Das Barfüsserkloster war ein Kloster der Franziskaner, eines Barfüsser- und Bettelordens, in der Stadt Zürich. Es gehörte zur Oberdeutschen (Strassburger) Franziskanerprovinz, Provincia Argentina, und lag in der Diözese Konstanz. Das Kloster lässt sich seit 1247/48 nachweisen und wurde 1524 aufgehoben.
Das Barfüsserkloster lag am südöstlichen Rand der Altstadt unmittelbar hinter den Stadtmauern in der Nähe des Neumarkt- oder Kronentores am Ende des Neumarktes und des Lindentores am Ausgang der Kirchgasse. Im Osten wurde das Areal durch die Stadtmauer und den Hirschengraben begrenzt, im Nordwesten durch die Häuser am Neumarkt und im Südwesten durch die Gasse der Unteren Zäune. Die Ausrichtung der Gebäude von Südost nach Nordwest dürfte durch den Verlauf des Wolfbachs bestimmt worden sein.
Über die Gründung des Barfüsserklosters liegen keine schriftlichen Quellen vor. In der Chronik von Johannes Stumpf heisst es: Disen Munchen des Barfoterordens ward in der Statt Zürych auch ein closter gebauen durch die burger, des ich doch kein jarzahl find, doch ist es im 1240 schon in wirden gestanden. Und Heinrich Bullinger schreibt: Das Barfüsserkloster ist nitt unlang nach dem predigerkloster um das Jahr 1240 angehept und buwen worden, durch hilff der Burgern und des Bätgelds. Diese Angaben lassen auf eine Gründung um 1238 schliessen, die vermutlich von Konstanz aus initiiert wurde; der Franziskanerorden war 1210 in Italien gegründet worden, ab 1221 entstanden zahlreiche Klöster nördlich der Alpen.
Die Frage nach der Stifterschaft bleibt angesichts der dünnen Quellenlage offen. Als Stifter sind eher mehrere Adlige als ein Einzelner zu vermuten. Die Zürcher Barfüsser standen in enger Beziehung zum Adel aus der Umgebung wie zum Beispiel den Grafen von Kyburg und traten als deren Zeugen oder gar Siegler auf. Auch zu den Regensbergern bestanden Beziehungen, wurde doch Ulrich I. von Regensberg (1230–1281) in der Kirche des Barfüsserklosters bestattet. Die Art dieser Beziehungen ist jedoch nicht bekannt.
Auch zu den führenden Familien und einflussreichen Politikern Zürichs bestanden gute Kontakte. Zu den Pflegern des Klosters gehörten unter anderen Jakob (1247) und Rudolf Mülner (1287), Heinrich Bilgeri (1324) und Bürgermeister Rudolf Brun (1349).
Das Kloster war mehrere Male Schauplatz von Versammlungen von überregionaler Bedeutung. 1310 urkundete König Heinrich VII. im Beisein zahlreicher Bischöfe und Adligen, und 1336 wurde hier nach dem Umsturz die Brunsche Zunftverfassung beschworen und Brun zum Bürgermeister gewählt. Auch bot das Kloster Raum für öffentliche Versammlungen und Beratung von Rechtsgeschäften der Bürger.
Politisch gesehen standen die Franziskaner auf Seiten des Volkes und stellten innerhalb der städtischen Politik einen gewissen Machtfaktor dar. Auch ab 1350, nach dem Rückgang der Bedeutung der Barfüsser, blieb das gute Verhältnis zur Stadt bestehen. Das Klosterareal wurde weiterhin für Versammlungen in Anspruch genommen.
Über die Organisation des Klosters liegen nur spärliche Quellen vor. Klosteroberer war der Guardian, dem ein Vizeguardian zur Seite stand. Lektoren übten das Amt eines Lehrers aus. Dazu kamen mehrere Ordensleute für Betrieb und Verwaltung des Klosterbesitzes.
Für einen Friedhof beim Barfüsserkloster liegen keine Quellen vor, ein solcher wird erst im Spätmittelalter erwähnt. Bei der ersten Grablege handelt es sich wahrscheinlich um diejenige von Ulrich von Regensberg von 1281. Gegen 1300 nahmen die Barfüsser je länger je mehr Stiftungen für Grablegungen auch für Laien entgegen. Aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind mehrere davon überliefert, so stiftete 1416 Anna Gloggnerin 23 Pfund an den Konvent und bat, hier bestattet zu werden und 1450 kaufte Ritter Gotfried Escher eine Grablege vor dem Altar; auch seine beiden Söhne Johannes und Heinrich sowie sein Enkel Jakob († 1524) wurden hier bestattet.
Der Friedhof lag an der westlichen Ecke der Kirche, 1936 wurden dort mehrere Bestattungen entdeckt. Nach der Reformation wurde der Friedhof zum Platz umgestaltet. Ein 1484 erwähntes Beinhaus stand an der Nordwestecke des Langhauses.
Um 1300 begann der Konvent, in der Umgebung des Klosters Häuser zu kaufen und darin alleinstehende Frauen unterzubringen. Auf diese Weise entstand zwischen den Oberen und den Unteren Zäunen ein Beginenquartier. Die Frauen stammten meist vom Land aus unteren Bevölkerungsschichten. Zudem übte der Zürcher Konvent die Aufsicht über Ordensgemeinschaften auch ausserhalb der Stadtmauern aus, darunter das Kloster Wyden in der Herrschaft Rapperswil – die Auflösung des sogenannten Wydenklösterlis wurde am 21. Dezember 1521 von Bruder Jörg Honer namens des Kustos bestätigt.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts nahmen die Schenkungen und Stiftungen schnell zu. Die früheste Urkunde stammt aus dem Jahr 1273: Heinrich Kiseling schenkte dem Kloster ein Haus an der Barfüsser Hofstatt. Im 14. Jahrhundert begann der Konvent, vermehrt Grundbesitz zu erwerben, so erwarb man beispielsweise 1353 am Neumarkt ein Haus von Rudolf Brun. Im 15. Jahrhundert kam es zu einer beträchtlichen Ausweitung von Gütern, Liegenschaften und Ländereien. Den flächenmässig grössten Anteil des klösterlichen Grundbesitzes stellten die Rebberge dar; die gesamte Fläche der von Zollikon bis Höngg reichenden Parzellen dürfte etwa 50'000 m² betragen haben. Daraus lässt sich der Ertrag errechnen: Demnach muss im Jahr 1513 jedem der höchstens sechs Ordensbrüder ein Weinkonsum von 2,3 Liter pro Tag zur Verfügung gestanden haben.
Wie die Prediger und die Augustiner scheinen die Zürcher Franziskaner keine grundsätzlichen Gegner der Reformation gewesen zu sein, waren jedoch gegen Zwingli eingestellt. Am 12. April 1523, nach dem imbis, versammelten sich in der Kirche noch einmal 40 Männer. Zum weiteren Verlauf der Ereignisse oder zur Aufhebung des Klosters liegen keine Berichte vor. Am 3. Dezember 1524, nach der Aufhebung der Klöster in Zürich, kamen die übrig gebliebenen Augustiner- und Predigermönche in den Längstrakt des Barfüsserklosters und erhielten eine Rente. Gleichzeitig erhielt das Kloster einen neuen Pfleger. Durch die Anwesenheit der Mönche waren die Bücher der Bibliothek besser geschützt als in anderen Klöstern, und der Büchersturm von 1525 betraf wahrscheinlich auch hier nur die liturgischen Bücher. Der ehemalige Priester Enoch Metzger OFM vermachte sie auf seinen Tod der Stiftsbibliothek Grossmünster, wo Conrad Pelikan wirkte, der die Bücher 1535 entgegennahm und in seinem Katalog inventarisierte, sodass heute 46 Bände bekannt sind.
Am 14. Mai 1526 beschloss der Rat, die sieben Altäre der Barfüsserkirche abzubrechen. Der Hauptaltar kam ins Grossmünster, wo er zum Bau des neuen Kanzellettners verwendet wurde. Das Chorgestühl wurde 1527 mit den Gestühlen der anderen aufgehobenen Zürcher Klöster nach St. Peter verbracht.
Errichtet wurde die Kirche in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie war eine flach gedeckte dreischiffige Pfeilerbasilika, nördlich daran angeschlossen war ein rechteckiger Chor mit einer flachen Holzdecke. Auffallend ist die Kombination von grosser Länge, engen Abstände der Langhausarkaden und geringer Höhe.
Die Umrisse der östlichen Chormauer zeichnen sich am hinteren Flügel des Obergerichtsgebäudes heute noch klar ab. Der Haupteingang lag, wie auf dem Murerplan ersichtlich, an der Südwestseite gegen den Friedhof. Die drei Schiffe waren durch mächtige Rechteckpfeiler voneinander abgetrennt. Die Bogenläufe waren gequadert, das Mauerwerk verputzt. Die Sakristei schloss an die östliche Chorwand an.
Parallel zur Kirche, aber auf der anderen Seite des Wolfbaches, lag das Hauptgebäude, ein mächtiger rechteckiger Trakt, in dem unter anderem das Refektorium untergebracht war. In der Mitte verband ihn ein Quertrakt mit der Kirche. In den Quergang war der nordwestliche Teil des Kreuzgangs integriert. Nordwestlich des Quergangs lag der äussere Hof, der vom Wolfbach durchflossen wurde.
Der Längstrakt bestand aus zwei gemauerten Geschossen, darüber lag ein niedrigeres Obergeschoss aus Holz. Darin untergebracht waren das Sommerrefektorium, das von der Stadt für Empfänge genutzt wurde, und die Kammern der Brüder. Die Küche lag vermutlich in einem Anbau auf der Seite gegen die Stadtmauer. Im 19. Jahrhundert wurde das Gelände gegen den Hirschengraben um fünf Meter aufgefüllt, das Erdgeschoss wurde zum Keller. Es ist denkbar, dass sich die Fundamente des Küchenanbaus noch in dieser Auffüllung befinden. Im ehemaligen Erdgeschoss soll ein kleineres Refektorium gelegen haben.