bayern wurde von den Österreichern besetzt, eine Volkserhebung, geführt durch die Bayerische Landesdefension, wurde in der Sendlinger Mordweihnacht und der Schlacht von Aidenbach blutig niedergeschlagen. 1715 konnte der Kurfürst die Herrschaft in Bayern wieder übernehmen und baute die Armee sogleich wieder auf. Schon im Frühjahr 1716 bot Max Emanuel dem Kaiser Truppenhilfe für den neuen Krieg gegen die Türken an, worauf Wien im Folgejahr auch einging.

1738/39 sandte der bayerische Kurfürst dann zur Unterstützung des Kaisers wie bereits 1717 nochmals ein starkes bayerisches Hilfscorp für den Kaiser in den Türkenkrieg, das dann prompt hohe Verluste erlitt. Da der französische Regent André-Hercule de Fleury Subsidien für Bayern aber auch für das von bayerischen Wittelsbachern regierte Kurköln reduziert hatte, konnte der bayerische Kurfürst sein künstlich aufgeblähtes Heer von mittlerweile über 40.000 Mann nicht aufrechterhalten. So kam man in München auf die Idee, dem Kaiser ein Truppenkontingent für den ungarischen Kriegsschauplatz zu überlassen, um wenigstens einen Teil des Heeres auf Kosten Wiens unterzubringen. Im für die Habsburgermonarchie katastrophal verlaufenden Türkenkrieg der Jahre 1736–1739 wurden die bayerischen Regimenter dann fast vollständig aufgerieben.

Beim überraschenden Tod Kaiser Karls VI. im Oktober 1740 war Kurfürst Karl Albrecht (1726–1745) daher weder militärisch noch finanziell darauf vorbereitet, die sich bietende Gelegenheit für sein Haus zu nutzen. Im Gegensatz zum preußischen König Friedrich II., der gestützt auf einen Staatsschatz sowie eine große und schlagkräftige Armee eigenständig handeln und sofort zuschlagen konnte, musste der bayerische Kurfürst warten, bis sein französischer Protektor endlich bereit war in einen Krieg um das österreichische Erbe einzutreten. Der Versuch des bayerischen Kurfürsten, im Österreichischen Erbfolgekrieg die Kaiserkrone zu erlangen, war zwar erfolgreich, endete jedoch abermals mit mehrfacher Besetzung Bayerns durch Österreich. Nach Anfangserfolgen hatte Bayerns mit Frankreich, Sachsen und Preußen verbündete Armee unter dem Befehl von Ignaz von Törring unglücklich agiert, die Lage besserte sich zeitweise, nachdem Friedrich Heinrich von Seckendorff in den Dienst des neuen Kaisers getreten war. 1742–45 wurden die kurbayerischen Truppen selbst zur Kaiserlichen Armee, was auch durch neue Fahnen mit kaiserlichem Doppeladler und goldenen Abzeichen propagiert wurde. Der Wittelsbacher Kaiser Karl VII. starb am 20. Januar 1745. Mit dem Tod Karls VII. endete das kurze frühneuzeitliche Kaisertum des Hauses Wittelsbach und damit auch der Versuch, Kurbayern aus dem Rang einer Mittelmacht herauszuheben.

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