Basra (arabisch البصرة, DMG al-Baṣra; auch Basrah oder Bassora) ist eine Stadt im Süden des Irak. Sie liegt am Schatt al-Arab etwa 100 Kilometer entfernt von dessen Mündung in den Persischen Golf und ist die wichtigste Hafenstadt des Landes. Basra ist Hauptstadt der an die iranische Provinz Chuzestan grenzenden Provinz Basra und nicht zuletzt wegen der Erdölindustrie die bedeutendste Stadt im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Südirak. Sie ist eine der ersten Städte, die von den Arabern nach der Eroberung des Vorderen Orients gegründet wurden.
Der Ursprung des Städtenamens Basra ist unklar. Er könnte auf ein arabisches Verb mit der Bedeutung ‚sehen‘ (Verbalstamm: baṣura) bzw. ein Verbalsubstantiv mit der Bedeutung ‚Sehschärfe‘ zurückgehen. ’Al-Zabīdī (Verfasser des Tāğ-ol‛arūs) erwägt auch eine persische Herkunft (möglicherweise volksetymologische Ableitung) von bas-rāh-hā („verkehrsreiche Wege“).
Mit 1.293.052 Einwohnern (Zensus 2024) ist sie nach Bagdad und Mosul die drittgrößte Stadt des Irak. Nahezu alle Einwohner sind Araber. Über 95 % der Einwohner sind Muslime, davon über 86 % Schiiten und 9 % Sunniten und kleinere Minderheiten wie Christen und Mandäern 5 %.
Basra liegt im Südirak am Persischen Golf an der Schatt al-Arab-Wasserstraße und ist 55 Kilometer vom Persischen Golf sowie 545 Kilometer von Bagdad entfernt. Die Stadt hat einen internationalen Flughafen.
Mit Durchschnittstemperaturen von +40 °C im Sommer und +12 °C im Winter ist die Gegend um Basra eine der heißesten der Welt.
Mittlere Juli-Temperatur: +38,5 °C
Mittlere Januar-Temperatur: +12,0 °C
Höchste je gemessene Temperatur: +53,8 °C am 22. Juli 2016 (eine der höchsten je auf dem Planeten gemessenen Temperaturen)
Tiefste je gemessene Temperatur: −1,2 °C am 29. Dezember 2006
Die Gegend um Basra ist eine wichtige Erdölförderregion, die Stadt selbst beherbergt Erdölraffinerien (mit einer Kapazität von 140.000 Barrel pro Tag) und chemische Industrie. Die Erdölfelder um Basra verfügen über 64 % der irakischen Erdölreserven. Gleichzeitig ist die Gegend um Basra eine fruchtbare Landwirtschaftsregion; es werden unter anderem Datteln, Reis, Mais, Gerste, Hirse und Weizen im Winter angebaut (der Sommer ist hierfür zu trocken und zu heiß).
Im Hafen von Basra wird 2019 ein neues Containerterminal in Betrieb genommen.
Der Flughafen Basra liegt im Westen der Stadt.
In Basra endet die Bahnstrecke Bagdad–Basra, die im Personenverkehr mehrmals pro Woche bedient wird. Die irakische und die iranische Regierung vereinbarten 2021, eine erste Bahnstrecke zwischen den beiden (früher erbittert verfeindeten) Ländern zu bauen. Die Arbeiten begannen Anfang September 2023 und sollen 18 bis 24 Monate dauern. Die 32 km lange Neubaustrecke führt von Basra über die Grenzstation Tschalamdscha (Shalamche) etwa ostwärts nach Iran. Dazu gehören der Bau einer Brücke über den Fluss Schatt al-Arab und die Räumung von Minen im Grenzgebiet.
Die Stadt verfügt über eine eigene Universität Basra.
Im Jahr 638 wurde auf Geheiß des Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb an der Stelle der alten persischen Siedlung Vaheštābād Ardašīr von General Utba ibn Ghazwan ein Militärstützpunkt und Handelsplatz gegründet. Die Araber benutzten den Stützpunkt, um von hier aus das Sassanidenreich zu bekämpfen. Um dieses Lager bildete sich die Stadt Basra.
Am 9. Dezember des Jahres 656 trafen bei Basra die verfeindeten Anhänger des vierten Kalifen und Schwiegersohns des islamischen Propheten Mohammed, ʿAlī ibn Abī Tālib, und dessen Gegner aufeinander, die Alis Anspruch auf das Kalifat bestritten. Die als Kamelschlacht in die Geschichte eingegangene Schlacht endete mit einem Sieg der Partei Alis. Bis Ende der 670er Jahre gaben in Basra Angehörige des arabischen Stammesverbandes der Tamīm sowie qaisitische Gruppen den Ton an, dann kam es durch Einwanderung der Azd zu einer Kräfteverschiebung. Während des Zweiten Bürgerkriegs (683–691) gehörte Basra zum Herrschaftsgebiet von ʿAbdallāh ibn az-Zubair, der zunächst den Mekkaner ʿAbdallāh ibn al-Hārith und dann seinen eigenen Bruder Musʿab ibn az-Zubair zum Statthalter über die Stadt ernannte.
Im frühen 8. Jahrhundert wirkten in Basra die einflussreichen islamischen Rechtsgelehrten Dschābir ibn Zaid († zw. 711 und 723), al-Hasan al-Basrī (642–728) und Qatāda ibn Diʿāma († 735/6). 720 brachte der arabische Militärführer Yazīd ibn al-Muhallab die Stadt in seine Hand und führte von ihr aus einen Aufstand gegen die Umayyaden durch. Die Stadt blieb aber weiter ein wichtiges Gelehrtenzentrum. Einer der wichtigsten Hadith-Gelehrten Basras um die Mitte des 8. Jahrhunderts war ʿAbdallāh ibn ʿAun († 768). Viele bekannte Rechts- und Traditionsgelehrte aus anderen Städten und Regionen, darunter al-Auzāʿī († 774), Sufyān ath-Thaurī († 778) und Yazīd ibn Hārūn († 821), kamen zum Studium nach Basra. Gleichzeitig fungierte die Stadt als Missionszentrum der ibaditischen Bewegung. Ihren kulturellen Höhepunkt erreichte Basra im 9. Jahrhundert, als hier die theologisch-philosophische Strömung der Muʿtazila ihr Zentrum hatte. Ihr gehörten auch Literaten wie al-Dschāhiz (776–869) an. Im folgenden Jahrhundert war die Stadt das Zentrum der „Brüder der Reinheit“ (arabisch Ikhwan as-Safa, اخوان اصفاء), einer philosophisch-religiösen geheimen Bruderschaft, deren Enzyklopädie Einfluss auf die islamische Wissenschaft hatte. In Basra wirkte auch al-Hariri (1054–1122), ein arabischer Dichter und Grammatiker, der durch seine Makamen bekannt wurde.
Bis zur Invasion der Mongolen unter Hülegü im 13. Jahrhundert war Basra ein florierendes Handelszentrum und eine Metropole. Seitdem verlor die Stadt immer mehr an Bedeutung. Der Reisende Ibn Battūta fand die Stadt im 14. Jahrhundert größtenteils verfallen vor. Nach den Ilchanen herrschten verschiedene Dynastien über Basra, wie beispielsweise die Dschalairiden, die Safawiden und seit dem 16. Jahrhundert die Osmanen. Afrasiyab († 1624), ein lokaler Großgrundbesitzer, lavierte zwischen Safawiden und Osmanen, knüpfte Kontakte zu den Portugiesen und konnte ab 1612 eine weitgehend selbständige Herrschaft über Basra errichten. Seine Nachfolger Ali und Hussein beherrschten die Stadt noch bis 1668, ehe sie wieder von den Osmanen unterworfen wurde, die 1639 mit den Safawiden Frieden geschlossen hatten. Von 1697 bis 1701 befand sich Basra aber wieder unter Kontrolle der Safawiden.