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Bartolomé de Las Casas

Dominikaner und Jurist in den spanischen Kolonien in Amerika

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Bartolomé de Las Casas (* 1484 oder 1485 in Sevilla; † 18. Juli 1566 im Dominikanerkloster Nuestra Senora de Atocha vor den Mauern Madrids) war ein spanischer Theologe, Dominikaner und Historiker sowie der erste Bischof von Chiapas im heutigen Mexiko. Las Casas hielt sich ab 1502 zunächst als Kolonist auf den von Spanien annektierten Inseln Hispaniola und Kuba auf, wurde ab 1514 dann aber einer der schärfsten und meistbeachteten Kritiker der Conquista sowie Streiter für die Würde der Indigenen Völker Amerikas in den eroberten Gebieten. Er verfasste detaillierte historische Abhandlungen über die Ereignisse in der Zeit zwischen 1492 und 1536, deren Augenzeuge er in vielen Fällen war, und Streitschriften für die Rechte der Indianer. Er wurde auch als „Apostel der Indianer“ bezeichnet.

Bartolomé de Las Casas wurde 1484 oder 1485 in Sevilla geboren. Lange wurde 1474 als sein Geburtsjahr angenommen. Daher wurde in Spanien und Lateinamerika 1974 sein 500. Geburtstag gefeiert. Im Jahre 1976 wurde eine Gerichtsakte aus dem Jahr 1516 gefunden, in der Las Casas als Zeuge zu Protokoll gab, 31 Jahre alt zu sein. Das daraus folgende Geburtsjahr 1484/85 gilt heute als gesichert. Meist wird 1484 als Geburtsjahr angegeben.

Las Casas wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war Kaufmann, seine Mutter betrieb eine Backstube. Las Casas besuchte die Kathedralschule in Sevilla und studierte danach alte Sprachen, Geschichte und Philosophie.

Er hatte früh Bezug zu der einsetzenden Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die Spanier, denn sein Vater Pedro und sein Onkel Francisco Peñalosa begleiteten Christoph Kolumbus auf dessen zweiter Reise auf die Insel Hispaniola. Von dieser brachte der Vater dem Vierzehnjährigen einen indigenen Jungen mit, der auf der Insel versklavt worden war. Es entwickelte sich für eineinhalb Jahre ein intensives Verhältnis zwischen den beiden Jungen. Da die spanische Königin Isabella I. die Versklavung ihrer neuerworbenen Untertanen für unrechtmäßig erklärte, wurden die nach Spanien Gebrachten jedoch wieder in ihre Heimat zurückgeschickt. Auf Hispaniola trafen sich beide später wieder.

Eroberer und Kolonist (1502–1514)

Am 13. Februar 1502 brach Las Casas selbst in die Neue Welt auf, um sich auf Hispaniola niederzulassen. Er nahm dort als Soldat an zwei Feldzügen teil, in denen die letzten freien Ureinwohner der Insel, die Taíno, unter spanische Herrschaft gebracht werden sollten. Danach erhielt er eine Zuteilung von Land und von Indigenen, die für ihn arbeiten mussten (Encomienda). Von 1506 bis 1507 begab sich Las Casas auf eine Reise nach Rom, um die Priesterweihe zu empfangen.

1511 nahm er als Konquistador an der Eroberung Kubas teil. Die Eroberer unter Diego Velázquez de Cuéllar trafen auf Widerstand der dort lebenden Taíno. Sie nahmen den Kaziken der Provinz, Hatuey, gefangen und verbrannten ihn bei lebendigem Leib. Vor der Hinrichtung versuchte ein Franziskanerbruder, ihn zur Konversion zum Christentum zu bewegen, damit er nach dem Tod in den Himmel käme. Las Casas überlieferte später die Antwort Hatueys:

Im Laufe des Feldzuges wurde Las Casas zum Feldkaplan berufen. Er setzte sich dafür ein, dass die Zusammentreffen zwischen Spaniern und Indigenen möglichst friedlich verliefen. Trotzdem kam es zu einem Massaker, das er in seiner Historia general de las Indias beschrieb. Dank seiner Autorität konnte er dabei 40 Menschen das Leben retten, indem er sich den spanischen Soldaten entgegenstellte. Nach der Eroberung bewirtschaftete er gemeinsam mit einem Partner eine Encomienda. Mit den ihm zugeteilten Indigenen baute er einen landwirtschaftlichen Betrieb auf, andere schickte er in die Goldminen.

Seitdem eine Gruppe Missionare des Dominikanerordens im Jahre 1510 in die Neue Welt gekommen waren, predigten sie gegen die ungerechte Behandlung der Ureinwohner durch die spanischen Eroberer. Am vierten Adventsonntag 1511 hielt der Dominikaner Antonio de Montesinos (1480–1540) in der Kirche von Santo Domingo die sogenannte „Adventspredigt“. Die anwesenden spanischen Kolonisatoren fragte er:

Aus diesen Gründen verweigerten die Dominikaner jedem die Absolution, der Indigene besaß. Als Las Casas bei einem Dominikaner die Beichte ablegen wollte, wurde auch ihm diese verweigert. Er begann ab 1514, seinen Lebensstil zu überdenken:

Ein Schlüsselmoment war, als er die Predigt zum Pfingstfest 1514 vorbereitete und dabei auf diese Verse im Buch Jesus Sirach stieß:

Las Casas gab seine Indianer an den Gouverneur von Kuba zurück und verließ die Insel im Sommer 1515.

Eintreten für die Rechte der Indigenen, Missionsversuche in Venezuela

Der spanische König Ferdinand II. hatte Ende 1512 die Gesetze von Burgos erlassen, die die Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner beschränken sollten. Beispielsweise wurde es verboten, Kinder unter vierzehn Jahren zur Zwangsarbeit zu verpflichten, außerdem wurde die Dauer der Zwangsarbeit auf neun Monate pro Jahr festgelegt. Las Casas gingen diese Gesetze nicht weit genug, und er erreichte dank seiner Beziehungen zum Erzbischof von Sevilla Diego de Deza eine Audienz beim König. Am 23. Dezember 1515 kam es zu einem kurzen Gespräch am Hof in Plasencia. Ferdinand starb am 23. Januar 1516, so dass ein weiteres vereinbartes Gespräch nicht mehr stattfand. Las Casas begab sich nach Madrid, um auch die neue Regierung des damals sechzehnjährigen Karl I. von Spanien von der Dringlichkeit seines Anliegens zu überzeugen. Er versuchte vor allem, eine angemessene Lebensgrundlage der zur Arbeit verpflichteten Indigenen, deren ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln sowie ärztliche Versorgung durchzusetzen.

Am 17. September 1516 wurde Las Casas zum „Universellen Prokurator aller Indianer in Westindien“ berufen. Damit vertrat er von nun an offiziell deren Interessen vor dem König und vor dem Indienrat. In dieser Zeit schrieb er seine ersten drei Denkschriften, die er zur Rettung der Indigenen verfasste. Im dritten Memorial urteilt er über die Folgen der Ausbeutung durch die spanischen Siedler:

Las Casas erreichte die Einsetzung einer Untersuchungskommission auf Hispaniola, mit der er am 11. November 1516 erneut in See stach. Die Arbeit dieser Kommission wurde vor Ort jedoch unmöglich gemacht, so dass er im Mai 1517 nach Spanien zurückreiste. Er wurde von Karl I. zum königlichen Kaplan ernannt.

Da auf den Großen Antillen inzwischen kaum Einheimische überlebt hatten, wandte sich Las Casas neuen Missionszielen zu. Am 19. Mai 1520 unterzeichnete er einen Vertrag mit dem König, der ihm die venezolanische Küste als Siedlungs- und Missionsgebiet zusprach. Das zugewiesene Gebiet umfasste die Küste von der Halbinsel Paria bis Santa Maria im heutigen Kolumbien sowie alle landeinwärts gelegenen Gebiete. Damit hätte es bis zur damals noch nicht bekannten Südküste, also bis an die Magellanstraße gereicht und somit etwa die Hälfte des südamerikanischen Kontinents eingenommen. Am 14. Dezember stach Las Casas mit seinen Siedlern in See. Er wurde aber auf Hispaniola aufgehalten; seine Siedler schlossen sich einer Sklavenexpedition an. Er fuhr daraufhin weiter nach Venezuela und lebte dort als Gast von Missionaren des Franziskanerordens in Cumaná. Die Patres bewirtschafteten dort einige Felder und versuchten, die Eingeborenen von ihren freundlichen Absichten zu überzeugen. Die friedliche Mission endete allerdings mit der Ankunft von spanischen Sklavenjägern. Während sich Las Casas im Dezember 1521 mit dem Schiff nach Hispaniola begab, um gegen weitere Raubzüge einzutreten, töteten die Indigenen die Ordensbrüder in der Annahme, dass sie gemeinsame Sache mit den Sklavenjägern gemacht hätten. Las Casas zog sich nach diesem Misserfolg ins Kloster zurück. Das ihm zugewiesene Gebiet in Venezuela wurde 1526 vom König an die Welser verpfändet, die dort ihre Kolonie Klein-Venedig (Venezuela) gründeten.

1522 begann Las Casas ein Noviziat im Dominikanerkonvent von Santo Domingo. 1526 ging er mit zwei Ordensbrüdern nach Puerto Plata an der Nordküste Hispaniolas, um dort einen neuen Konvent zu gründen. Dort begann er auch mit der Arbeit an seiner umfassenden Historia general de las Indias.

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