Die Basler Fasnacht, lokal auch die drei scheenschte Dääg (die «drei schönsten Tage») genannt, ist die grösste Fasnacht der Schweiz. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4 Uhr morgens mit dem Morgestraich, dauert exakt 72 Stunden und endet also am Donnerstagmorgen wiederum um 4 Uhr mit dem Ändstraich. In dieser Zeit wird die Basler Innenstadt von den Fasnächtlern beherrscht, die mit ihren Cliquen und Guggenmusiken durch die Strassen, Kneipen und Geschäfte ziehen.
Im Jahre 2017 ist die Basler Fasnacht in das immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen worden.
Das Wort Fasnacht geht zurück auf das mittelhochdeutsche vastnaht, also Fasten-Nacht, Vorabend zur Fastenzeit. Vor allem im süddeutschen Raum wurde das t aber schon früh eliminiert, im Mittelalter wurde im Gebiet der heutigen Schweiz fast ausschliesslich Fasnacht ohne t geschrieben. Ab dem 17. Jahrhundert wurde auch im Gebiet der heutigen Schweiz zunehmend die deutsche Standardsprache als einheitliche Schriftsprache eingeführt und damit vermehrt Fastnacht mit t geschrieben. Erst in neuerer Zeit wird in der Schweiz wieder konsequent Fasnacht ohne t geschrieben. Das Basler Fasnachtscomité änderte 1925 die Schreibweise von Fastnacht zu Fasnacht.
Ursprünglich war die Fasnacht ein Fest, um noch einmal «auf den Putz zu hauen», bevor die entbehrungsreiche vierzigtägige vorösterliche Fastenzeit begann. Ausserdem wurden dabei auch die Vorräte an verderblichen Speisen aufgebraucht. Die Einhaltung des Fastengebots war im Mittelalter obligatorisch. Der ursprüngliche christliche Brauch verlangte, an den vierzig Tagen vor dem Ostersonntag zu fasten. Dieses Fastengebot wurde 1091 von der Synode von Benevent dahingehend abgemildert, als dass fortan an Sonntagen das Fasten unterbrochen werden durfte. Weil aber weiterhin vierzig Tage gefastet werden sollte, verschob sich der Beginn der Fastenzeit auf den sechs Tage früheren Aschermittwoch.
Diese Änderung stiess nicht überall auf Gegenliebe, und so bestanden fortan zwei Fasnachtstermine nebeneinander: Zum einen die «Herren-» oder «Pfaffenfasnacht», die sich am Beschluss des Konzils von Benevent orientierte, zum anderen die «Bauernfasnacht» am ursprünglichen Termin. Die Bezeichnungen deuten schon an, dass erstere vor allem von den wohlhabenderen Kreisen, letztere vom gemeinen Volk begangen wurde. Bis heute ist auch die Redewendung gebräuchlich: Kunnsch hindedryy wie die alt Fasnacht! («du bist zu spät wie die alte Fasnacht»).
Die Basler Fasnacht findet also zum «Bauernfasnachtstermin» statt. Zur Frage, wann und wieso sich in Basel dieser durchgesetzt hat, gibt es bis heute keine überzeugende Erklärung. Auch im übrigen alemannischen Raum haben sich bis heute viele Bräuche der Bauernfasnacht erhalten. Die weit verbreitete Meinung, der abweichende Fasnachtstermin hänge mit dem Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender zusammen, ist falsch. Das ergibt sich schon allein daraus, dass beim Kalenderwechsel 10 Tage übersprungen wurden, was mit dem Fasnachtstermin nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.
Im Jahr 1529 erklärte sich Basel offiziell zur reformierten Stadt. Damit wurden unter anderem das Fastenobligatorium abgeschafft und die Fasnacht verboten. Anders als in anderen reformierten Orten konnte die Obrigkeit in Basel aber das Fasnachtsverbot nicht durchsetzen. So blieb die Basler Fasnacht als einzige «protestantische Fasnacht» der Schweiz erhalten. Es kursieren viele Anekdoten, wie die evangelische Kirche bis in die neuere Zeit vergeblich gegen die Fasnacht und den damit verbundenen Sittenzerfall predigte. Auch die Obrigkeit versuchte verschiedentlich, die Fasnacht zu verbieten, und verhängte teilweise empfindliche Strafen, wohl auch darum, weil sie das subversive Potential der Fasnacht fürchtete; doch alle diese Verbote hatten keinen dauerhaften Erfolg. Teilweise wurde das Verbot unter dem Deckmantel von Zunftessen und zünftigen Waffenmusterungen umgangen, worin der Grund für die teilweise militärischen Anklänge der Basler Fasnachtsbräuche liegt.
Zählt man im Kalender, ausgehend vom Ostersamstag (andernorts auch Karsamstag genannt) als letztem Fastentag, vierzig Tage zurück, so landet man beim Basler Fasnachtsdienstag als erstem Fastentag. Damit beginnt die Basler Fasnacht am Montag zwar am «korrekten» Datum, dauert dann aber bis in die Fastenzeit hinein. Das ist aber kein Widerspruch, denn einerseits ist die heute aktuelle Form der Fasnacht, also die Dauer von drei Tagen, mitnichten eine uralte Tradition, sondern hat sich erst in jüngerer Zeit entwickelt, und andererseits war die Fastenzeit seit der Reformation in Basel ohnehin abgeschafft.
Der frühestmögliche Termin für den Morgestraich ist der 9. Februar, der spätestmögliche der 15. März.
Die Basler Fasnacht – im Folgenden einfach Fasnacht genannt – unterscheidet sich stark vom rheinischen «jecken» Karneval. Dafür sorgt schon die strikte Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern.
Jeder der ca. 18'000 aktiven Fasnächtler trägt ein Kostüm mit einer Larve (Maske). Darunter werden das Gesicht und der gesamte Körper verdeckt, der Träger des Kostüms ist nicht zu erkennen. Es gehört zum guten Ton, dass ein Fasnächtler sich nicht in der Öffentlichkeit erkennen lässt. Die Cliquen tragen, ausser beim «Morgestraich» und am Fasnachts-Dienstag, einheitliche Kostüme, die meist dem Sujet (Thema) der Clique angepasst sind. Oft sind die Larven Personen des öffentlichen Lebens (Politikern und anderen Prominenten) nachempfunden, manchmal auch Comic-Figuren oder Tieren. Es gibt aber auch traditionelle Larven, etwa jene die an die französische Armee der Napoleonischen Kriege erinnern, Harlekine, Alte Tanten oder die vor allem bei Einzelpersonen und Wagencliquen beliebten Waggis-Larven.
Am auffälligsten sind die Pfeifer- und Tambouren-Cliquen. Diese spielen bei ihrem Gang durch die Innenstadt Märsche, ihre Piccoloflöten werden vom Rhythmus ihrer Basler Trommeln begleitet. Die Basler Innenstadt wird somit in diesen drei Tagen zum Platz des grössten Pfeiferkonzerts der Welt. Eine Clique besteht meist aus einem «Vortrab» (Platzmacher), den Pfeifern, dem Tambourmajor (Dirigent) und den Tambouren (Trommlern). Die Cliquen folgen dabei keinen bestimmten Routen (ausser am Cortège). Es kommt dabei immer mal vor, dass sich der Weg mehrerer Cliquen kreuzt. In dem Fall bleibt eine Clique stehen und wartet, bis die andere passiert hat. Steht man als Zuschauer einer Clique im Weg, wird man vom «Vortrab» freundlich beiseitegeschoben.
Neben den pfeifenden Cliquen nehmen Guggenmusik-Gruppen mit Blechblasinstrumenten an der Fasnacht teil. Diese sind allerdings nicht beim «Morgestraich» anzutreffen, sondern nur bei den Cortèges am Montag und Mittwoch und an den Abenden, insbesondere am Dienstagabend bei den Gugge-Konzerten. Weiterhin ziehen viele Einzelpersonen und kleine Gruppen durch die Strassen. Die Einzelpersonen werden als «Maske» bezeichnet, die kleinen Gruppen aus Pfeifern und Trommlern als «Schyssdräggziigli». Zudem bewerfen als «Waggis» kostümierte Einzelpersonen oder kleine Gruppen «ahnungslose» Zuschauer mit Konfetti (im Baseldeutsch Räppli genannt) beziehungsweise stopfen es diesen auch mal in die Jacke.
Die meisten Cliquen haben sich für die Fasnacht ein sogenanntes Sujet (französisch für «Thema») vorgenommen, das während der Fasnacht präsentiert wird. Es handelt sich dabei um Themen der Zeitgeschichte, an denen in meist satirischer Form Kritik geübt wird. Die Sujets werden beim Morgestraich auf Laternen dargestellt. Beim Cortège sind auch die Kostüme, Larven und oftmals ein Requisit dem Thema angepasst. Praktisch alle Cliquen verteilen ausserdem passende Zeedel (Handzettel mit ironischen Versen).
Bräuche und Höhepunkte der Fasnacht
Der Morgestraich am Montagmorgen um 4 Uhr ist der Auftakt der Fasnacht. Zu diesem Zeitpunkt wird die Innenstadt praktisch vollständig verdunkelt und die Basler Stadtwerke schalten die Strassenbeleuchtung aus. Das einzige Licht kommt von den Laternen der Cliquen, die darauf ihre Sujets präsentieren. Vor den Cliquen wird eine grosse, bis zu 4 m hohe Zuglaterne getragen oder auf einem Wagen gezogen. Die Aktiven tragen zudem eine Kopflaterne. In einigen Cliquen sind diese einheitlich und dienen als Erkennungsmerkmal für die Zugehörigkeit zur Clique, da die Fasnächtler am Morgestraich traditionell keine einheitlichen Kostüme tragen. Diese offene Kleiderordnung wird Charivari genannt.