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Bartholomäus Anhorn der Ältere

Schweizer reformierter Pfarrer und Historiker

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Bartholomäus Anhorn der Ältere (* 1. Juli 1566 in Fläsch; † 29. Januar 1642 in Gais AR) war ein Schweizer evangelisch-reformierter Pfarrer, Historiker und Chronist in Graubünden und in Appenzell Ausserrhoden.

Bartholomäus Anhorn d. Ä. wurde am 1. Juli 1566 als Sohn des Ulrich Anhorn (1514–99) und seiner Frau Katharina Adanck († 1587) in Fläsch in der Bündner Herrschaft im schweizerischen Kanton Graubünden geboren. Sein Vater war Landwirt, Geschworener und Säckelmeister. Der Sohn besuchte die Lateinschule in Chur, und ab 1582 studierte er in Zürich an der Schola Tigurina, der Vorläuferschule der Universität Zürich. 1586 wurde er ordiniert und in die Bündner Synode aufgenommen, was ihm erlaubte, in den Drei Bünden als Pfarrer tätig zu sein. 1587 wurde er Pfarrer in seiner Heimatgemeinde Fläsch. An dieser Pfarrstelle blieb er – mit einem kurzen Unterbruch 1605 – bis 1612. Ab 1596 betreute er als Prediger zusätzlich Maienfeld, wo er bis 1621 tätig blieb.

1612 predigte er in der reformierten Gemeinde in Zizers, zwei Jahre später in Trimmis. Dadurch machte er sich bei den Katholiken unbeliebt, und er musste 1621 zu Beginn der Bündner Wirren vor den einmarschierenden Österreichern flüchten und ging ins St. Galler Oberland. 1622 kehrte er kurzzeitig nach Maienfeld zurück. In der reformierten Gemeinde Speicher im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurde Anhorn 1623 Pfarrer, 1642 übernahm er noch die Gemeinde Gais, wo er bis zu seinem Tod am 29. Januar 1642 tätig war.

Bartholomäus Anhorn der Ältere verbrachte seine letzten zwanzig Lebensjahre zwar ausserhalb seiner Heimat Graubünden, gilt aber dennoch als wichtiger Beobachter und Chronist der Bündner Wirren. Seine Werke gelten als eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte Graubündens im frühen 17. Jahrhundert. 1607 prangerte er in seinem ersten historischen Werk Bündner Aufruhr Strafgerichte, Ämterkauf, Pensionenunwesen und die Verwilderung der Bündner Justiz als Hauptursachen des staatlichen Zerfalls an. In seinem Hauptwerk Der Graw Pünter Krieg (1603–1629) stellte er detaillierte Schilderungen der Kriegsereignisse der Bündner Wirren dar. Nach seiner Emigration ins Appenzellerland verfasste er 1625 mit der Appenzeller Chronick die erste breitere Darstellung der Geschichte seiner Wahlheimat.

1587 heiratete Anhorn Barbara Hochreutinger aus St. Gallen, die 1592 starb. Im gleichen Jahr heiratete er Barbara

Engeli. Sie hatten ein Sohn aus der ersten und sechs Kinder aus der zweiten Ehe. Der bekannteste Sohn war der Pfarrer Daniel Anhorn (1594–1635), der den Namen Anhorn von Hartwiss begründete; dessen Sohn war Bartholomäus Anhorn von Hartwiss. Er war wie sein Grossvater evangelisch-reformierter Pfarrer und Historiker in den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Zürich und auch in der deutschen Pfalz.

Pünter Ufrur (deutsch: Bündner Aufruhr oder Bündner Wirren), 1607; Conradin von Mohr, Chur 1862.

Der Graw Pünter Krieg (1603–1629), Conradin von Mohr, Chur 1873; digitalisiert Harvard 2018.

Kurze/einfalte Beschreibung deß Lebens und Sterbens deß Hans Luzi von Moos, entschlaffen den 23. Decemb inm 1616. Jahr, 1617.

Erschrockenliche Zeytung, wie der schöne Haupt Flecken Plurs in der Graffschaft Cleven inn der nacht auff den 25. Augusti 1618 undergegangen ist, Lindau 1618.

Kurtze wahrhaffte Relation was massen ... den Einwohnern des Zehen Gerichten Pundts ... abgetrungen worden, 1622.

Chronik der Stadt Maienfeld, postum Maienfeld/St. Gallen 1992 herausgegeben von A. von Sprecher.

Ernst Haffter: Zur Charakteristik von Bartholomäus Anhorns des Älteren Grauw Püntner Krieg, in: Anz. für Schweizer Geschichte, NF 7, Bern 1894–97, S. 546-52; 8, 1889–1901, S. 151.

Lorenz Heiligensetzer, Ursus Brunold, Elisabeth Reber, Ursula Brunold-Bigler: Vita Bartholomaei Anhornii. Die Autobiographie des Pfarrers Bartholomäus Anhorn (1566–1640) aus der Zeit der Bündner Wirren, Quellen und Forschungen zur Bündner Geschichte, Band 32, Staatsarchiv Graubünden, Chur, ISBN 978-3-85637-477-8.

Christian Immanuel Kind: Anhorn, Bartholomäus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 464 f.

Johann Jacob Leu: Allgemeines helvetisches, eidgenössisches od. schweitzerisches Lexikon I, Zürich 1747.

Franz Georg Maier: Anhorn, Bartholomäus. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 297 (deutsche-biographie.de).

Gerold Meyer von Knonau: Ein Märtyrer der katholischen Kirche in einem schweizerischen Alpental, Jahrbuch des SAC, 1910.

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